KBV-Prozess: Vermittler bleibt ein Phantom

Haben die vier Direktoren der Winterthurer Krankenkasse KBV ihre Provisionen über einen fiktiven Mittelsmann gewaschen? Auch am zweiten Prozesstag gabs keine Klarheit.

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Am zweiten Prozesstag in der Betrugsaffäre bei der Winterthurer Krankenkasse KBV befragte das Bezirksgericht Winterthur den jüngsten der vier Direktoren. Wie am ersten Tag stand eine Frage im Mittelpunkt: Hat das Direktionsquartett einem gewissen Wilfried Schubert 9,5 Millionen Franken Provisionen überwiesen für die Vermittlung von fiktiven betagten Versicherten? Oder war Schubert eine fiktive Figur, um die Wege der 9,5 Millionen zu verschleiern, welche sich die Direktoren laut Anklage in die eigenen Taschen steckten?

Der jüngste der vier Direktoren, der ein vollumfängliches Geständnis ablegte, verneinte Schuberts Existenz entschieden. «Der Mann ist zu 100 Prozent eine Erfindung. Ich habe von ihm nie Anträge von Kunden erhalten; diesen Vermittler gibt es nicht», sagte der heute 37-Jährige. Und er bestätigte, dass er für seine Mithilfe beim Betrug 1,8 bis 1,9 Millionen Franken kassiert habe.

«Der Herr gab sich als Schubert aus»

Das Rätsel um Schubert, den auch die Staatsanwaltschaft nicht ausfindig machen konnte, löste sich indes nicht auf. Der Inhaber eine Karosseriefirma, ein guter Freund des Finanzchefs, sagte aus, bei ihm habe sich ein Deutscher als Wilfried Schubert ausgegeben, allerdings ohne sich auszuweisen. Der Mann sei damals ungefähr 60 Jahre alt gewesen, korpulente Statur, Stirnglatze, eine sehr gepflegte Erscheinung mit Wohnsitz am Bodensee. Und Schubert habe ein Auto mit deutschem Kennzeichen gefahren.

Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, ob der Mann eine Erfindung sei, antwortete der Karosserie-Firmenbesitzer: «Der Herr, der bei mir war, gab sich als Schubert aus.» Der Karosserie-Firmeninhaber, der sich keiner Schuld bewusst ist, stellte seinem Freund seine inaktive AG für die Gründung der Tarnfirma Risk zur Verfügung. Für diese wurde ein Konto bei der Raiffeisenbank eröffnet. Auf das Konto flossen die 9,5 Millionen, welche die vier Direktoren in wechselnder Zweierbesetzung in Raten bar bezogen und unter sich aufgeteilt haben sollen. Der Karosserie-Firmeninhaber betonte, er habe nicht gewusst, wofür die Firma Risk benutzt worden sei.

Die 9,5 Millionen Franken stammten laut Anklage aus den mit den 2040 fiktiven Versicherten ertrogenen Geldern. Insgesamt kassierte die KBV vom Risikoausgleichsfonds der Krankenversicherer von 2000 bis 2002 27,5 Millionen, «um die serbelnde Firma zu retten, nicht um Geld zu waschen», wie der jüngste Direktor glauben machen wollte.

Verwaltungsräte bestreiten Schulden

Angeklagt sind auch zwei damalige Verwaltungsräte wegen angeblich unrechtmässiger Bonuszahlungen an sich und die vier Direktoren. Beide bestritten eine Schuld. Pikant: Die Boni flossen nicht über die Lohnbuchhaltung der KBV, sondern über das Konto des Vereins Ganzheitliches Denken - gegründet vom Verwaltungsratspräsidenten.

Zwei der drei am Montag befragten Direktoren hatten die Tatbestände Betrug, Veruntreuung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei bestritten. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann plädieren die Verteidiger und der Staatsanwalt, der die Strafanträge bekannt geben wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2008, 22:39 Uhr

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