LKW verliert Gift – Verkehrschaos in Zürich

Im Uetlibergtunnel sind am Dienstag mehrere Hundert Liter Formaldehyd ausgelaufen. 24 Personen mussten zur Kontrolle ins Spital.

24 Personen mussten nach dem Vorfall ins Spital gebracht werden. Video: Stefan Hohler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Unfall an einem Zürcher Verkehrsknotenpunkt hat gestern Morgen zu langen Staus und einem Verkehrschaos geführt. Ein Lastwagen mit gefährlichen Gütern war kurz nach 8  Uhr durch den Uetlibergtunnel in Richtung Chur gefahren. Dabei verlor er mehrere Hundert Liter der Chemikalie Formaldehyd, wie die Kantonspolizei mitteilte. Aus diesem Grund musste der Uetlibergtunnel für Stunden gesperrt werden.

Der Lastwagenchauffeur hatte zuvor im Aeschertunnel nach dem abrupten Fahrstreifenwechsel eines noch unbekannten Autofahrers stark abbremsen müssen. Dabei wurde offenbar ein Container beschädigt. Der Chauffeur bemerkte jedoch erst beim Verlassen des darauffolgenden Uetlibergtunnels, dass er Flüssigkeit von der Ladefläche des Anhängers verlor. Er alarmierte daraufhin die Polizei, welche die beiden Tunnelröhren sofort sperrte. Am Einsatz waren neben Kantons- und Stadtpolizei auch Sanität, Feuerwehr und Spezialisten des Forensischen Instituts und des Tiefbauamts beteiligt.

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Zwei Dutzend Personen, die nach dem Lastwagen durch den Tunnel gefahren waren, klagten in der Folge über Atembeschwerden und Übelkeit. Sie wurden mit Ambulanzen zur Kontrolle ins Spital gefahren. Obwohl mehrere Hundert Liter der gefährlichen Flüssigkeit ausgelaufen waren, bestand laut Fabian Hegi, Pressesprecher von Schutz und Rettung Zürich, für die breite Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. Personen, die über Symptome wie Atembeschwerden, tränende Augen oder Übelkeit klagten, empfahl die Polizei, den Hausarzt aufzusuchen.

Der betroffene Lastwagen gehört zu einer auf Gefahrentransport spezialisierten Zürcher Firma. Der Besitzer des Traditionsunternehmens sagte gegenüber dem TA, er habe «vollstes Vertrauen in den Chauffeur». Warum die chemische Substanz ausgelaufen ist, konnte er gestern noch nicht sagen. Ein solches Unglück sei in der beinahe 100-jährigen Firmengeschichte noch nie vorgekommen.

Der Lastwagen transportierte im Auftrag einer chemischen Firma 1000-LiterContainer. Der Firmenbesitzer sagte, diese seien im Anhänger «formschlüssig», also bündig, gelagert und mit einer Matte auf der Ladefläche so gesichert gewesen, dass sie nicht rutschen können. Die Container bestehen aus Kunststoff und sind zur Stabilisierung mit einem Metallgitter ummantelt. Der Chauffeur ist gestern von der Kantonspolizei einvernommen worden. Sie rapportiert der Staatsanwaltschaft, die den Fall untersucht. Diese entscheidet über das weitere Vorgehen.

Suche nach dem Autofahrer

Da die Kantonspolizei gestern nicht alle Fragen klären konnte, sucht sie Zeugen, die Angaben zum Auto machen können, das den Lastwagen zum abrupten Bremsmanöver gezwungen hat. Es handelt sich wahrscheinlich um einen silberfarbenen Personenwagen. Informationen nimmt der Verkehrszug Neubüel (044 833 17 00) entgegen.

Der Zwischenfall sorgte auf den Strassen in und um Zürich für Chaos und Staus, da der Uetlibergtunnel Teil der Zürcher Westumfahrung und eine der wichtigen Verkehrsverbindungen ist. Autofahrer hatten Zeitverluste bis zu einer Stunde hinzunehmen. Wie die nationale Verkehrsinformationszentrale Viasuisse meldete, wurden die stadteinwärts und in Richtung Chur fahrenden Autos vor dem Uetliberg gewendet. In Richtung Basel und Luzern fahrende Autos steckten aber noch eine Stunde nach dem Unfall vor dem Tunnelportal fest. Auch der öffentliche Verkehr wurde beeinträchtigt. Laut dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) wurde die Buslinie 200 umgeleitet. Die Haltestellen Saalsporthalle und Sihlcity-Nord wurden nicht bedient.

Aufwendige Reinigung

Der Tunnel blieb aus Sicherheitsgründen bis gegen 13.30 Uhr in beiden Richtungen gesperrt. Die Aufräumarbeiten gestalteten sich laut Schutz-und-Rettung-Sprecher Fabian Hegi aufwendig. 15 Angestellte des kantonalen Tiefbauamts reinigten während Stunden mit Gesichtsmasken und Schutzanzügen ausgerüstet Fahrbahn, Abwasserrinnen und Schächte. Dies soll verhindern, dass das Formaldehyd beim nächsten Regen in die Umwelt gelangt. Im Laufe des Nachmittags wurde zuerst die Röhre in Richtung Basel und Luzern geöffnet und die Autos dabei im Gegenverkehr geführt. Gegen 18 Uhr wurde die Tunnelröhre stadteinwärts und in Richtung Chur wieder freigegeben – nach über neuneinhalbstündiger Sperrung waren beide Tunnelröhren wieder offen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.06.2015, 10:11 Uhr

Artikel zum Thema

Sieben Verletzte bei schwerem Unfall in Uetlibergtunnel

Weil eine Lenkerin zu schnell in den Uetlibergtunnel gefahren war, kam es zu einer heftigen Kollision mit mehreren Autos. Sieben Personen wurden teilweise schwer verletzt. Die Polizei sucht Zeugen. Mehr...

Flugverkehr im Uetlibergtunnel – das Video

Ein Fischreiher hat sich in den Tunnel verirrt. Das erforderte von der Kantonspolizei eine spektakuläre Rettungsaktion. Mehr...

Vier Autos in Unfall in Uetlibergtunnel verwickelt

Wegen eines Unfalls im Uetlibergtunnel bei Stallikon ZH gab es heute Dienstagmorgen grössere Staus auf der A 3. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Mamablog Beisshemmung vor der Zahnspange

Geldblog Softwarefirma profitiert von Banken unter Druck

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Schwindelerregender Gänsemarsch: Eine Seilschaft klettert einer Felswand im ostchinesischen Qingyao-Gebirge entlang. (23. September 2017)
Mehr...