Klinik Hirslanden empört Zürcher Spitäler

Mit einer E-Mail will die Klinik Hirslanden anderen Spitälern Belegärzte abwerben. Der Verband Zürcher Spitäler reagiert geharnischt.

Die Klinik Hirslanden ermunterte ihre Belegärzte, alle ihre stationären Patienten in den Sommermonaten in der Klinik zu operieren.

Die Klinik Hirslanden ermunterte ihre Belegärzte, alle ihre stationären Patienten in den Sommermonaten in der Klinik zu operieren. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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In den kommenden Monaten sinken an den Spitälern die Fallzahlen. Geplante Operationen werden oft nicht auf die Sommerferien gelegt. Dieser drohenden Unterbelegung möchte die Klinik Hirslanden mit einer «Sommeraktion» beikommen. Neben einer öffentlichen Imagekampagne, die Patienten ansprechen soll, griff die Klinik am vergangenen Montag zu einer ungewöhnlichen Methode. Sie schrieb alle ihre Belegärzte in einer E-Mail an und ermunterte sie, «in den Monaten Juli und August alle Ihre stationären Patienten unabhängig vom Versicherungsstatus in der Klinik Hirslanden zu operieren und zu hospitalisieren», wie es in der E-Mail heisst, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegt.

Um das Angebot für die Patienten «besonders attraktiv zu gestalten», will die Klinik Hirslanden ihnen weitere Zusatzleistungen bieten. So erhalten halbprivate Patienten ein Upgrade für ein Einzelzimmer, zusätzliche Klimageräte sowie einen Shuttlebusservice vom Bahnhof Stadelhofen zur Klinik. Privatversicherte würden gemäss der E-Mail neben einem Klimagerät zusätzlich noch Früchteteller, eine Orchidee sowie Gratiskaffee und -kuchen für Besucher erhalten. Ausserdem bietet die Klinik ihnen einen Taxiservice innerhalb der Stadt an «bis 80 CHF pro Fahrt». Dazu sollten die Belegärzte die Patienten mindestens sieben Tage vor Eintrittsdatum mit dem Stichwort «Sommer-Upgrade» anmelden. Zudem heisst es in dem Schreiben: «Ausgenommen von dem Angebot sind: Notfälle, kardiologische, onkologische und palliative Fälle, Wöchnerinnen». Unterzeichnet haben die E-Mail der Direktor Dietmar Mauer und der Leiter Performance Management, Thomas Ehrlich.

Die E-Mail gelangte auch an den Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK), der am Donnerstag geharnischt darauf reagierte. «Mit Erstaunen und Verärgerung» stelle man fest, dass die Klinik Hirslanden versuche, Vereinbarungen von Belegärzten mit anderen Spitälern zu unterlaufen: «So geht das nicht!» Die E-Mail schickte der VZK-Präsident Christian Schär zusammen mit dem Geschäftsleiter Daniel Kalberer allen 31 Mitgliedern. Sie kündigten darin an, das Vorgehen an der nächsten Direktorinnen- und Direktorenkonferenz zu traktandieren. Kalberer bestätigt auf Anfrage, dass man die «Sommeraktion» der Klinik Hirslanden mit grossem Befremden zur Kenntnis genommen habe und keineswegs so hinnehmen werde.

«missverständlichen Interpretation»

Auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» spricht die Klinik Hirslanden von einer «missverständlichen Interpretation» der E-Mail. Man habe den Belegärzten lediglich mitgeteilt, dass es im Sommer 2018 zu keiner Verringerung der Kapazitäten komme, während andere Spitäler die Kapazität im Sommer reduzieren würden. Die Information, die «Sommeraktion» sei wegen der Intervention des VZK gestoppt worden, konnte die Klinik Hirslanden nicht bestätigen.

Welche Konsequenzen der Vorfall hat, ist unklar. Gemäss den Statuten des VZK ist es möglich, Mitglieder auszuschliessen, wenn sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen oder mehrfach gegen die Interessen der Mitglieder verstossen. Da es sich hier um eine bisher einmalige Aktion handelt, wird dies wohl nicht zu einem Ausschluss führen. Dennoch werde man an der Direktorinnen- und Direktorenkonferenz darüber diskutieren, sagt VZK-Geschäftsleiter Kalberer. Ungeachtet dessen, ob die Klinik Hirslanden ihre «Sommeraktion» wieder zurückzieht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2018, 22:16 Uhr

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