Lions sollen im Hallenstadion bleiben

Das geplante neue Eishockeystadion in Altstetten hat politisch einen schweren Stand. Führende Vertreter der grossen Parteien bevorzugen die gegenwärtige Lösung.

Das Hallenstadion müssen sich die Spitzensportler mit Rock- und Popstars teilen: ZSC-Lions-Spieler Mathias Seger an der nicht mehr so geliebten alten Wirkungsstätte.

Das Hallenstadion müssen sich die Spitzensportler mit Rock- und Popstars teilen: ZSC-Lions-Spieler Mathias Seger an der nicht mehr so geliebten alten Wirkungsstätte. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Begeisterung klingt anders. Stadtzürcher Politiker äussern sich kritisch gegenüber dem geplanten Eishockeystadion in Altstetten. Die ZSC Lions wollen das Theatre of Dreams, die ursprünglich geplante Duplexarena mit dem Volleyballverein Volero Zürich, alleine bauen. Volero sucht einen neuen Standort.

Für GLP-Fraktionspräsidentin Isabel Garcia ist die Finanzierung der grösste Haken. 120 Millionen Franken Darlehen und einen jährlichen Betriebszuschuss von zwei Millionen Franken müsste die Stadt Zürich für das Eishockeystadion berappen. 36 Millionen übernähmen private Investoren. Garcia will angesichts der angespannten Finanzlage keine Steuergelder investieren: «Ein neues Eishockeystadion ist keine überlebenswichtige Infrastruktur.»

Die GLP sei nicht grundsätzlich gegen sportliche Infrastruktur, doch das Eishockey generiere eine grosse Öffentlichkeit und es fliesse viel Geld. Da könne erwartet werden, dass sich die Vereine selber finanzieren. Sie gibt zudem zu bedenken, dass bei solchen Grossprojekten die öffentliche Hand am Schluss meist mehr bezahlt als angenommen. Sie befürchtet Folgekosten, die mit der Zeit zu- und nicht abnehmen, wie der Fall Letzigrund bereits gezeigt habe.

Scheitern der Duplexidee absehbar

Dass das Duplexprojekt gescheitert ist, vermag Politiker von links bis rechts nicht zu überraschen. «Das sah man schon bei der Lancierung von 10'000 Kilometern aus», sagt Min Li Marti, SP-Fraktionspräsidentin. Duplexprojekte seien betriebswirtschaftlich und auch von den Betriebsbedürfnissen her schwer zu realisieren.

Martis Begeisterung für das neue Vorhaben hält sich in Grenzen. Die SP habe in der Vergangenheit Stadionprojekte jeweils unterstützt, doch sie fände es besser, wenn der ZSC kein neues Stadion bauen, sondern eine Lösung im Hallenstadion finden würde. Das heisst, dass dem Club dort bessere Bedingungen gewährt werden müssten und auf einige Anlässe verzichtet werde, die zu Terminkollisionen führten. Das wäre laut Marti die «sinnvollste» und «günstigste» Lösung. Das Hallenstadion sei für viel Geld für den ZSC umgebaut worden: «Es ist die Heimat des Vereins.»

Grosser Unterschied zum Hardturmprojekt

Auch FDP-Parteipräsident Michael Baumer hält eine Lösung im Hallenstadion für erstrebenswert. Das Projekt und die Finanzierung seien nun im Detail zu prüfen. «Doch sollten Private ein neues Stadion bauen wollen, wollen wir ihnen keine Steine in den Weg legen.» Positiv am Vorhaben findet Baumer, dass sich private Investoren klar für das Projekt aussprechen. Für ihn ein grosser Unterschied zum gescheiterten Fussballstadion auf dem Hardturmareal – auch im Hinblick auf eine Volksabstimmung: «Die Leute müssen spüren, dass nicht einfach nur der Staat bezahlt.»

Kritischer gegenüber der privaten Finanzierung ist die grüne Fraktionspräsidentin Karin Rykart Sutter. Sie findet es «stossend», dass das Projekt so präsentiert wird, als würden nur Private dafür aufkommen. Die jährlichen Betriebszuschüsse von zwei Millionen, die Umzonung des Landes und das Darlehen kosteten die Stadt auch. Wie Marti und Baumer ist Rykart für einen Verbleib im Hallenstadion.

Tuena ist gegen das Hallenstadion

Für den ZSC-Fan und SVP-Fraktionschef Mauro Tuena ist das keine Option. Dort herrschten «unhaltbare» Zustände. Tuena unterstützt das Projekt und ist zögerlich optimistisch, dass es realisiert wird. Er glaubt wie Baumer, dass das private Engagement – «von wem auch immer» – ein Vorteil für das Stadion ist. Zudem werde der sportliche Erfolg der ZSC Lions eine positive «Ausstrahlung» haben. Eishockey mache zudem keine Negativschlagzeilen wegen Fehlverhaltens der Fans.

Tuena ist sich aber bewusst, dass bis zum Spatenstich noch viele Hürden zu nehmen sind. Eine ist die Kulturlandinitiative, die den Schutz von Landwirtschaftsflächen vorsieht. Der Kantonsrat beschloss vor einigen Monaten, nicht auf die Umsetzungsvorlage einzutreten, worauf die Grünen eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht haben. Diese ist beim Bundesgericht hängig. Wird die Beschwerde gutgeheissen, könnte dies das Stadionprojekt behindern, glauben viele.

Die grüne Fraktionspräsidentin Rykar sagt aber deutlich, dass das Areal der Familiengärten von der Initiative nicht betroffen sei. Was das Bundesgericht entscheide, sei daher nicht entscheidend.

Erstellt: 18.03.2015, 17:48 Uhr

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