Misslungene Deals im Zürcher Flughafengefängnis

Dass ein 28-jähriger Häftling mehreren Gefängnismitarbeitern Geld für Handys bot, sei nur ein Witz gewesen. Das Gericht fands nicht lustig und verurteilte den Insassen wegen Bestechung.

Die Aufseher gingen nicht auf die Angebote ein: Situation im Zürcher Flughafengefängnis. Archivbild: Nicola Pitaro.

Die Aufseher gingen nicht auf die Angebote ein: Situation im Zürcher Flughafengefängnis. Archivbild: Nicola Pitaro.

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Was genau hat denn der 28-Jährige im September 2017 dem Mitarbeiter im Arbeitsbetrieb des Flughafengefängnisses gesagt? Fragte er ihn allgemein, was es denn kosten würde, ein Telefon zu organisieren? Oder fragte er ihn konkret, ob er ihm ein Mobile beschaffen würde, wofür er mit 750 Franken entschädigt würde?

Bis 1200 Franken geboten

Der Mitarbeiter konnte sich beim Staatsanwalt nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern. Er wisse auch nicht mehr, wie oft er vom Häftling darauf angesprochen worden sei. Es sei einfach über Tage hinweg so gewesen. Weil der Häftling beim Mitarbeiter auf Granit biss, versuchte er es auch noch bei einem Teamleiter. Ihm bot er offenbar einen Betrag zwischen 1000 und 1200 Franken.

Und als könnte er eine Amtspflichtverletzung fördern, erzählte er dem Teamleiter gleich auch noch, in der Strafanstalt Pöschwies sei es gang und gäbe, dass mit Mobiles telefoniert werde, die von Gefängnismitarbeitern besorgt würden. Doch auch dieses Ansinnen blieb ohne Erfolg. Während der Mitarbeiter sich an seinen Vorgesetzten wandte, verfasste der Teamleiter einen Rapport, was letztlich zur Strafanzeige führte.

Alles nur Spass?

Für eine Verurteilung wegen Bestechung ist es nicht notwendig, dass der Amtsträger die Handlung vornimmt oder die Bereitschaft bekundet, sie vorzunehmen. Der Tatbestand ist objektiv selbst dann erfüllt, wenn der Amtsträger das Ansinnen sofort zurückweist. Denn es genügt, einem Beamten oder Mitglied einer Behörde für eine konkrete, pflichtwidrige Handlung einen Vorteil in Aussicht zu stellen.

Der 28-Jährige bestritt nicht wirklich, dass es diese Gespräche gegeben hat. Er behauptete aber, alles sei nur Spass gewesen. Tatsächlich hatte der Mann, was auch die beiden Gefängnismitarbeiter bestätigten, sein Begehren in scherzhaftem Ton und mit lachendem Gesicht geäussert. Der Mitarbeiter forderte ihn deshalb auch auf, er solle damit aufhören, denn solche Sachen seien nicht witzig.

Für das Bezirks- wie das Obergericht war allerdings klar, dass es sich nicht um einen Scherz gehandelt hat. Dagegen spreche, dass der Schweizer hartnäckig weitergefragt und sein Angebot wiederholt geäussert habe und es dabei bei verschiedenen Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Bereichen und Hierarchiestufen versucht habe. Das spreche «klar für ein systematisches Vorgehen und gegen nur spassiges Gerede».

Er wollte auch Drogen

Der Mann wurde zu einer unbedingten Geldstrafe von 135 Tagessätzen à 10 Franken verurteilt. Schon einmal war er einschlägig bestraft worden. Er hatte jemanden anstiften wollen, ihm Drogen in den Freiheitsentzug zu bringen.

Der 28-Jährige sitzt unter anderem wegen Raubes, mehrfacher sexueller Nötigung, versuchter schwerer Körperverletzung und weiterer Delikte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten ab. Aktuell befindet er sich in einer stationären Massnahme.

Erstellt: 14.01.2020, 17:00 Uhr

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