Kanton Zürich verliert an Finanzstärke

Zürich hinkt bei der Entwicklung der Steuerkraft den meisten Kantonen hinterher. Schuld daran seien Finanzkrise, Boni und die kürzlich Zugewanderten, sagt Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP).

Ins Grübeln geraten: Regierungsrat Ernst Stocker, hier an einer Medienkonferenz im Jahr 2012.

Ins Grübeln geraten: Regierungsrat Ernst Stocker, hier an einer Medienkonferenz im Jahr 2012. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Dieses Ranking hat Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) aufgeschreckt. Zürich prosperiert nicht mehr so, wie alle glauben: Im Ressourcenindex der Kantone schneidet der Kanton Zürich gar miserabel ab. Verglichen mit dem Schweizer Durchschnitt liegt er bei der Entwicklung der Steuerkraft an zweitletzter Stelle, nur Baselland schneidet noch schlechter ab. 6,1 Prozentpunkte liegt Zürich unter dem Durchschnitt. Die Spitzenreiter Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug weisen zwischen 20 und 48 Prozentpunkte aus. Die Liste wurde für den nationalen Finanzausgleich erstellt und setzt die steuerbaren Einkommen und Vermögen von Privaten und Firmen sowie die Unternehmensgewinne im Zeitraum 2004 bis 2018 ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl.

«Das muss uns zu denken geben», sagte Stocker bereits beim Erscheinen der Zahlen und ordnete eine Untersuchung an. Erste Resultate zu den Gründen dieser Entwicklung liegen nun vor, wie die NZZ schreibt.

Finanzkrise wegsimuliert

Die Finanzdirektion führt das schlechte Abschneiden unter anderem auf die Finanzkrise zurück, die Zürich in den Jahren nach 2008 besonders hart getroffen hat. Um herauszufinden, ob diese alleine für das Malaise verantwortlich ist, hat sie die Folgen der Krise aus dem Ressourcenindex herausgerechnet. Die Statistiker simulierten also eine Realität, in der sich die Zürcher Firmengewinne von 2004 bis 2018 nach dem Schweizer Durchschnitt richteten. Das Resultat: Noch immer betrug der Indexrückgang 3,2 Prozentpunkte. Die Finanzkrise alleine erklärt das schlechte Abschneiden Zürichs also nicht.

Stocker weist in der NZZ daraufhin, dass auch die Einnahmen aus Steuern von natürlichen Personen in den letzten Jahren stagnierten. Von 2009 bis 2016 stiegen sie um 12,9 Prozent; ein guter Wert, denn im gleichen Zeitraum nahm die Bevölkerung nur um 10,2 Prozent zu. Von 2012 bis 2016 jedoch stiegen die Steuererträge um 1,8 Prozent, während die Bevölkerung um ein Vielfaches, nämlich 5,4 Prozent, zunahm.

Topverdiener weggezogen

Stocker macht dafür eine Kombination von Ursachen aus. So seien die heutigen Zuwanderer nicht mehr so finanzstark wie diejenigen in früheren Jahren, die Löhne stagnierten, und die Firmen zahlten nicht mehr so viele und weniger hohe Boni. Zudem seien einige Topverdiener weggezogen. Zum Beispiel machte der Unternehmer und Radsportsponsor Andy Rihs Schlagzeilen: In der Hombrechtiker Steuerkasse fehlen wegen seines Weggangs dieses Jahr 9 von 29 Millionen Franken.

Trotzdem stehen für Stocker die Unternehmenssteuern im Vordergrund. Bei denen gelte es, kompetitiv zu bleiben. Den Fokus legt er auf die Steuervorlage 17, die der Bund derzeit in die Vernehmlassung geschickt hat und wo es gelte, geeint für die Interessen des Kantons einzutreten. «Wir dürfen uns nicht auf den Eindruck verlassen, dass Zürich boomt und prosperiert, und dass nach einigen Differenzen auch die Start-up-Szene mit den Rahmenbedingungen zufrieden zu sein scheint», sagt er. Zudem gelte es, den kantonalen Haushalt zu stabilisieren. (lop)

Erstellt: 03.11.2017, 10:37 Uhr

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