Kanton will eine Katzensteuer

Der Zürcher Kantonsrat fordert die Einführung einer Katzensteuer. Grund ist die bedrohte Artenvielfalt bei den Singvögeln. Mitte-links steht fast geschlossen dahinter, nur FDP und SVP wollen keine neue Steuer.

Den Katzen ergeht es bald wie den Hunden: Sie sollen künftig registriert und gechipt werden. Foto: How Hwee Young (Keystone)

Den Katzen ergeht es bald wie den Hunden: Sie sollen künftig registriert und gechipt werden. Foto: How Hwee Young (Keystone)

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Zürich – Die Grünliberalen haben sich am Montag im Kantonsrat wieder ihrer grünen Seite besonnen und eine ausformulierte parlamentarische Initiative zur Einführung einer Katzensteuer eingereicht. Voraussichtlicher Tarif: 50 Franken pro Katze und Jahr. GLP-Kantonsrat, Biologe und Pro-Natura-Geschäftsleiter Andreas Hasler nennt die Steuer ein «Zeichen der Zeit» und die «kostengünstigste Massnahme zum Schutz vieler ­Vogelarten». Bereits zeichnet sich eine Unterstützung von Mitte bis links ab – bloss FDP und SVP bocken mit ihrem Killerargument «Keine neuen Steuern». 60 Stimmen – und damit eine Volksabstimmung – scheinen gesichert.

Das Veterinäramt des Kantons bringt einer solchen Abgabe «grosses Inte­resse» entgegen, bestätigt Kantonstierärztin Regula Vogel. Vorausgesetzt sei eine Registrierung aller Heimkatzen: «Dies kann mit Mikrochip gemacht werden, wie bei den Hunden.» Im Veterinäramt schätzt man, dass es im Kanton 200 000 Katzen gibt, viele sind bereits gechipt. Der Aufwand zu deren Registrierung würde sich laut Regula Vogel deshalb «in Grenzen halten, da wir gute Synergien zur laufenden Erfassung aller Bienenbestände, Geflügelhaltungen und Speisefischteiche nutzen können».

Hauptgrund für diesen politischen Vorstoss sind Bedenken der Ornithologen, welche die Artenvielfalt der Sing­vögel, insbesondere des Pappelwaldsängers, bedroht sehen. Tatsächlich hat erst vor einem Jahr eine Studie aus den USA aufgeschreckt. Sie kam zu dem Schluss, dass Katzen allein in den USA jedes Jahr bis zu 3,7 Milliarden Vögel töten. Laut Bird Life Zürich ist auch hierzulande jeder fünfte Jungvogel für die Katz.

Die Idee, das Problem mit einer Steuer in den Griff zu bekommen, überrascht nicht. Auch im Ausland existieren solche Pläne. So hat ein Vogelschützer aus Radolfszell am Bodensee vor einem Jahr die Einführung einer Katzensteuer für 30 Euro im Jahr verlangt.

Steuer statt Kastrationspflicht

Bei einzelnen Tierschutzorganisationen hält man die «Büsisteuer» allerdings für eine Schnapsidee. Eine Katzensteuer würde nur zu mehr ausgesetzten verwilderten Katzen führen, heisst es beim Zürcher Tierschutz. Auch der bekannte Katzenforscher Dennis Turner ist klar gegen eine solche Initiative. Katzen seien keine Bedrohung für Singvögel. Weltweit gebe es über 80 Studien, die diese Befürchtungen entkräften. Turner: «Das Problem wird komplett überschätzt.» Auch in den wild streunenden Katzenverbänden sieht er keine Gefahr. «Von diesen frei lebenden Katzenpopulationen höre ich immer wieder, bin aber noch nie einer begegnet.» Turner begrüsst indes eine Kastrationspflicht für Katzen mit Auslauf. Seine Meinung zur Katzensteuer würde er höchstens ändern, «falls die Einnahmen zweckgebunden für Katzenanliegen eingesetzt werden». Keinesfalls aber «wie bei der Hundesteuer, wo das Geld in der Staatskasse verschwindet». Bei den Vogelschützern sieht man das umgekehrt. Hobby-Ornithologe Anton Meise, der im Zürcher Oberland eine Vogelvoliere betreibt, befürwortet eine Registrierung: «Es ist traurig, aber der Pappelwaldsänger hat bald ausgesungen.»

Katzenhalsband bei Ausnahmen

Für Heidi Wettstein vom Katzenverein Schnurrli in Oberglatt ist die Steuer ein No-go: «Es ist absurd, jedem Lebewesen einen Chip einpflanzen zu wollen, bald sind auch wir Menschen dran.» Wie eine Registrierung umgesetzt werden könnte, ist ihr schleierhaft.

