Lehrer fordern mehr Lohn für ihre Arbeit

Die Lehrerverbände wollen Anpassungen an der neuen Arbeitszeiterfassung. Greifen diese nicht, soll der eben eingeführte Berufsauftrag abgeschafft werden.

Lehrpersonen wie Markus Bleiker in Eglisau sollen mehr Zeitkontingente erhalten, fordern die Lehrerverbände.

Lehrpersonen wie Markus Bleiker in Eglisau sollen mehr Zeitkontingente erhalten, fordern die Lehrerverbände. Bild: Urs Jaudas

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Die Unzufriedenheit der Lehrpersonen mit dem neuen Berufsauftrag ist gross. Das neue Arbeitsinstrument zur Messung der Arbeitszeit, das die Bildungsdirektion auf das Schuljahr 2017/2018 eingeführt hat, erschwere den Arbeitsalltag mehr, als dass er ihn erleichtere, sagen Lehrpersonen. Die verschiedenen Lehrerverbände haben ihre Forderungen zur Anpassung des Berufsauftrags bereits bei der Bildungsdirektion deponiert. An einem Podium am Mittwoch haben Kantonsräte aus allen Parteien dazu Stellung genommen. Über 350 Lehrpersonen verfolgten die Debatte im Publikum und meldeten sich mit zahlreichen eigenen Voten.

Dass der Berufsauftrag gewisse Anpassungen brauche, darüber waren sich die Politiker aller Couleur auf dem Podium einig. Linke Politiker bezweifelten, dass dies kostenneutral geschehen könne. «Für echte Verbesserungen müsste man Geld in die Hand nehmen», sagte etwa Kantonsrätin Esther Guyer (Grüne). Rechte Kantonsräte wie Sekundarlehrer Matthias Hauser (SVP) stellten den Bildungsauftrag als solchen infrage.

Die Verbände wollen die Politiker in die Pflicht nehmen. Dani Kachel, Präsident des Vereins SekZH, sagt: «Sie müssen als Korrektiv wirken. Sie wissen, dass es brennt und Anpassungen dringend nötig sind.»

Höherer Zeitfaktor für Jahreslektion

Die verschiedenen Lehrerverbände fordern in erster Linie, dass die von der Bildungsdirektion vorgeschlagenen Zeitkontingente erhöht werden. Die Forderungen der Lehrerverbände basieren auf zwei Umfragen, die sie nach der Hälfte des Schuljahres beziehungsweise am Ende durchgeführt haben. Knapp 3000 Lehrerinnen und rund 600 Lehrer aller Schulstufen haben an der Umfrage teilgenommen. Mehr als die Hälfte von ihnen haben Klassenlehrerfunktion.

Konkret fordern die Verbände mehr Lohn für ihre Arbeit. So soll der Zeitfaktor einer Jahreslektion, für Vor- und Nachbereitung gedacht, für alle Lehrpersonen um vier Stunden auf 62 Arbeitsstunden angehoben werden. Analog soll der Faktor auch für an den Schulen tätige therapeutische Fachpersonen erhöht werden. Klassenlehrpersonen sollen neu eine Stundenpauschale von 120 statt wie bisher 100 Stunden für ihre Funktion erhalten.

Zudem wollen sie, dass künftig die gesamte Arbeitszeit erfasst wird. 5 Prozent der zugeteilten Jahresarbeitszeit müssten als Zeitreserve eingeplant werden. Unverschuldete Absenzen sollen eine prozentuale Reduktion der Jahresarbeitszeit zur Folge haben, und im Mitarbeitergespräch sollen die Jahresarbeitszeit und allfällige Massnahmen thematisiert werden.

Besserstellung für Kindergärtnerinnen

Weiter pochen die Verbände darauf, dass bis am 31. März in allen Schulen für alle Lehrer der Beschäftigungsgrad und die Aufteilung der Arbeitszeit festgelegt sind. Ältere Lehrpersonen sollen wieder bessergestellt werden, deshalb brauche es Übergangslösungen für die Altersentlastung.

Kindergartenlehrpersonen sollen zudem künftig in dieselbe Lohnkategorie eingestuft werden wir Lehrpersonen einer Regelklasse auf der Primarstufe. Die Arbeitszeit von Therapeutinnen und Therapeuten soll in fach- und fallbezogene Arbeit unterteilt und getrennt erfasst werden, schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen soll für Absprachen mehr Zeit im Bereich Zusammenarbeit zugemessen werden.

Volksschulamt macht eigene Evaluation

Greifen diese Forderungen nicht, müsse der Berufsauftrag als solcher überdacht werden, so Dani Kachel, Präsident des Vereins SekZH. «Vielleicht müssen Politiker in diesem Fall die Grösse haben, einen unpopulären Entscheid rückgängig zu machen.»

Das kantonale Volksschulamt seinerseits will demnächst ein unabhängiges Unternehmen mit der Durchführung einer Evaluation beauftragen.

Erstellt: 05.10.2018, 11:21 Uhr

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