Martullo-Blocher und Mörgeli verpassen Wahl

Die Kantonsratswahl verzeichnet bekannte Neue, prominente Abgewählte – und Nichtgewählte wie Roberto Martullo-Blocher und Rafael Mörgeli. Der Name «Fehr» wird in der kantonalen Politik noch häufiger auftauchen.

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36 Kantonsrätinnen und Kantonsräte sind gestern Sonntag neu gewählt, 17 abgewählt und einige bekannte Gesichter nicht gewählt worden. Unter den Letzteren sind solche, die gar nicht gewählt werden wollten und als Wahlhelfer auf den hinteren Listenrängen fungierten wie etwa Gemeinderats-Dinosaurier Niklaus Scherr von der AL im Zürcher Wahlkreis 4+5.

Zwei, von denen man nicht recht weiss, ob sie wirklich gewählt werden wollten, sind Mauro Tuena und Roger Liebi. Sie sind Zürcher SVP-Gemeinderäte in wichtigen Chargen und würden ihrer Fraktion fehlen – zumindest Liebi schliesst ein Doppelmandat aus.

Die grüne Fehr

Die Frage nach dem Doppelmandat stellt sich Nina Fehr Düsel nicht. Noch nicht. Die Tochter von SVP-Nationalrat Hans Fehr und der Eglisauer SVP-Gemeindepräsidentin Ursula Fehr ist Zürcher Gemeinderätin und wurde gestern nicht in den Kantonsrat gewählt. Sie hat aber Gemeinderat Urs Fehr überholt und ist auf dem ersten Ersatzplatz – gleich hinter Hans-Ueli Vogt, der im Herbst für den Ständerat kandidiert und zumindest im Nationalrat landen dürfte. Womit die junge Mutter ins Kantonsparlament nachrutschen könnte.

Apropos Fehr: Neben Mario Fehr und Jacqueline Fehr, die beide für die SP in den Regierungsrat gewählt wurden, schaffte es eine weitere mit dem Politikernamen schlechthin. Karin Fehr, nicht verwandt oder verschwägert mit den erwähnten Fehrs, hat den frei gewordenen grünen Sitz im Bezirk Uster verteidigt.

Lebensretterinnen und eine Hebamme

Unter den auffälligeren Neugewählten findet sich neben Liebi und Tuena die Zürcher SP-Gemeinderätin Esther Straub. Die Pfarrerin soll im September in den Kirchenrat, die Exekutive der Zürcher Reformierten, gewählt werden – übrigens zusammen mit ihrer künftigen Kantonsratskollegin Katharina Kull (FDP). Straub wird noch vor den Sommerferien aus dem Stadtparlament zurücktreten. Dies gilt auch für Bettina Balmer (FDP), Kinderchirurgin im Tokterhuus Fällanden und Gemeinderätin. Sie bringt zusammen mit der ebenfalls neugewählten Parteikollegin und Ärztin Nadja Galliker aus Eglisau geballte medizinische Kompetenz in den Kantonsrat. Die beiden Frauen haben sich bereits in einer Notsituation bewährt. Vor gut einem Jahr haben sie dem ehemaligen Gemeinderatspräsidenten Jean E. Bollier an einer Parteiversammlung das Leben gerettet, nachdem er zusammengebrochen war. Galliker beatmete den 70-Jährigen, Balmer machte die Herzmassage und erhielt dafür viel Lob.

Mit dem neu gewählten Bezirksrichter Martin Sarbach (SP) wird die dritte Gewalt gestärkt, mit Theaterregiseurin Laura Huonker (AL) der Kulturbereich. Daneben wird auch die Seite der Gemeindeexekutiven gestärkt. André Bender (SVP) etwa ist Gemeindepräsident von Oberengstringen, Susanne Leuenberger (SVP) Affoltemer Finanzvorständin und Hans-Peter Brunner Horgner Sozialvorstand. Und mit Elisabeth Pflugshaupt (SVP) aus Bertschikon kommt wieder mal eine Bäuerin und mit Claudia Wyssen (SP) aus Uster eine Hebamme in den Kantonsrat.

