Lotsen stossen am Flughafen Zürich an ihre Grenzen

Die Lotsen reagieren auf einen Sicherheitsbericht zum Flughafen und rügen den «aktuellen Zustand». Sie wollen die Lärmpolitik der Sicherheit unterordnen – sonst müsse die Reduktion der Flugkapazität auf den Tisch.

Einer der Arbeitsplätze der Fluglotsen: Der Tower des Flughafens Zürich.

Einer der Arbeitsplätze der Fluglotsen: Der Tower des Flughafens Zürich. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Die Lotsen der Skyguide wehren sich gegen den «momentanen Zustand» am Zürcher Flughafen. Sie fordern, dass «die Lärmpolitik endlich der Sicherheit untergeordnet» wird. Die Komplexität der An- und Abflugrouten müsse deutlich reduziert werden. Damit reagieren die Flugverkehrsleiter auf den am Donnerstag publizierten Schlussbericht einer Sicherheitsüberprüfung des Flughafens Zürich.

Laut Mario Winiger, Sprecher des Berufsverbandes Aerocontrol, begrüssten die Lotsen den Schlussbericht und den darin enthaltenen Massnahmenkatalog zwar. «Sollten die Vorkehrungen aber nicht zeitgerecht umgesetzt werden können, muss über eine Reduktion der Flughafenkapazität diskutiert werden.»

«Konzepte erfüllen nicht die nötige Fehlertoleranz»

Die Sicherheitsanalyse durchgeführt haben Vertreter von Skyguide, Swiss, der Luftwaffe und der Flughafen Zürich AG. Letztere hatten dabei die Führung inne, das Bundesamt für Zivilluftfahrt war mit einem Beisitzer anwesend. Ausgelöst hat die Überprüfung eine Beinahekollision am 15. März 2012, bei welcher zwei Swiss-Maschinen gleichzeitig auf sich schneidenden Pisten starteten.

In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren Situationen, bei welchen sich zwei Flugzeuge am Boden oder in der Luft gefährlich nahe kamen. Das betont auch der Berufsverband der Lotsen: «Verschiedene Fastkollisionen haben gezeigt, dass die Flugsicherung am Flughafen Zürich an ihre Grenzen stösst», hält Winiger fest. Die Betriebskonzepte könnten nicht mit der nötigen Fehlertoleranz umgesetzt werden.

Ohne teure bauliche Massnahmen sicherer betreiben

Die von den Behörden verfolgte Lärmpolitik verursache unnötige Kreuzungen am Boden wie auch in der Luft. Sie alle sind Gefahrenherde. «Die Sicherheitsanalyse zeigt deutlich, dass nicht in erster Linie die Infrastruktur, sondern die lärmpolitischen Kompromisse gefährliche Situationen begünstigen.» Für den Lotsensprecher steht darum fest: «Würden die Betriebskonzepte vereinfacht und die Flugwege entflechtet, könnte Kloten bereits ohne teure bauliche Massnahmen sicherer betrieben werden.»

Die Lotsen schlagen darum vor, einen Start auf der Piste 16 mit einem anschliessenden Geradeausflug (Straight 16) im Betriebskonzept zu verankern. Winiger erklärt: «Damit könnten wird auf das fehleranfällige Bisenkonzept mit Starts auf der Piste 10 verzichten.» Falls der Bundesrat künftig auf das Ostkonzept setzen wolle, müsste es aus Sicht der Flugverkehrsleiter aufgewertet werden. «Werden die Flugwege nicht getrennt und die Piste 28 nicht verlängert, kann es nicht, wie von verschiedenen Seiten portiert, als Hauptanflugskonzept gelten.»

Erstellt: 22.02.2013, 11:25 Uhr

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