Hintergrund

Martullo – ein Mann im Visier

Er ist bloss der Präsident der SVP-Ortssektion Meilen. Aber eben auch der Schwiegersohn von Christoph Blocher. Und vor allem: Eigenständig und sehr temperamentvoll im Umgang. Auf den Spuren von Roberto Martullo.

Soll ein «riesiges Profilierungsbedürfnis» haben: Roberto Martullo.

Soll ein «riesiges Profilierungsbedürfnis» haben: Roberto Martullo. Bild: Esther Michel

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Die Personalie ist heikel. Das spürt man in allen Hintergrundgesprächen, die einem gewährt werden unter der Bedingung, dass nicht namentlich zitiert wird. Es geht um Roberto Martullo. Der Ehemann von Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher ist kaum jemandem, der mit ihm zu tun hat, gleichgültig.

Das hat einerseits damit zu tun, dass er innerparteilich immer wieder gerne aneckt. So soll er mit kaum zitierbaren Worten gegen langjährige Zürcher SVP-Nationalräte gewettert haben, als es um die Zusammensetzung der letzten Wahlliste ging. Auch soll er sich so sicher fühlen, dass er bekannte Nationalräte intern abkanzelt wie kleine Schulbuben.

Schon zweiter Putschversuch

Jüngst hat er eher in der Rolle des Winkelrieds der kleinen Leute für Schlagzeilen gesorgt. So hat er vergangenen Dienstag die Delegierten der SVP des Kantons Zürich überzeugen können, der Abzockerinitiative zuzustimmen – gegen den Willen des abwesenden Schwiegervaters. Auch bei der geplanten Senkung des Rentenumwandlungssatzes wandte er sich damals gegen die Partei.

So gesehen überrascht es nicht, dass er interne Gegner hat. Wie die gestrige «NZZ am Sonntag» schreibt, scheiterte ein erster Putschversuch vor einem halben Jahr. Nun ist offenbar ein zweiter im Gange. An der Generalversammlung der Meilemer Ortspartei Ende Februar «könnte» ein Antrag gestellt werden, den Präsidenten zu ersetzen, schreibt die Zeitung.

Nur der «Schwiegersohn» und «Mann von...»

Viel lieber wäre einigen, dass er sich aus eigenem Antrieb zurückzieht. Doch das scheint fraglich. Er habe ein «riesiges Profilierungsbedürfnis», sagt jemand, der viel mit ihm zu tun hat. Auch liebe er es, auf Konfrontation zu gehen. Damit wolle er unter anderem kompensieren, dass er immer nur «der Schwiegersohn» oder «der Mann von...» sei, wird gemutmasst.

Andere betonen das Temperament des Sohnes süditalienischer Eltern. Dass Roberto Martullo im persönlichen Umgang «beleidigend bis verletzend» sein kann, hört man mehr als einmal. Auf manche mag er gar bedrohlich wirken. Obwohl er selbst Parteiparolen öffentlichkeitswirksam infrage stelle, dulde er in seiner Parteisektion keinen Widerspruch. Ihm wird aber auch zugutegehalten, dass er nach einem emotionalen Ausbruch bald wieder den normalen Ton finden kann.

Spezielle SVP Meilen

Mit seiner Unterstützung der Abzockerinitiative passt Martullo gar nicht schlecht zur Meilemer SVP. Obwohl an der Zürcher Goldküste die Kritik gegenüber überrissenen Managerboni wohl weniger heftig ausfällt als andernorts, hat die Ortssektion eine starke bäuerlich-kleingewerbliche Tradition. So nennt sie sich heute noch offiziell «SVP/BGB», obwohl sich die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) 1971 in SVP umgetauft hat.

Dass Martullo just jetzt angeschossen wird, sei «kaum ein Zufall», so Politologe Michael Hermann. «Er liegt bei einer hoch emotionalen Frage über Kreuz mit dem Goldküsten-Establishment. Sein Eigensinn macht ihn zum Risiko.» Der innerparteiliche Kampf um die Abzockerinitiative offenbare einen Graben, der in der SVP schon länger bestehe. Auf der einen Seite stehe der wirtschaftsliberale Flügel, auf der anderen Seite der kleinbürgerlich-konservative, der zutiefst empört sei über die Managerboni. Für letzteren Flügel könnte Martullo zum neuen «Posterboy» werden, so Hermann.

Popularitätsschub

Deshalb glaubt der Politologe auch nicht daran, dass Martullo allein wegen «persönlicher Unverträglichkeiten» angegriffen wird. Meist seien Parteien froh, wenn sich jemand so energisch einsetze, wie dies Martullo tue. Der 50-Jährige könnte gemäss Hermann durchaus gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen. Die Belohnung winke allenfalls bei den nächsten Wahlen.

Volksvertreter zu werden, ist Martullos grosses Ziel. Er hatte bei den letzten Kantonsratswahlen auf der SVP-Liste des Bezirks Meilen sechs Plätze gutgemacht. Nachdem Gregor Rutz als Ersatz für Bruno Zuppiger in den Nationalrat gezogen war, hoffte Martullo, als dritter Ersatzmann nachrutschen zu können. Doch obwohl vor ihm zwei abgewählte Politiker standen, die teils kaum Zeit für ein Parlamentsmandat haben, wurde ihm der Schritt verwehrt. Auf Betreiben namhafter SVP-Politiker von der Goldküste, wie gemutmasst wird. Martullo war heute für Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht erreichbar.

Erstellt: 21.01.2013, 15:51 Uhr

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