Mit Tempo 120 quer durch die Stadt Zürich

Die zwei eleganten Bahnviadukte zwischen HB und Altstetten gehen am 13. Dezember fahrplanmässig in Betrieb – trotz eines Konstruktionsfehlers.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ende Jahr wird das längste Bauwerk der SBB in Betrieb genommen. Ab dem 13. Dezember fahren Züge vom Durchgangsbahnhof Löwenstrasse direkt nach Altstetten. Statt in einer Schlangenlinie über das halbe Gleisfeld rollen sie über zwei Brücken. Dann ist die Durchmesserlinie (DML) noch leistungsfähiger als bisher.

Nach rund sieben Jahren gehen die Bauarbeiten an der zweiten Etappe der DML in die letzte Phase, wie die SBB am Montag mitteilte. Die spektakulärsten Bauwerke zwischen dem Hauptbahnhof und Altstetten sind die beiden filigranen Brücken, die den ausfahrenden Zügen Richtung Westen dienen.

Längster Viadukt

Die 394 Meter lange Kohlendreieckbrücke beginnt bei der Strassenunterführung Langstrasse und reicht bis zur Hardbrücke. Die anschliessende Letzigrabenbrücke überquert in einem grossen S-Bogen das gesamte Gleisfeld samt Duttweilerbrücke. Sie ist mit 1154 Metern der längste Bahnviadukt der Schweiz.

Seit Ende 2014 sind die Brücken im Rohbau fertig. Bis im Herbst werden nun Schienen und Schwellen verlegt sowie Fahrleitungen und Kabel eingebaut. Derzeit wird auf beiden Brücken eine feste Fahrbahn aus Beton erstellt.

Planungsfehler mit Folgen

Das war so nicht vorgesehen. Ursprünglich war ein Schotterbett geplant. Im vergangenen November war jedoch ein Konstruktionsfehler entdeckt worden. Jeweils über den Pfeilern hatten sich im Brückentrog feine Risse gebildet. Die Diagnose ergab, dass die Bodenplatte dort, wo sie auf den Pfeilern aufliegt, zu schwach dimensioniert war.

Um das Bauwerk zu retten, entschieden die Ingenieure, über jedem der 30 Pfeiler bis zu acht Vorspannkabel aus Stahl quer über die Fahrbahn einzuziehen und an der Aussenseite über Ankerköpfe zu fixieren. Die Querspannkabel halten den Betontrog zusammen und verhindern, dass sich die Bodenplatte nach oben wölben kann.

Weil diese Querspannkabel nicht lose unter den Gleisen geführt werden können, wird die Fahrbahn nicht geschottert, sondern auf der ganzen Länge mit einer 60 Zentimeter dicken Betonschicht versehen. Dank der zusätzlichen Betonplatte kann laut Abschnittsleiter Michel Brun die Gesamtstabilität der Brücken garantiert werden.

Testfahrten ab Oktober

Ab dem 5. Oktober beginnen auf der Kohlendreieck- und auf der Letzigrabenbrücke Testfahrten. Ab dem 13. Dezember verkehren dann vier Fernverkehrszüge pro Stunde und Richtung auf der Ost-West-Achse via Durchmesserlinie und halten im Bahnhof Löwenstrasse.

Richtung Westen fahren die Züge über die beiden einspurigen Brücken und überqueren so kreuzungsfrei das ganze Gleisfeld, bevor sie ab dem Bahnhof Altstetten die bestehenden Schnellzugsgleise benutzen. Das Wenden der Züge im Kopfbahnhof Zürich mit entsprechend langen Zwischenhalten gehört dann der Vergangenheit an. Auf der Kohledreieckbrücke gilt Tempo 80, auf der Letzigrabenbrücke dürfen die Züge bis Tempo 120 beschleunigen.

Die Durchmesserlinie führt von Zürich-Altstetten nach Oerlikon. Die erste Etappe mit dem Durchgangsbahnhof Löwenstrasse und dem Weinbergtunnel war im Juni 2014 eingeweiht und für die S-Bahn in Betrieb genommen worden. (rba/sda)

Erstellt: 27.04.2015, 09:41 Uhr

Artikel zum Thema

Durchmesserlinie zu steil für den Intercity

Auf der Ost-West-Achse müssen die SBB künftig zusätzliche Lokomotiven einsetzen. Der Grund: Die schweren Intercity-Züge schaffen Tunnel und Rampe der Durchmesserlinie sonst nicht. Von einer Fehlplanung wollen die SBB trotzdem nicht sprechen Mehr...

Zu grazil, um stabil zu sein

Wegen eines Konstruktionsfehlers müssen die beiden eleganten SBB-Brücken der Durchmesserlinie verstärkt werden. Mehr...

Warum die Durchmesserlinie der Umwelt schadet

Analyse Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist nicht nur ein Vorteil. Er führt dazu, dass der Abbau des motorisierten Verkehrs in Zürich nicht mehr mit der gleichen Konsequenz vorangetrieben wird. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...