Könige von Winterthur und Zürich

Beide Städte boomen und werden von SP-Stadtpräsidenten regiert. Sind die Roten die besseren Bürgerlichen?

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Den beiden grossen Städten im Kanton Zürich geht es blendend: Zürich ist eben als attraktivster Standort Europas ermittelt worden, Winterthur ist seit kurzem Grossstadt. Zürich pulsiert Tag und Nacht, die Wirtschaft wächst, und auch die Wohnbevölkerung nimmt seit acht Jahren wieder zu. Selbst die Bankenkrise kann der Finanzplatz dank fetter Reserven relativ locker wegstecken. Winterthur hat sein postindustrielles Trauma überwunden und sich zur modernen Technologie- und Bildungsstadt gemausert. Die Stadt präsentiert sich selbstbewusst als kleine Schwester der Kantonshauptstadt.

Die beiden SP-Männer sind die Leader

Selbstverständlich hängt das auch mit der guten Konjunktur der letzten Jahre zusammen, und selbstverständlich sind Städte generell heute wieder trendy geworden. Doch mitverantwortlich für den Glanz, der von den beiden Städten ausgeht, sind auch zwei rote Stadtpräsidenten: Elmar Ledergerber und Ernst Wohlwend. Die beiden SP-Männer sind die Leader ihrer rot-grünen Regierungen, die unbestrittenen Sonnenkönige in ihrem Reich, auch wenn sie stets die Teamarbeit betonen. An vorderster Front ruft der eine «Wir leben Zürich!», der andere preist ebenso oft die «Stadtmarke Winterthur» an.

Dass es in den beiden Städten nicht zu einem dauernden Hickhack zwischen Linken und Bürgerlichen kommt, ist den beiden Sonnenkönigen und ihrem Gefolge zu verdanken. Ihre liberale Politik sichert ihnen Unterstützung bis weit in die FDP hinein. Dennoch haben sie die Gefolgschaft ihrer eigenen Partei nicht verloren. Sie haben den Spagat zwischen sozialdemokratischer Verteilungspolitik und wirtschaftsfreundlichem Umfeld perfekt geschafft. Parteien von links bis hin zu den gemässigten Rechten stehen meist hinter den Stadtpräsidenten und ihren Regierungen.

Der Wandel von links zur Mitte

Wohlwend und Ledergerber hofieren die Reichen, umgarnen Firmenbosse und kämpfen für gute Steuerzahler, als hinge ihr persönliches Schicksal von den Steuereinnahmen ihrer Städte ab. Geschickt spielen die beiden roten Könige die guten Karten aus, die ihre ohnehin attraktiven Städte im wirtschaftlichen Wettbewerb haben.

Die alten klassenkämpferischen Postulate haben beide längst über Bord geworfen. Wobei vor allem Wohlwend einen erstaunlichen Wandel von ganz links hin zur Mitte machte. Ledergerber dagegen war schon früher eher Pragmatiker und weniger roter Heisssporn und Revoluzzer.

Früh haben die beiden Vollblutpolitiker erkannt, dass viele soziale Anliegen, die ihnen in die politische Wiege gelegt worden waren, nur umsetzbar sind, wenn die Kasse stimmt. Chancengleichheit kostet Geld, ein soziales Netz ebenfalls. Ob Zürich und Winterthur mit bürgerlichen Mehrheiten in den Stadträten wirtschaftlich und vor allem gesellschaftlich ebenso erfolgreich wären, ist fraglich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2008, 13:47 Uhr

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