Lokführer vergisst Station

Ein Zug der S 5 hat am vergangenen Samstag den Bahnhof Eglisau ausgelassen. «Ärgerlich, aber nicht sicherheitsrelevant», sagen die SBB.

Stehen gelassen: Zugpassagiere am Bahnhof Eglisau (Archivbild). Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Stehen gelassen: Zugpassagiere am Bahnhof Eglisau (Archivbild). Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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Am vergangenen Samstag um 16:30 Uhr. Frau K. aus Eglisau fährt nach einem anstrengenden Shoppingtag in Zürich mit der S 5 zurück nach Hause. Das hat sie zumindest vor. Als der Zug seine Fahrt kurz vor dem Bahnhof Eglisau nicht verlangsamt, wird sie stutzig. Und tatsächlich: Die S 5 hält nicht wie vorgesehen um 16:37 Uhr, sondern fährt in vollem Tempo durch den Bahnhof. Andere Fahrgäste, die wie Frau K. in Eglisau aussteigen wollten, sind ebenso perplex wie sie. Im Zug habe es keine Durchsage gegeben, die im Voraus auf den fehlenden Halt hingewiesen oder ihn im Nachhinein kommentiert hätte, sagt sie.

«Mein erster Gedanke war, dass der Zugführer ein medizinisches Problem haben könnte», so Frau K. «Eine Herzattacke oder Ähnliches.» Sie habe sich darum überlegt, die Notbremse zu ziehen. Notgedrungen steigt sie erst am nächsten Bahnhof, in Hüntwangen, aus und wartet auf den ersten Zug in die Gegenrichtung. Als sie in Eglisau ankommt, warten dort auf dem Perron immer noch die Leute, die mit der vorbeigefahrenen S 5 nach Rafz fahren wollten. Frau K. meldet den SBB den Vorfall gleichentags per E-Mail und am folgenden Montag in Bülach am Bahnhof. Eine Antwort steht noch aus.

Ein Fall mit Seltenheitswert

«Im vorliegenden Fall hat der Lokführer tatsächlich vergessen, am Bahnhof Eglisau anzuhalten», sagt SBB-Mediensprecherin Franziska Frey auf Anfrage. Das sei zwar sehr ärgerlich für die Passagiere, die dort ein- oder aussteigen wollten. Der Vorfall sei jedoch nicht sicherheitsrelevant, sondern ein menschliches Missgeschick. Frey betont, dass solche Versehen extrem selten seien. Pro 170'000 Halte gehe nur einer vergessen.

Die Mediensprecherin mutmasst, dass sich der fehlbare Lokführer zu sehr auf die Signale konzentriert haben könnte. Die Vorgesetzten würden nun mit dem Mann ein Gespräch führen und den Fehler analysieren. Ernsthafte Konsequenzen müsste der Lokführer allenfalls im mehrfachen Wiederholungsfall befürchten.

Doppelte Sicherheit im Cockpit

«Für den Fall, dass ein Lokführer medizinische Probleme hat, ist vorgesorgt», sagt Frey. So hat der Lokführer jederzeit einen Fuss auf dem sogenannten Totmann-Pedal platziert. Sobald das Pedal nicht mehr gedrückt wird, ertönt im Cockpit ein Warnton. Reagiert der Lokführer nicht darauf, wird automatisch eine Schnellbremsung eingeleitet. Überdies registrieren Sensoren jede Bewegung der Instrumente im Führerstand. Werden diese über mehrere Sekunden nicht betätigt, wird dieselbe Sicherheitsprozedur in Gang gesetzt.

Die SBB-Mediensprecherin empfiehlt den Fahrgästen für den Fall, dass ein Zug einen Bahnhof auslässt, ruhig sitzen zu bleiben und beim nächsten Bahnhof auszusteigen. Die Notbremse zu ziehen, sei in einem solchen Fall nicht erlaubt. «Diese ist für Notfälle vorbehalten.»

Erstellt: 19.12.2014, 11:10 Uhr

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