«Kinder-Banden treten bereits mit 18 in den Ruhestand»

Die Jüngsten sind erst 9-jährig und sie räumen ein Haus nach dem anderen aus. Jugendanwalt Hansulrich Gürber spricht mit Tagesanzeiger.ch über Kinder-Einbrecherbanden von Fahrenden.

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Hansulrich Gürber, sie behandelten in den letzten 20 Jahren einige hundert Fälle von Einbrüchen durch Kinder von Fahrenden. Wie alt war das jüngste Kind?
Die Zürcher Jugendanwaltschaften behandelten auch schon Fälle von 9-jährigen Einbrechern. Dafür treten sie mit 18 häufig bereits in den Ruhestand.

Stehlen sie im Auftrag der Eltern?
Der Ertrag der Einbrüche geht an die Sippe. Aber der Eindruck, dass die Kinder von Erwachsenen zu diesen Taten gezwungen werden, täuscht. Wir gehen davon aus, dass sie bis vor 9 Jahren einen Chef hatten, der im Kosovo-Krieg 1999 gestorben ist. Seither scheinen sie sich selbst zu organisieren.

Woher kommen die Kinder?
In der Regel leben sie auf Fahrendenplätzen in Mulhouse oder Annecy. Sie kommen nie mit Wohnwagen in die Schweiz. Sie besorgen sich Autos mit Autonummern auf deutschen Schrottplätzen und fahren damit in die Schweiz, um die Einbrüche zu begehen. Es herrscht zeitweise ein reges Kommen und Gehen.

Wie professionell sind die Kinder?
In einer archaischen Weise sind die Kinder sehr professionell. Türen und Fenster hebeln sie mit einem Schraubenzieher auf, Schlösser entriegeln sie mit einem Stückchen aus einer Petflasche. Im Haus drin stehlen sie praktisch ausschliesslich Schmuck und Bargeld. Das Deliktgut übergeben sie sofort nach dem Einbruch an Komplizen, die in der Nähe warten. Deshalb werden sie, wenn überhaupt, häufig ohne Deliktgut erwischt.

In Winterthur erbeuteten die Kinder bei zwei Einbrüchen eine Viertelmillion. Verfügen die Kinder über Insiderwissen?
Eher nicht. Solch hohe Deliktsummen sind eher auf Glück zurückzuführen.

Haben die Kinder ein Unrechtsbewusstsein?
Ja, das haben sie. Aber sie kennen einfach nichts anderes, das ist ihr Leben. Sie reden davon, ‹gearbeitet› zu haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2008, 11:29 Uhr

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