Kein Geld, kein Gymi

Klassen mit hohem Anteil an Fremdsprachigen kommen im Lernstoff weniger weit. Ergo: Nur wer sich zusätzliche Kurse leisten kann, steigt ins Gymnasium auf.

Schränkt ein hoher Anteil an Fremdsprachigen die Chance aufs Gymi ein? Schüler beim Schulbeginn.

Schränkt ein hoher Anteil an Fremdsprachigen die Chance aufs Gymi ein? Schüler beim Schulbeginn. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Klassen mit vielen Fremdsprachigen verschlechtern die Leistungen aller Schüler. Dies ergibt eine Studie der Bildungsdirektion, welche den Lernstand von Primarschülern untersuchte. Haben es gute Schüler also schwerer eine Gymnasiallaufbahn einzuschlagen, wenn sie in lernschwachen Klassen unterrichtet werden?

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes, räumt ein, dass Klassen mit einem Fremdsprachigen-Anteil ab 40 Prozent im Stoff weniger weit kommen. Wie die Untersuchung der Bildungsdirektion ergab, gibt es solche, die bis zu einem Jahr hinterherhinken. Vor allem in Deutsch.

Schulen sollen selbst aufs Gymi vorbereiten

Für Lätzsch ist es deshalb wichtig, dass die Schulen leistungsstarken Kindern Vorbereitungskurse anbieten, um den Lernstand aufzuholen. «Sinnvoll wären jeweils zwei Stunden pro Woche ausserhalb der obligatorischen Unterrichtszeit.» Lätzsch hat von Schulen gehört, an denen dies die Lehrer unentgeltlich anbieten. «Hier muss etwas gemacht werden.» Den Vorschlag der Stadt Zürich, im regulären Unterricht individuell auf die Gymiprüfung vorzubereiten, lehnt Lätzsch zwar nicht ab, aber: «Die Zeit brauchen die Lehrer eigentlich für den Lehrplan-Stoff.»

Dennoch ist Lätzsch überzeugt, dass jeder begabte Schüler, der «unbedingt ans Gymnasium will, dies auch schafft». Lehrer seien immer bereit, Zusatzaufgaben zu geben und somit auf eine Mittelschullaufbahn vorzubereiten.

Ehrgeizige Lehrer fördern mehr

Ähnlich sieht dies Susanna Roshardt vom Lern-Forum. Bei ihr werden Kinder in Vorbereitungskursen für die Gymiprüfung fit gemacht. Laut Roshardt hat die Schulkultur mehr Einfluss auf die Leistungen als der Anteil an Fremdsprachigen. «In Urdorf sind die Lehrer sehr ehrgeizig und wollen die beste Klasse haben.» Sie räumt zwar ein, dass dort der Anteil an Fremdsprachigen nicht besonders hoch ist. Sie stellt aber fest, dass fast jeder Schüler aus Urdorf, den sie bei sich in den Kursen hat, die Gymiprüfung besteht. Allerdings sind ihre Kurse nicht ganz billig: Der kürzere schlägt für die Eltern mit rund 1180 Franken zu Buche.

Hier ortet Lehrerverbands-Präsidentin Lätzsch jedoch ein weiteres Problem: Begabte Schüler aus fremdsprachigen Familien und sozial benachteiligtem Hintergrund hätten kaum die Möglichkeit, sich solche Kurse zu leisten. Zwar gebe es Angebote, welche hier Abhilfe schaffen wollen, wie das Projekt ChagALL. Interessenten melden sich aber nur zögerlich. Für Lätzsch gibt es dafür vor allem eine Erklärung: «Wenn alle ihre Freunde nicht ans Gymi gehen, wollen dies die Kinder auch nicht.»

Erstellt: 10.06.2011, 14:35 Uhr

Projekt ChagALL

Bei diesem Projekt werden begabte Schüler mit Migrationshintergrund auf die Gymiprüfung vorbereitet – gratis. Voraussetzung ist, dass der Klassenlehrer den Schüler empfiehlt und er oder sie einige Vortests besteht.
Die Kurse führen Lehrer des Gymnasiums Unterstrass durch.
Melden können sich Interessierte bei:
Gymnasium Unterstrass, Seminarstr. 29, 8057 Zürich. Telefon: 043 255 13 13

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