Kinderchor singt gegen Herrliberger Lärmkläger an

Fussballfreunde demonstrieren an der Goldküste gegen zwei lärmgeplagte Anwohner.

Der Sympathiemarsch in Herrliberg für den lokalen Fussballclub. (Video: Tamedia)

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Wenn der FC Herrliberg etwas tut, dann richtig. Beim Solidaritätsmarsch an der Züricher Goldküste werden die Auto­fahrer von Verkehrskadetten eingewiesen, die Medienparkplätze sind bereits markiert, der elegante Kunstrasen füllt sich mehr als pünktlich mit Kindern, Eltern, Fussballfans und solidarischen Vereinen. Die Mobilisierungskraft des FC kann sich sehen lassen: Mitten in der Adventszeit versammeln sich rund 400 Fussballfreunde auf dem Sportplatz Langacker im Herzen Herrlibergs.

Clubpräsident Lars Haussmann bespricht die letzten Details mit der Polizei – der Polizeichef der Region ist persönlich vor Ort – und begrüsst die Menge. «Vom Christkind wünschen wir dieses Jahr nur, dass die beiden Anwohner ihre Klage zurückziehen oder dass das Bundesgericht für uns entscheidet», sagt er zu den Fussballfreunden. Er erntet dafür Applaus, ein Fussballhorn heult aus einer Ecke. Die Lage ist ernst: Wegen des noch ausstehenden Bundesgerichtsentscheids über eine Lärmklage droht der FC Herrliberg um mindestens ein Drittel zu schrumpfen, rund 200 Kinder und Fussballbegeisterte würden so ihr Hobby verlieren.

Der Lärmentscheid des Bundesgerichts hätte Auswirkungen für Fussballclubs in der ganzen Schweiz – vor allem für solche, die in Quartieren verankert sind oder um die in den letzten Jahren Quartiere wuchsen. Aus Solidarität sind gestern Abend auch Vertreter der Clubs von Zollikon, Küsnacht, Meilen, Männedorf und Stäfa angereist.

«Keine Vermummung, keine Pyros»

Dann gibt Clubpräsident Haussmann die Spielregeln für die Demonstration durch, die man hier lieber «Solidaritätsmarsch» nennt. «Keine Vermummung, keine Pyros» – die Fussballfreunde lachen nur. Für die meisten, die mit dem Clubpräsidenten in der ersten Reihe laufen, ist das die erste Demonstration in ihrem Leben. Für die Kinder sowieso. «Kinderlärm ist Zukunftsmusik», steht auf dem Transparent, «FC Herrliberg, FC Herrliberg», singen die Kleinen im Chor, die Lampions tanzen mit.

Der Marsch führt mitten ins Quartier der gut betuchten Anwohner des Dorfes. Die Baufirma, die denselben Namen trägt wie der vermögende Lärmkläger, hat den Marronistand am Ende des Marsches spendiert. Die Gründerfamilie hat die Firma vor ein paar Jahren verkauft. «Von der Klage haben wir aus der Presse erfahren», sagt CEO Philippe Corti. «Es ist aber nicht an uns, die Beweggründe der Kläger zu kommentieren. Die Corti-Robert-Spleiss-Gruppe bekennt sich mit verschiedenen Engagements zum Breitensport.» So wie alle Fussballfreunde, die an diesem Abend für eine Stunde ein klein wenig Lärm gegen die Lärmklage machen. Wann das Urteil des Bundes­gerichts in der Sache kommt, ist noch ­offen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2017, 22:32 Uhr

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