Ledergerber gegen Israel: «Gute Nacht, Schweizer Tourismus»

Die Aussagen von Elmar Ledergeber über Israel lassen bei der Leserschaft von Tagesanzeiger.ch/Newsnet die Emotionen hochgehen. Während ihm die einen gratulieren, schütteln andere den Kopf über den Boykottaufruf.

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«Israel erfüllt die Bedingungen einer OECD-Mitgliedschaft nicht. Es liegt also an uns, die Konsequenzen zu ziehen, und das heisst: Produkte und Waren aus Israel zu boykottieren», sagte Elmar Ledergerber in seiner Kolumne am 17. Mai auf Radio Suisse Romande. Diese Aussage sorgte für Aufruhr: Nach einem Artikel von Tagesanzeiger.ch/Newsnet entrüsteten sich nicht nur jüdische Vereinigungen über die Worte des Präsidenten von Zürich Tourismus, auch viele der Leser und Leserinnen halten die Äusserungen für deplatziert.

Als «Dummheit», bezeichnet eine Leserin den Aufruf des ehemaligen Stadtpräsidenten von Zürich. Durch einen Boykott israelischer Ware würden auch viele arabische Arbeiter ihre Stellen verlieren. Man solle nicht ein ganzes Volk mit einem Boykott bestrafen, findet ein anderer. Ledergerber wird als «Anti-Tourismus-Präsident» betitelt und einige Kommentatoren fordern – wie die SVP – seinen Rücktritt. Die Kritik geht auch dahin, dass Ledergeber als Tourismusbeauftragter andere Länder nicht kritisieren dürfe. «Wenn man alle Länder boykottieren will, die Land besetzen, dann gute Nacht Schweizer Tourismus», schreibt ein Leser.

Israel nicht «herauspicken»

Andere wünschen sich genau das: mehr Kritik von bekannten Persönlichkeiten auch an anderen Staaten. «Zu bedauern ist einzig, dass es nicht mehr Politiker und Politikerinnen wie Herrn Ledergerber gibt (...)», heisst es an einer Stelle. Ein anderer Leser schreibt: «Nicht die Kritik an Israel ist antisemitisch, aber das ‹Herauspicken› von Israel als einzigem Staat» und fügt eine Liste von Beispielen von Missständen in anderen Ländern an. Viele Leser führen Staaten auf, bei denen sie Boykottaufrufe für gerechtfertigt halten.

Ebenso oft wie Ledergerber kritisiert wird, wird er gelobt – für seinen «Mut», die «Zivilcourage» und den «Klartext», wie die Leser schreiben. Viele outen sich als langjährige Boykotteure von israelischen Produkten und bezeichnen Israel als «Schurkenstaat».

Boykott unmöglich

Einige finden den geforderten Boykott sinnlos, weil er schlicht nichts nütze. «Herr Ledergerber ist hoffentlich konsequent und wird in Zukunft auf Computer (...) verzichten. Ein Grossteil moderner IT-Technik wurde (und wird) nämlich in Israel entwickelt», schreibt einer. Und ein anderer weisst darauf hin, dass die grossen Detaillisten die «schnuggelig kleinen Herdöpfeli» ebenfalls importieren.

(cim)

Erstellt: 28.05.2010, 15:31 Uhr

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