Kunst mit Leichenwasser im Kreis 5

Die Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum ermöglicht neun Galerien, auf öffentlichen Plätzen auszustellen. Eine unscheinbare Betonskulptur mit absonderlichem Inhalt fällt besonders auf.

«Wichtig ist, die Materialbezeichnung deutlich sichtbar zu platzieren»: Betonskulptur, die mit Leichenwasser angemischt wurde.

«Wichtig ist, die Materialbezeichnung deutlich sichtbar zu platzieren»: Betonskulptur, die mit Leichenwasser angemischt wurde. Bild: zvg

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Vom 7. Juni bis zum 8. September sind auf verschiedenen Plätzen in Zürich Werke der unterschiedlichsten Art zu sehen. Aufgestellt werden sie von privaten Galerien. Die Kunstwerke wurden speziell für ihren jeweiligen Ausstellungsort konzipiert, wie das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement am Donnerstag mitteilte. Zu den Standorten der vergangenen Jahr kommen neu der Basteiplatz in der Nähe des Alten Botanischen Gartens im Stadtzentrum sowie in Zürich-West der Maag- und der Steinfelsplatz hinzu.

«Gasträume: Kunst auf öffentlichen Plätzen Zürichs» wurde 2010 als Pilotprojekt erstmals ausgeschrieben. Ziel war es, während der Sommermonate temporäre Plattformen für Kunstwerke im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen «und damit den unmittelbaren Kontakt zwischen Kunst und Menschen zu ermöglichen», schreibt die zuständige Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG Kiör).

Beton und Leichen

Dabei provoziert ein Kunstwerk besonders: Auf dem Turbinenplatz werden ein Tisch und zwei Bänke aus Beton aufgestellt, welche aus dem üblichen Rahmen fallen. Denn dem Beton wurde ein Deziliter Wasser beigefügt, das beim Waschen von Ermordeten in mexikanischen Leichenhäusern gefasst wurde.

Dazu schreibt die Jury: «Durch die Translokation der Skulpturen in den öffentlichen Raum anderer Städte wird das globalisierte Businessmodell der mittelamerikanischen Drogenkartelle und die damit verbundenen alltäglichen Mordanschläge in der Heimat von Margolles an den Standorten des Drogenkonsums sichtbar.» Das Wasser sei desinfiziert worden und soll gesundheitlich unbedenklich sein.

«Subtiles Projekt»

Das Kunstwerk verweist laut AG Kiör «auf einen existenziellen Aspekt der Gewalt im öffentlichen Raum.» Das Objekt sei ein «subtiles Projekt», welches auf dem Turbinenplatz «die emotionale Tiefenwirkung optimal zur Geltung» bringen könne. Wichtig dabei sei, dass «die Materialbezeichnung deutlich sichtbar in der unmittelbaren Nähe der Arbeit platziert werden kann.»

«Gasträume 2013» präsentiert aber auch klassische Plastiken – etwa die monumentale Skulptur des britischen Bildhauers Mark Handforth, die in Form eines vergrösserten Drahtkleiderbügels auf dem Maagplatz zu stehen kommen soll. Oder Lori Hersberger, einen der bekanntesten Schweizer Künstler auf dem Paradeplatz. Seine Installation «Dystopia Stalker» ist ein Pavillon aus eingefärbtem Sicherheitsglas, dessen Oberfläche vom Künstler mit gezielter Gewalt bearbeitet wurde.

(ep/sda)

Erstellt: 28.03.2013, 16:27 Uhr

Jurybericht Gasträume

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