Lottomillionär, anonym, sucht...

Würde der Gewinner der 157 Millionen in Kilchberg leben, hätte er Glück. Steuerlich gesehen. Nur wenige Kilometer weiter sieht es ganz anders aus.

Das Portemonnaie des Multimillionärs dürfte künftig gut gefüllt sein – auch wenn er einen gewichtigen Teil des Gewinns dem Fiskus abgeben muss.

Das Portemonnaie des Multimillionärs dürfte künftig gut gefüllt sein – auch wenn er einen gewichtigen Teil des Gewinns dem Fiskus abgeben muss. Bild: Keystone

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1190 Lottomillionäre hat die Lottogesellschaft Swisslos bereits produziert. Aber jener, der am 19. Dezember die 157 Millionen Franken bei Euro-Millions gewonnen hat, schlägt die vorherigen 1189. Und bringt die Finanzvorsteher der Kantone und Gemeinden zum Träumen. Denn wo Gewinn ist, sind auch Steuern. Ganz viele Steuern.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Reibach im Kanton Zürich anfällt. Immerhin wurde das Los hier gekauft. Nun öffnet sich Raum für Spekulationen. So hängt die Höhe der Besteuerung vom Wohnort, von der Religion und auch ein klein bisschen vom Zivilstand ab, wie eine Berechnung zeigt.

Glück hat der neue Lotto-Multimillionär, wenn er in Kilchberg, Neerach oder Winkel wohnt. Das sind die Gemeinden mit dem niedrigsten Steuerfuss im Jahr 2017. Ja, 2017, denn massgebend ist der Zeitpunkt der Ziehung der Zahlen und nicht etwa jener, an dem der Glückliche seinen Gewinn abholt. (Er hat sich einen Monat Zeit gelassen und sich erst am vergangenen Dienstag, 16. Januar 2018, bei Swisslos gemeldet.) Fiskalisch interessanter wäre für ihn auch, wenn er konfessionslos ist. Dann fallen keine Kirchensteuern an.

Kilchberg: 55 Millionen Steuern

Und bestenfalls ist der Mann – so es überhaupt ein Mann ist – verheiratet, aber getrennt von seiner Frau lebend, oder verwitwet. Letztere beiden Optionen sollen aber keinesfalls eine Anleitung sein. Denn die Trennung oder die Verwitwung machen nur einen Unterschied von 24 Franken aus, was in dieser Liga wirklich keine Rolle spielen sollte. Ebenso wenig wie die Anzahl Kinder. Hat der Gewinner zum Beispiel fünf Kinder, spart er gerade mal 1255 Franken im Vergleich zum kinderlosen Zustand. Ist er wiederum ledig, fällt die Rechnung um rund 9000 Franken höher aus. Aber auch das sind nunmehr Peanuts im Vergleich zu möglichen Differenzen an einem anderen Wohnort. Doch dazu später.

Fassen wir zunächst zusammen: Ausgehend davon, dass sein weiteres Einkommen und Vermögen vernachlässigbar ist und unser verheirateter Glückspilz mit fünf Kindern in Kilchberg wohnt, zahlt er knapp 55 Millionen Franken Steuern. Davon gehen 18 Millionen an den Bund, 21 Millionen an den Kanton und 16 Millionen an die Gemeinde. Die 55 Millionen sind übrigens genau der Betrag, den er ohnehin schon abgeliefert hat. Denn 35 Prozent Verrechnungssteuer werden automatisch abgezogen, sobald man mehr als 1000 Franken gewonnen hat.

Rifferswil: 70 Millionen

Wohnt unser Neo-Millionär in einer weniger privilegierten Zürcher Gemeinde, geht es mehr ins Geld. Nehmen wir das andere Extrem. Er lebt in Hütten oder Rifferswil, ist katholisch, ledig und kinderlos. Dann steigt die Steuerrechnung auf über 70 Millionen, was 45 Prozent des Gewinns wären. Zwischen Kilchberg und Rifferswil liegen 15 Kilometer, und diese kosten 15 Millionen.

Baar: 36 Millionen

Noch kostspieliger sind aber die 6 Kilometer zwischen Rifferswil und Baar im Kanton Zug. Dort würde unser lediger Katholik nicht einmal 37 Millionen zahlen. Differenz: Mehr als 33 Millionen Franken. Und wäre er verheiratet und konfessionslos, würde er glatt noch eine Million einsparen.

Die Welt ist aber nicht ideal. Das gilt übrigens auch für den eingangs erwähnten Finanzvorsteher der Wohngemeinde. Denn das Risiko ist reell, dass von den zusätzlichen Steuermillionen einige nicht in der eigenen Kasse bleiben, sondern in den kantonalen Finanzausgleich fliessen.

Etwas knapp für Züglete

Auch der betroffene Glückspilz hatte kaum eine Chance für Schlaumeiereien. Ein sofortiges Austreten aus der katholischen Kirche zum Beispiel würde pro rata temporis abgerechnet. Wäre das Austrittsschreiben also einen Tag nach dem Gewinn, am 20. Dezember, bei den Kirchenbehörden eingetroffen, müsste der Lottogewinner trotzdem für 353 Tage Kirchensteuern zahlen.

Ein Umzug des neuen Multimillionärs in eine steuergünstigere Zürcher Gemeinde noch vor Ende 2017 könnte ihm zwar finanziell nützen, weil im Kanton Zürich der 31. Dezember als Stichtag gilt. Aber wer schafft es, innert zehn Tagen, und dann noch in der Weihnachtszeit, eine neue Mietwohnung zu haben oder rechtsgültig ein Haus zu kaufen? Und dann noch zu beweisen, dass der neue Ort der Lebensmittelpunkt an Silvester ist? Dasselbe gilt für ein kurzfristiges Übersiedeln in ein Steuerparadies im Kanton Zug oder Schwyz.

«Ruhig bleiben und durchatmen»

Aber vielleicht lebt der glückliche Gewinner ohnehin schon dort. Übrigens leben laut Swisslos 18 von 22 Lotto-Grossgewinnern nach dem Ereignis immer noch in der gleichen Wohnung. Also hält sich unser 157-Millionen-Mann am besten an die Tipps in einer Swisslos-Broschüre: «Ruhig bleiben und durchatmen» und «Ein Glückspilz schweigt und geniesst!». Aber Achtung: Das Schweigen gilt nicht für die Steuererklärung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.01.2018, 14:39 Uhr

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