Lieber streiken an Klimademo als politisieren im Jugendparlament

Zu viele Abwesende: Das vierte Zürcher Jugendparlament war nicht beschlussfähig. Die Organisatorin spricht von einem «Worst Case».

Eine Stimme für die U-21-Jährigen: Das Jugendparlament im Kanton Zürich. (Archivbild)

Eine Stimme für die U-21-Jährigen: Das Jugendparlament im Kanton Zürich. (Archivbild)

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«Es ist ein Schock, den wir erst verdauen müssen», sagt Salome Hurschler dem «Tages-Anzeiger». Sie ist Präsidentin des Jugendparlaments im Kanton Zürich (Jupa), das am Samstag im Zürcher Rathaus stattfand. Am Tag danach ist die 19-Jährige aus Affoltern am Albis noch immer aufgebracht. Der Grund ist so simpel wie ärgerlich: Das Parlament war nicht beschlussfähig – zu wenige Jugendliche waren anwesend. Genauer gesagt: 69 Mitglieder hätte es gebraucht, anwesend waren 68. «Was normalerweise nur eine Formalität ist, führte zum Worst-Case-Szenario», sagt Hurschler. Eine monatelange Vorbereitung für nichts.

Die Veranstaltung findet halbjährlich statt und versteht sich als «politisches Sprachrohr der Jugend». Kantonspolitiker von links bis rechts unterstützen den Anlass. Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) stellt sich als «Jupa-Götti» zur Verfügung, «weil es Junge Menschen für die Politik motiviert.» Umso ärgerlicher erscheint die niedrige Partizipation bei erst vierten Durchführung des Jugendparlaments.

Klima-Demo als Konkurrenz

Die Veranstalter nehmen sich jeweils viel vor: So wurden in der Vergangenheit Petitionen – etwa zu Bodycams für die Polizei – eingereicht, die anschliessend im Kantonsrat behandelt werden. Das Jupa stellt zudem Forderungen auf und fasst Beschlüsse – am Samstag standen Themen wie AHV, Mobbing, Digitalisierung oder ÖV und Velo auf dem Traktandum. Weil nun aber mehr als drei Viertel der Mitglieder fehlten, konnte kein einziges Geschäft an den Kantonsrat überwiesen werden. «Hätten wir nicht noch Statements und Projekte verabschiedet, wären 68 engagierte Jugendliche vergebens gekommen», sagt Hurschler.

Gut möglich, dass sich an diesem Samstag ein Grossteil der Jugendlichen in einer anderen Stadt befand. In Bern fand zeitgleich die nationale Klimademo statt. Schönes Wetter und politisches Engagement auf der Strasse, statt Parolen formulieren im barocken Ratsaal. Andri Silberschmidt, Präsident der Jungliberalen, war am Samstag als Podiumsteilnehmer im Zürcher Rathaus anwesend. Er hat Verständnis für das Fehlen vieler Jupa-Mitglieder, äussert aber auch leise Kritik: «Das Gefälle zwischen den Jugendlichen, die auf die Strasse gehen und jenen, die sich auch mit trockener, politischer Arbeit auseinandersetzt, ist halt gross.»

«Doofe» Planung

Nadia Kuhn, Präsidentin der Juso Kanton Zürich, bestätigt, dass wohl einige Jusos am Samstag nach Bern gereist sind. Sie sagt das Offensichtliche: «Es ist doof, dass diese beiden Termine auf den gleichen Tag fallen mussten.» Organisatorin Hurschler meint, dass das Jugendparlament jeweils ein Jahr im Voraus geplant werde. «Wir können nicht kurzfristig verschieben. Der Ratsaal war schon lange gebucht.»

Erstellt: 29.09.2019, 17:11 Uhr

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