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Koch-Areal: Warum wurde die Stadt nicht überboten?

Die Stadt Zürich kauft der UBS das besetzte Koch-Areal ab. Für viele kommt überraschend, dass die Stadt nicht von Privaten überboten wurde. Politiker sprechen von einem guten Preis.

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Linke bejubeln einen Grosserfolg, Bürgerliche beklagen Geldverschwendung: Die Stadt Zürich kauft von der UBS das Koch-Areal in Albisrieden. Für das 30'000-Quadratmeter-Grundstück zahlt sie 70 Millionen Franken.

Anfang Jahr kündete die Grossbank allen Gewerblern auf dem Areal, um ein Projekt mit knapp 400 Wohnungen zu entwickeln. Kurz darauf zogen Besetzer in die alten Hallen. Nach langen Verhandlungen einigten sich Aktivisten und die Grossbank unter Vermittlung der Stadt auf eine Zwischennutzung.

Im Rahmen dieser Gespräche berichteten UBS-Vertreter, die Bank wolle das Areal abstossen, es lägen bereits Offerten vor. Sie boten der Stadt an, einen Kauf innerhalb eines Monats zu prüfen. «Für mich kam das überraschend», sagt Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne). Er sei davon ausgegangen, dass die UBS das Projekt selber ausführen und erst dann abgeben werde.

«Fairer Preis für beide Seiten»

Mitte Oktober nannte die UBS eine Kaufsumme von 70,2 Millionen Franken, was Leupi als «guten Preis» bezeichnet. Dabei stützt er sich auf die Bewertung der städtischen Schätzungskommission. Politiker von links bis rechts teilen dieses Urteil. «Zu Fantasiepreisen kaufen wir keine Böden. Deshalb mussten wir in letzter Zeit Angebote ausschlagen.»

Die UBS habe immer geplant, das Areal zu verkaufen, mit oder ohne Gestaltungsplan, sagt Sprecherin Tatiana Togni. Sie bezeichnet den Preis als fair für beide Seiten. Laut Togni hat die UBS parallel mit anderen Interessenten verhandelt. Weil deren Angebote Ende Jahr ausliefen, habe die Bank bis dahin einen Abschluss mit der Stadt gebraucht.

Um schnell handeln zu können, griff der Stadtrat zu, ohne die Erlaubnis des Gemeinderats einzuholen. Die Gemeindeordnung ermöglicht dies in Ausnahmefällen. Das letzte Mal nutzte die Stadt dieses Eilverfahren, als sie 2011 einen Teil des Gerold-Areals erwarb.

Bürgerliche lehnen Kauf ab

Das Geschäft zwischen Stadt und UBS scheint ungewöhnlich. Grössere Stadtzürcher Grundstücke, die in den letzten Jahren auf den Markt kamen, sicherten sich private Immobilienfirmen. Stadt und Genossenschaften wurden regelmässig überboten. Ein Beispiel dafür ist die ehemalige Sportanlage Guggach.

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran vermutet, dass die grossen Immobilienfirmen wegen zahlreicher Grossprojekte gerade viel Kapital gebunden hätten. Deshalb habe wohl niemand deutlich mehr Geld als die Stadt geboten. Mit dem Verkauf könne die UBS ausserdem rasch ihr Eigenkapital erhöhen. Diese verweist auf die langfristige Strategie, ihre Liegenschaften abzustossen.

Bürgerliche lehnen den Kauf ab. Mit solchen Aktionen entziehe die Stadt dem privaten Markt Boden und verteure so das restliche Angebot, sagt SVP-Präsident Roger Liebi. Umgekehrt sieht es die Linke. 2011 forderten 76 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten, den Anteil gemeinnütziger Wohnungen auf ein Drittel zu erhöhen. «Nur mit solchen Käufen können wir diesen Auftrag erfüllen», sagt Mitinitiantin Jacqueline Badran. «Das ist ein wichtiger Erfolg.»

Leupi: «Stadt kann es sich leisten»

Trotz Defizit könne sich Zürich die 70 Millionen Franken leisten, sagt Finanzvorstand Daniel Leupi. «Das Geld ist nicht verloren. Als Gegenwert erhalten wir wertvolles Land. Das ist eine Investition, die sich rechnen wird.» Jacqueline Badran spricht von einem «Big Business», da das Land Erträge abwerfe.

Wie viele gemeinnützige Wohnungen das Koch-Areal künftig bietet, kann Daniel Leupi nicht sagen. «Dazu ist es zu früh.» Geplant seien auch ein Park und ein Gewerbehaus. In direkter Nachbarschaft entstehen auf dem Zollfreilager derzeit rund 1000 Wohnungen. Zudem plant die Stadt ein neues Schulhaus.

Für die Besetzer und den Zirkus Chnopf, welche die Hallen zwischennutzen, ändert der Verkauf nichts. Sie dürfen noch sicher zwei Jahre bleiben.

Erstellt: 19.12.2013, 06:55 Uhr

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