«Kunde ist König»: Über 240'000 sagen Nein

Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist von den Zürcher Stimmbürgern sehr deutlich abgelehnt worden. Auch die Stadtzürcher erteilten der FDP-Initiative eine harte Abfuhr.

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Abstimmung über die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten: Die Ergebnis-Grafik mit den Endresultaten.


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Bei der Volksinitiative «Der Kunde ist König» hat die FDP eine Kanterniederlage erlitten. Die Initiative überschritt in keinem Bezirk die 40-Prozent-Grenze. In der Stadt Zürich, wo die 24-Stunden-Gesellschaft ein grosses Thema ist, sagten in den Kreise 4 und 5 gerade einmal 34 Prozent Ja zu Läden, die immer offen haben können. Die FDP-freundlichen Kreise 7 und 8 liegen mit rund 35 Prozent nur knapp darüber.

Insgesamt liegen die Stadtzürcher Stimmbürger mit ihrer Meinung sehr nahe am Kanton. Während 30,5 Prozent Ja sagten, sagten an der Urne insgesamt nur 29,3 Prozent Ja. Deutlicher ist der Unterschied zu Winterthur. Dort stimmten nur 22,8 Prozent dafür. Bei einer Stimmbeteilung von 40,6 Prozent sagten über 242'000 Nein und 100'000 Ja.

Ein Verdikt für die FDP, welche die Initiative lancierte, um die Ladenöffnungszeiten vollständig zu liberalisieren. Geschäfte sollten laut der Partei 24 Stunden pro Tag und 7 Tage die Woche öffnen können. Für das Gesetz ist neben der FDP die SVP, die anderen Parteien lehnen es ab.

Gewerbler und Tourismus dafür

Das Ja-Komitee provozierte im Abstimmungskampf gezielt: «Damit wir nicht im Aargau einkaufen müssen», heisst es auf einem Plakat. Es zeigt eine Familie, die mit Einkaufstaschen schwer beladen in den Kanton Zürich zurückkehrt. Um ein solches Szenario zu verhindern, will das Komitee die Ladenöffnungszeiten im Kanton Zürich vollständig liberalisieren.

Die FDP-Volksinitiative wird vom Komitee «Für flexible Ladenöffnungszeiten im Kanton Zürich» unterstützt. Diesem gehören neben FDP und SVP auch Vertreter und Vertreterinnen von Gewerbe, Tourismus und der Konsumenten an.

«Touristen gäben mehr Geld aus»

Falls die Vorlage angenommen wird, heisst dies nicht, dass alle Geschäfte täglich 24 Stunden offen sein müssen, wie FDP-Präsident Beat Walti gestern vor den Medien betonte. Die Initianten wollen aber dafür sorgen, dass sie die Möglichkeit haben, dann zu öffnen, «wenn der Kunde vor der Tür steht».

Walti widersprach der Ansicht, dass längere Öffnungszeiten nicht mehr Umsatz bringen. Die Kundschaft kaufe dort ein, wo die Bedingungen gut seien. Und wenn sie das in Zürich seien, nehme der Einkaufstourismus nach Deutschland wohl ab. Laut Jörg Arnold, Präsident der Zürcher Hoteliers, würden auch Touristen viel Geld ausgeben, wenn sie sonntags nur einkaufen könnten. Darum wären längere Öffnungszeiten ein Vorteil für die Tourismusdestination.

Martin Arnold, Geschäftsleiter des Kantonalen Gewerbeverbandes, störte sich daran, dass Tankstellenshops und Bahnhofläden länger offen halten dürfen als alle anderen. Die Volksinitiative würde diese Ungleichheit beseitigen.

Sonntagsarbeit eingeschränkt

Aber selbst wenn die Initiative angenommen würde, dürften nur Familienunternehmen zusätzlich zu den bisherigen Geschäften nachts und sonntags öffnen: Das übergeordnete Arbeitsgesetz des Bundes verbietet es, zu diesen Zeiten Angestellte ohne Bewilligung zu beschäftigen.

Wie SVP-Kantonsrat Gregor A. Rutz sagte, ist im Nationalrat ein Vorstoss der FDP hängig, der dies ändern will. Und wenn die Zürcher am heutigen 17. Juni die Initiative annähmen, erhöhe dies den Druck zur Liberalisierung. (ep/jho/sth)

Erstellt: 17.06.2012, 12:13 Uhr

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