Mit Thermofolie gegen unerwünschte Vogelbrut

Arbeiter haben im Glattpark in Opfikon eine Baustelle mit 6000 Quadratmeter Folie abgedeckt – alles, um ein Flussregenpfeiferpärchen vom Brüten abzuhalten.

Eine Thermofolie bedeckt die Baufläche beim Glattpark. Foto: Urs Jaudas

Eine Thermofolie bedeckt die Baufläche beim Glattpark. Foto: Urs Jaudas

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Opfikon – Anwohner des Glattparks sind erstaunt: Vor ihren Wohnungen breitet sich seit rund zwei Wochen auf der angrenzenden Baustelle eine weisse, 6000 Quadratmeter grosse Kunststofffläche aus. Die Thermofolie, sogenanntes Kartoffelvlies, wird üblicherweise in der Landwirtschaft eingesetzt. Doch unter der Folie werden keine Frühkartoffeln gezogen, sie hat einen anderen Zweck. Die Thermofolie soll verhindern, dass sich auf dem Areal wieder ein Flussregenpfeiferpärchen niederlässt und brütet.

In den Vorjahren gebrütet

Ein Paar dieses Langstreckenziehers, der in Afrika überwintert, hatte sich schon in den letzten beiden Jahren auf der Kiesfläche beim Glattpark niedergelassen und dort erfolgreich gebrütet. 2013 waren es zwei Bruten gewesen, und je vier Junge wurden aufgezogen. Im letzten Frühjahr war das erste Gelege des Flussregenpfeifers zerstört worden – das Weibchen hatte die gut getarnten Eier auf dem Kiesweg gelegt. Der Weg wurde daraufhin von der Gemeinde ­Opfikon gesperrt. Das Weibchen machte in der Folge ein zweites Gelege, und es schlüpften Junge aus.

Der Standort des Brutplatzes ist insofern gut gewählt, als sich auf einer benachbarten Kiesbrache ein kleiner Tümpel gebildet hat, in dem es viele Würmer und Insekten für die Aufzucht der Jungvögel gibt.

Nun hat die Bauherrschaft die Kiesfläche mit einer Folie überdeckt, um einen allfälligen Baustopp zu verhindern. «Durch die Vergrämungsmassnahmen gibt es keine bauliche Verzögerung», sagt Florian Küng, Sprecher der Beamtenvorsorgekasse des Kantons Zürich (BVK). Zu den Kosten einer möglichen Bauverzögerung oder der Abdeckung will er sich nicht äussern. Die BVK will auf dem Grundstück eine Überbauung mit 117 Wohnungen realisieren.

Baustellen als Ersatzstandort

Der Flussregenpfeifer ist in der Schweiz ein seltener Brutvogel und ist auf der ­Roten Liste als stark gefährdete Art taxiert. Der Vogel ist ursprünglich an Fluss­ufern zu Hause, das Weibchen legt seine Eier in Mulden in Schotter- oder Sandbänken oder Flussinseln. Die Eier sind wie die Vögel selber gut getarnt und auf dem Kies kaum sichtbar. Da unbegradigte und natürliche Flussufer immer seltener geworden sind, nimmt der Flussregenpfeifer auch Ersatzstandorte an, beispielsweise grosse Kiesflächen auf Baustellen oder in Kiesgruben.

In der Schweiz leben nur noch rund 100 Brutpaare, im Kanton Zürich sind es laut dem Zürcher Brutvogelatlas knapp 20 Paare. Die meisten davon sind mangels Kiesbänken und Flussinseln auf Kiesgruben und Baubrachen aus­­ge­wichen.

Erstellt: 31.03.2015, 21:34 Uhr

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