Kantonsrat lässt Schulreform-Kritiker abblitzen

Die Änderung der Schulsysteme an den Sekundarschulen sei undemokratisch, sagen die Gegner der Schulreform. Das Gegenteil sei der Fall, findet die Mehrheit im Kantonsrat.

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In der Stadt Zürich gibt es seit kurzem in der Sekundarschule keine neuen C-Klassen mehr. Die Schulpräsidentenkonferenz hatte 2006 entschieden, in der ganzen Stadt künftig nur noch zwei Abteilungen (A und B) zu führen. Dafür werden neu drei Fächer im Niveau-Unterricht erteilt. Dieser Entscheid ist bei einigen Kantonsräten sehr schlecht angekommen. In einer Motion fordern sie vom Regierungsrat eine Gesetzesänderung, die den Schulbehörden Einhalt gebietet. Denn vor rund zehn Jahren hat das Volk in allen Schulkreisen über das Oberstufenmodell abgestimmt. Damals wurden in zwei Kreisen die Gegliederte Sek (zwei Abteilungen) und in den restlichen Kreisen die Dreiteilige Sek (drei Abteilungen) eingeführt. Inzwischen hat sich die Ausgangslage mit dem neuen Volksschulgesetz geändert. Dieses sieht nicht mehr eine starre Trennung zwischen Gegliederter und Dreiteiliger Sek vor. Neu sind Mischformen möglich. Beispielsweise können drei Abteilungen geführt werden, dazu aber auch Niveau-Unterricht in einzelnen Fächern, was früher nur in der Gegliederten Sek möglich war.

«Hinterhältig und undemokratisch»

Der erste Motionär, Sekundarlehrer Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen), kritisierte in erster Linie den Regierungsrat. Der habe in der Verordnung zum neuen Volksschulgesetz einen Passus hineingeschrieben, der die Schulpflegen beauftrage, die Anzahl Abteilungen und Niveaufächer in ihren Gemeinden einheitlich festzulegen. «Davon hatten die Stimmberechtigten bei der Abstimmung übers Volksschulgesetz keine Ahnung.» Und der Kantonsrat habe zur Verordnung nichts mehr zu sagen gehabt. Hauser bezeichnete das als «hinterhältig und undemokratisch». Sek-Lehrer Kurt Leuch (EVP, Oberengstringen) doppelte nach: «Es kann nicht sein, dass die Schule von oben nach unten umgebaut wird.» Und Primarlehrer Stefan Dollenmeier (EDU, Rüti) wehrte sich gegen die «undemokratischen Direktiven aus der Bildungsdirektion».

In den anderen Parteien wurde diese Kritik nicht aufgenommen. Das neue Volksschulgesetz sei mit 70 Prozent Ja-Stimmen an der Urne angenommen worden. Da sei nichts undemokratisch gelaufen, meinte Susanna Rusca (SP, Zürich). Corinne Thomet (CVP, Kloten) bezeichnete die Motion als Verzweiflungstat der Reformkritiker, und Werner Scherrer (FDP, Bülach) und Susanne Rihs (Grüne Glattfelden) wiesen darauf hin, dass die Schulpflegen vom Volk gewählt und deren Entscheide nicht undemokratisch seien.

Aeppli gibt den Ball zurück

Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) erinnerte ihre Kritiker und die SVP daran, dass sie selber eine flexiblere Gestaltung der Oberstufenmodelle gewünscht hätten. «Demokratie ist eben nicht nur, wenn sich die eigene Meinung durchsetzt», sagte Aeppli. Die Motion wurde schliesslich mit 98:65 Stimmen abgelehnt. Im Übrigen soll in den nächsten Jahren eine breite Debatte über die Weiterentwicklung der Sekundarschule stattfinden. Am Freitag werden die Diskussionen offiziell eröffnet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 23:10 Uhr

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