Mit Staatsanwältin Silvia Steiner zurück in die Regierung

Statt auf Philipp Kutter setzt die CVP auf eine erfahrene Juristin und greift damit nach der Justizdirektion.

Die Staatsanwältin, ehemalige Kriminalkommissarin und Kripochefin Silvia Steiner (CVP). Foto: Sophie Stieger

Die Staatsanwältin, ehemalige Kriminalkommissarin und Kripochefin Silvia Steiner (CVP). Foto: Sophie Stieger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zürich – Die erste Überraschung der ­Regierungsratswahlen 2015 ist der CVP geglückt. So früh wie keine andere Partei ist sie gestern mit ihrer Kandidatin vorgeprescht. Die 56-jährige Staatsanwältin Dr. crim. Silvia Steiner soll im nächsten Frühling den Sitz im Regierungsrat zurückholen, den Hans Hollenstein vor drei Jahren verloren hat. Der Entscheid des Kantonalvorstands zugunsten von Steiner ist überraschend. Allgemein hatte man erwartet, dass die Partei mit dem 39-jährigen Wädenswiler Stadtpräsidenten und Kantonsrat Philipp Kutter in die Wahlen steigt.

«Die CVP ist der klaren Auffassung, dass mit einer weiteren Frau in der Regierung den Anliegen der Bevölkerung besser Rechnung getragen wird», sagt Parteipräsidentin Nicole Barandun. Der 39-jährige Historiker Kutter hatte sich zurückgezogen, «weil ich im Moment die Familie mit unseren zwei kleinen Kindern stärker gewichte», wie er sagt.

Pikant an der Kandidatur von Silvia Steiner ist, dass sie auch gegen ihren Vorgesetzten, Justizdirektor Martin Graf (Grüne), antritt. Sie sieht das aber anders: «Ich will Regierungsrätin werden und trete nicht gegen einzelne Personen an.» Zur Tatsache, dass Graf trotzdem ein möglicher Konkurrent ist, sagt sie: «Ich habe keine Berührungsängste – und Martin Graf selber wohl noch weniger.»

Silvia Steiner ist im Kantonsrat zwar nicht für eloquente, charismatische Auftritte und farbige Homestorys bekannt. Sie ist jedoch eine der bekanntesten und profiliertesten Kantonsrätinnen und hat erst noch eine schillernde Karriere hinter sich. Die studierte Juristin und Absolventin des Polizeioffizierkurses war Bezirksanwältin, bevor sie bei der Stadtpolizei Kriminalkommissarin und 1999 gar Chefin der Kriminalpolizei wurde.

Der Streit mit Esther Maurer

Steiners Abgang bei der Stadtpolizei war 2002 unschön, auch wenn sie juristisch vollkommen rehabilitiert wurde. Steiner wurde von Esther Maurer (SP) in ihrem Amt suspendiert wegen des Verdachts auf Begünstigung ihres Ehemanns, der angetrunken in einen Autounfall verwickelt war. Steiner quittierte ihren Dienst wegen eines gestörten Vertrauensverhältnisses zu Maurer. Die GPK des Gemeinderats stellte bei Maurer und Kommandant Philipp Hotzenköcherle «Mängel in der Führung und Kommunikation» fest. Zwischen Steiner und Maurer gabs damals auch fachliche Differenzen wegen der Organisation der Kripo und der Abgrenzung zur Kantonspolizei.

Silvia Steiner war darauf drei Jahre lang Chefin der Kripo Zug, bis sie 2005 in Zürich zur federführenden Staatsanwältin im Bereich Menschenhandel berufen wurde. Als Staatsanwältin hat sie wie keine andere den Kampf gegen die Romazuhälter aufgenommen. Steiner hat eine Forschungsarbeit über häusliche Gewalt geschrieben und an der Uni Lausanne als Kriminologin doktoriert.

Nach dem ersten Schachzug der CVP müssen die anderen Parteien demnächst reagieren. Klar scheint, dass alle fünf Männer in der Regierung nochmals antreten: Baudirektor Markus Kägi (SVP), Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP), Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP), Justizdirektor Martin Graf (Grüne) sowie Sozial- und Sicherheits­direktor Mario Fehr (SP). Bei Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP) wird wahrscheinlich und bei Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) allenfalls mit einem Verzicht auf eine weitere Amtsperiode gerechnet. Gut will ihren Entscheid demnächst bekannt geben.

Durch Steiners Kandidatur muss die FDP nicht mehr zwingend eine Frau bringen. Mögliche Kandidaten wären Kantonsrätin Beatrix Frey-Eigenmann (Meilen) oder Fraktionschef Thomas Vogel. Bei der SP würden die Kantonsrätinnen Sabine Sieber (Sternenberg) und Priska Seiler Graf (Kloten), die Winterthurer Nationalrätinnen Chantal Galladé und Jacqueline Fehr sowie – sofern ein Mann nicht tabu ist – auch Nationalrat Daniel Jositsch infrage kommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.03.2014, 22:48 Uhr

Artikel zum Thema

Die CVP greift Graf mit ihrer stärksten Waffe an

Kommentar Zürich-Redaktor Ruedi Baumann über die Regierungsratskandidatur von Silvia Steiner. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grenze der Hoffnung: Bauunternehmer verstärken die Mauer in San Diego, USA, weil in den vergangenen Wochen zahlreiche Migranten illegal den Zaun in Tijana, Mexiko überquert haben. (10. Dezember 2018)
(Bild: Rebecca Blackwell) Mehr...