Vom Einreichen einer Initiative bis zur Volksabstimmung dauert es mindestens zwei Jahre, dazu käme die Übergangsfrist von einem Jahr. Ab 2018 müsste also jeder Katzenbesitzer seinen vierbeinigen Liebling registrieren. Katzenhaltern, die nicht chippen lassen wollen, bietet das Veterinäramt online ab morgen eine Möglichkeit an. Durch das Einsenden eines standardisierten Fotos. «In Ausnahmefällen», so Regula Vogel, «könnten wir auch Katzenhalsbänder bewilligen.»

Auch den Bauern will man entgegenkommen und bei ihnen auf die Steuer verzichten, «wenn es sich um Katzen handelt, die gezielt bei der Mäuseregulation eingesetzt werden», sagt Kantonstierärztin Regula Vogel. Das Veterinäramt wird demnächst mit dem Kanton Aargau das Gespräch suchen, um die Katzensteuer auch dort einzuführen: «Da wir sonst im Limmattal mit den frei laufenden Katzen zwischen Schlieren und Spreitenbach ein Vollzugsproblem bei den Kontrollen haben werden», so Regula Vogel.

Zudem will der Kanton auch das Problem verwilderter Katzenpopulationen anpacken. Nach Möglichkeit werden in den nächsten Jahren möglichst alle streunenden Katzen erfasst. Was bizarr anmutet, ist bereits Plan. «Jede Katze soll eine Gemeindenummer mit einem Fellmuster-Code und einer dreistelligen Laufnummer erhalten», sagt Regula Vogel. Sie nennt dafür ein Beispiel: «Wird ein herrenloses Tigerli ohne Weiss auf dem Brühlberg in Winterthur gesichtet, so erhält es die Nummer 230 3 001 und wird so vom Förster registriert.»

Kuschelige Alternative

Biologe und Kantonsrat Andreas Hasler kann sich vorstellen, dass mit der Katzensteuer ein Forschungsprogramm zur Züchtung von Vegetarierkatzen finanziert werden könnte. «Damit werden einerseits Vögel, Eidechsen und Blindschleichen geschont, und andererseits kann der Kot, wie bei anderen Pflanzenfressern, problemlos als Dünger verwendet werden», sagt der Biologe. Als Standort schwebt ihm der Innovationspark Dübendorf vor, weil der Kanton mit dieser Idee Neuland betrete und das fliegerische Umfeld die Vögel positiv beeinflusse. Hasler: «Zudem könnten die Büsis lernen, dass nicht alles gefangen werden soll, was fliegt.»

Dem Katzenfreund und SVP-Gemeinderat Mauro Tuena stellen sich die Nackenhaare beim Gedanken an eine Katzensteuer, auch sein Büsi Kira würde sich «vor Lachen schütteln, wäre sie denn ein Mensch». Eine Katzensteuer einzuführen, sei ein «absoluter Unsinn». Dass das kantonale Veterinäramt Freude an einem solchen Vorstoss hat, verwundert Tuena nicht. Hier gehe es wieder einmal ausschliesslich um die Einführung einer neuen Steuer. «Der angebliche Hauptgrund der kantonsrätlichen Initianten ist nur vorgeschoben.» Viele ältere, meist alleinstehende Menschen würden eine Katze besitzen. Diese gebe ihnen Wärme und Freundschaft. «Gerade solche Personen sind oft finanziell nicht auf Rosen gebettet. Würde eine Steuer für die Katze eingeführt, müssten sie auf ihr geliebtes Büsi verzichten.»

Diesen kantonsrätlichen Entscheid würde Tuena auf jeden Fall rigoros bekämpfen. Bei einer Volksabstimmung rechnet er sich gute Chancen aus. «Katzen sind im Sozialwesen und in der Altersbetreuung eine kuschelige und sehr günstige Alternative zum aufgeblähten Apparat der linken Sozialindustrie.»

Erstellt: 01.04.2014, 07:32 Uhr

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Ab heute können Sie Ihre Katze via «Tages-Anzeiger» beim Kantonalen Veterinäramt Zürich mit einem Farbfoto online vorregistrieren lassen. Das geht folgendermassen: Machen Sie zwei Bilder Ihrer Katze. Bild 1: Von der Seite und stehend, Schwanz möglichst in der Höhe. Bild 2: Sitzend von vorne, Schnauze geschlossen, Ohren nicht angelegt.

Der TA verbindet die Registrierung mit einem Wettbewerb. Schicken Sie uns ein Foto/Video ihrer Katze. Die fünf lustigsten Einsendungen werden prämiert. (TA)

Einsenden mit Betreff «Katzensteuer» an: community@tages-anzeiger.ch.

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