«Manche fragen sich, was wir uns da überlegt haben»

Zwischen Bahnhof Wallisellen und Glattzentrum baut die Allreal 2500 Arbeitsplätze und Wohnungen für 1200 Menschen. Ein Gebäude stösst in der Gemeinde auf scharfe Kritik.

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Auf sieben Baufeldern und einer Gesamtfläche von 72'000 Quadratmetern baut die Allreal-Gruppe zurzeit ein neues Quartier in Wallisellen. Dabei werden Büros, Eigentums- und Mietwohnungen erstellt, die gestaffelt zwischen Herbst 2013 und Sommer 2014 bezugsbereit sein sollen. Doch besonders ein Gebäudekomplex stösst so manchem Walliseller sauer auf.

«Das ist wohl das hässlichste Gebäude der Schweiz», meint ein Leserreporter gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Ich frage mich, wer das entworfen hat und wieso der Gestaltungsplan bewilligt wurde.»

Marmorprint auf Glasfassade

Tatsächlich ist das Bürohaus, welches künftig zum Hauptsitz der Allianz Suisse werden wird, mit einem auffälligen Print überzogen. Dies ist die Idee des renommierten Architekten Wiel Arets, der für den Gebäudekomplex verantwortlich zeichnet. Von Nahem entsteht der Eindruck, die Fassade bestehe aus Marmor. «Von Weitem sieht es aus, als wäre das Gebäude bereits von Schimmel befallen», erklärt der Leserreporter.

Auch Peter Spörri, Gemeinderat und Ressortvorsteher Hochbau und Planung, hat bereits viele Rückmeldungen erhalten. «Die Überbauung ist Gesprächsthema und manche fragen sich, was wir uns da überlegt haben.» Besonders die Fassade, aber auch die Vorhänge in jedem Fenster würden auf Kritik stossen.

«Das ist Geschmackssache»

Für Matthias Meier, Sprecher der Allreal, ist klar: «Dass die Überbauung oder einzelne Gebäude nicht allen gefallen, ist nicht weiter überraschend, denn Architektur ist immer auch Geschmackssache.» Er sei oft auch mit Wallisellern vor Ort gewesen. «Der Eindruck, dass das Marmorprint-Gebäude nur auf breite Kritik stösst, ist völlig falsch.» Auch die Abstimmung zum Gesamtprojektvorschlag an der Gemeindeversammlung zeige, dass die Kritiker in der Minderheit sind: 267 Ja-Stimmen standen dort 31-Nein-Stimmen gegenüber.

Zudem seien auf dem gesamten Areal bereits rund 70 Prozent der 299 Eigentumswohnungen verkauft, die im Herbst 2013 bezugsbereit sind. In den Bürokomplexen habe man mit der Allianz und der UPC Cablecom bereits langfristige Mieter gefunden. «Das spricht eindeutig auch für die architektonische Qualität des Gesamtprojekts und der einzelnen Bauten.»

Denkmal für Architekten?

Auch der Architekt Vittorio Lampugnani, der den städtebaulichen Entwurf für das gesamte Areal gefertigt hatte, ist mit dem Bauprojekt sehr zufrieden. «Wenn ich nicht weiss, von wem die Kritik kommt und wie sie motiviert ist, kann ich nicht wirklich darauf reagieren.» Dennoch versteht er, dass sich manche an der Marmorprint-Fassade stören: «Ich hätte richtigen Stein oder einen Verputz bevorzugt.» Die Glasfassade zu bedrucken, sei eine künstlerische Entscheidung des Architekten Wiel Arets gewesen, «die ich selbstverständlich respektiere».

Den Vorwurf, hier habe sich ein Architekt ein Denkmal errichtet anstatt für die Menschen zu bauen, sieht Lampognani nicht als unvereinbaren Gegensatz: «Damit etwas Nachhaltiges entsteht, ist es nicht nur wichtig, dass die Erwartungen der Bewohner erfüllt werden, sondern auch, dass der Architekt dabei Haltung bezieht.»

Gemeinderat Spörri erklärt, dass der Gestaltungsbeirat ein Auge darauf habe, dass die verschiedenen Fassaden zueinanderpassen. Aus Sicht der Baubewilligungsbehörde sei die Gestaltung aber attraktiv, die Gesamtwirkung sei aber wohl erst nach Abschluss der gesamten Arealüberbauung erkennbar. Zudem würden vor allem die Vorhänge auf Kritik stossen, die man auf- und zuschieben könne. «Dabei machen gerade diese das Gebäude speziell. Sie erlauben eine gewisse Transparenz, die es beim Prime Tower beispielsweise nicht gibt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 13:23 Uhr

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