Eine Tognella hats geschafft

Ein parteipolitisch interessanter Haushalt ist jener der Tognellas in Zürich-Nord. Nun ist SP-Mitglied Birgit Tognella in den Kantonsrat gewählt worden, während Ehemann Roger Tognella auf dem ersten Ersatzplatz der FDP-Liste landete und Fraktionspräsident im Zürcher Gemeinderat bleibt. Guerilla-Gärtner Maurice Maggi wiederum landete auf dem letzten Platz der Grünen-Liste des Kreises 4+5, während sein Neffe Luca Maggi sich immerhin den ersten Ersatzplatz hinter der neuen amtsältesten Kantonsrätin Gabi Petri sicherte.

Polizist René Isler (SVP) bleibt nach den Rücktritten von den zwei Partei- und Berufskollegen Walter Isliker und Rolf Stucker nicht allein als Ordnungshüter. Mit Michael Biber (FDP) kommt ein Polizeidetektiv, der als Finanzvorstand von Bachenbülach gleich auch noch haushälterische Kompetenzen mitbringt, ins Rathaus.

Abgewählter Kommissionspräsident

Unter den Abgewählten finden sich neben Flughafenspezialist Lorenz Habicher (SVP), der Opfer des Wahlsystems nach Pukelsheim wurde, weitere Schwergewichte des Parlamentsbetriebs. So erwischte es mit Hans Läubli (Grüne) den Präsidenten der Justizkommission und mit Heinz Kyburz den Fraktionspräsidenten der EDU. Auch der letzte Stadtzürcher EVP-Parlamentarier verschwindet. Nachdem die EVP bereits vor Jahresfrist aus dem Gemeinderat geflogen ist, muss Peter Ritschard aus dem Kreis 11+12 seinen Sessel räumen.

Denise Wahlen (GLP) war aufgrund ihres Kampfs um die hauswirtschaftlichen Kompetenzen der Jugendlichen eine Zeit lang die Husi-Lehrerin der Nation, und Parteikollege Andreas Hasler trug als Geschäftsführer von Pro Natura glaubwürdig Umweltanliegen in den Rat. Abgewählt wurde schliesslich auch einer der Originale des Rathauses: Impfgegner Urs Hans (Grüne) aus dem Tösstal.

Prominenter Name half nicht

Einige bekannte Figuren sind gar nicht erst gewählt worden. So schaffte es Roberto Martullo-Blocher, Schwiegersohn von SVP-Übervater Christoph Blocher, nicht einmal auf den ersten Ersatzplatz auf der SVP-Liste des Bezirks Meilen. Trotz 30'000-Franken-Megaposter an der Seestrasse in Zollikon ist er von Platz 6 auf Rang 8 durchgereicht worden.

Knapper wars bei Rafael Mörgeli. Dem Jungsozialisten und Neffen von SVP-Haudegen Christoph Mörgeli fehlten nur 41 Stimmen zur Wahl. Andere Jungpolitiker wie Jungfreisinnigen-Chef Andri Silberschmidt, Fabio Molina (Juso) oder der jungliberale Illnau-Effretiker Stadtrat Philipp Wespi konnten die Alten auch (noch) nicht verdrängen.

Erfolglose Parteipräsidentin

Ebenfalls nicht geschafft hat es Rudolf Elmer. Der bekannte Bank-Whistleblower machte auf der AL-Liste in Bülach immerhin einen Platz gut. Grünen-Präsidentin Marionna Schlatter wird sich nicht in die spärlich gewordenen Reihen der Grünen im Kantonsrat einreihen können. Sie startete und landete im Bezirk Hinwil hinter dem Bisherigen Max Homberger.

Die Regisseure Paul Riniker und Samir (beide AL) blieben im Kreis 6+10 hinter der Bisherigen Judith Stofer zurück, Schriftsteller Peter Stamm machte in Winterthur neun Ränge gut, musste aber mit seinen grünen Parteikollegen einen Sitzverlust hinnehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2015, 15:42 Uhr

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