Militanter Kampf in Winterthur gegen die Jägerei

Acht Hochsitze haben Unbekannte in einem Wald demoliert. Sie sind dabei wohl einem Aufruf samt Anleitung im Internet gefolgt.

Einer der zerstörten Jagdsitze. Bild: PD

Einer der zerstörten Jagdsitze. Bild: PD

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Die Jäger um Winterthur sehen sich derzeit einem Kampf ausgesetzt, der auch mit illegalen Mitteln geführt wird. Jüngstes Beispiel: Im Jagdrevier Eschenberg haben unbekannte Täter übers Wochenende jeden zweiten Hochsitz zerstört, wie der «Landbote» berichtet. In acht Fällen wurden die Spannseile durchschnitten, mit denen die metallenen Hochsitze an den Bäumen befestigt waren. Danach wurden die Konstruktionen verbogen – genau so, wie das radikale Tierschützer nach einer früheren, ähnlichen Aktion in einem Bekennerschreiben empfohlen hatten.

Damals, im März, zerstörten diese in einem Wald bei Winterthur bereits fünf andere Hochsitze, darunter auch solche aus Holz. Sie seien inspiriert von der militanten Tierbefreiungsbewegung «Animal Liberation Front», teilten die Unbekannten danach auf einer Internetplattform mit. Und sie verwiesen auf eine detaillierte Anleitung zum Zerstören von Hochsitzen, die andere Aktivisten auf derselben Plattform publiziert hatten. Bei Modellen aus Metall solle man «zu zweit draufstehen wie auf einer Schaukel», um sie zu verbiegen, empfahlen sie – das mache erst noch Spass.

Grundsatzentscheid über die Jagd

Die Taten haben einen aktuellen politischen Kontext: Ende September stimmen die Zürcherinnen und Zürcher über die Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» ab, die das heutige Jagdwesen abschaffen will. Abgelöst werden soll es durch ein Management, bei dem die natürliche Regulierung des Wildtierbestandes im Vordergrund steht. Ein Team von kantonalen Wildhütern dürfte nur noch bei kranken oder verletzten Tieren eingreifen, nicht aber, um die Population wie heute die Jäger zu kontrollieren. Die Jäger bekämpfen die Initiative mit der Kampagne «Jagd schützt, Jagd nützt». Ein entsprechendes Transparent ist im Zug der Zerstörungsaktion auf dem Eschenberg verschwunden.

Harry Kohler, der Obmann des betroffenen Winterthurer Jagdreviers, hat kein Verständnis für die aggressive Art, auf die der Konflikt um die Jägerei derzeit ausgetragen wird. Er wünschte sich von der Gegenseite mehr Gesprächsbereitschaft. Stattdessen seien auch andernorts im Kanton Transparente zerstört worden, und auf Websites von Jagdgegnern würden die Jäger als «alt, senil und besoffen» beschimpft. (hub)

Erstellt: 24.07.2018, 09:58 Uhr

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