Mit aggressiven Methoden auf Kundenfang

Verschiedene Zürcher erhielten in den letzten Tagen Besuch von Sunrise. Die Vertreter verschafften sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zugang zu Wohnungen.

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Auf Facebook sind die Meinungen zu den neuerlichen Kundenfang-Bemühungen von Sunrise bereits gemacht: «Shame on you, Sunrise» postete Franziska Müller* vom Zürcher Kreis 6 erkennbar erbost. Der Grund: Vertreter des Telecomunternehmens klappern derzeit Wohnungen potenzieller Kunden ab, um neue Verträge abzuschliessen. Doch sie tun dies unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Bei Walter Gerber* aus dem Zürcher Kreis 3 lief der Besuch so ab: «Ein Mann klingelte an der Haustür und sagte, er müsse überprüfen, ob in diesem Haus gratis ein Glasfaseranschluss verlegt werden könne.» Gerber liess den Mann ins Haus, und schon stand dieser vor seiner Wohnungstür. Mit dem gleichen Vorwand schaffte er es, von Gerber hereingelassen zu werden. «Ich dachte noch: Komisch, dass der so was bei mir in der Wohnung und nicht im Keller des Hauses prüfen muss.»

Mit dem Anschluss hatte der Besuch denn auch wenig zu tun. Als der Vertreter sah, dass Gerber eine Anschlussbox der Cablecom im Wohnzimmer stehen hat, erlosch sein Interesse an einer weiteren Überprüfung der Situation: «Als er erfuhr, dass mein Cablecom-Abo noch ein Jahr läuft, ging er wieder. Er wollte also nur schauen, ob er mir einen neuen Vertrag aufschwatzen kann.» Als Vertreter der Sunrise stellte sich der Mann zu keiner Zeit vor. «Ich fragte ihn am Schluss, für wen er denn arbeitet.» Darauf habe er sich als Sunrise-Verkäufer zu erkennen gegeben. «Hätte er das von Anfang an gesagt, hätte ich ihn gar nicht erst reingelassen.» Auch bei Franziska Müller, welche ihrem Ärger über Facebook Luft verschaffte, sagte der Vertreter nicht, für wen er arbeitet. Sie liess ihn nicht ins Haus und rät dies auch all ihren Freunden: «Macht nicht auf, wenn da jemand klingelt und was von Glasfasern faselt, von Überprüfung, vom EWZ und Mietzinsreduktion.»

Konsumentenschutz: «Aggressiv und nicht zielführend»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, kritisiert das Vorgehen der Sunrise-Vertreter: «Im Sinne eines guten Kundenkontakts ist es wesentlich, dass sie sich korrekt vorstellen und ihre Absicht deutlich machen.» Dazu müssten die Vertreter geschult werden. Es sei ihnen aber erlaubt, sich nicht klar vorzustellen. «Rechtlich gesehen darf vom Kunden verlangt werden, dass er diese Informationen selbst einholt.» Stalder zeigt sich dennoch erstaunt, dass Sunrise derzeit zu solchen Methoden greift: «Diese Art von Haustürgeschäften ist aggressiv und nicht zielführend.»

Einerseits würden potenzielle Neukunden durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen verärgert, andererseits führten sie andere in die Irre. «Besonders ältere Menschen lassen sich unwissentlich zum Unterschreiben eines Vertrages drängen», erklärt Stalder. Aus diesem Grund sei wichtig zu wissen, dass «Verträge, die an der Haustür unterschrieben werden, innerhalb einer Woche ohne Wenn und Aber gekündigt werden können.» Einzig beim Abschluss von Versicherungsverträgen gebe es Ausnahmen. Einfacher sei aber eine andere Lösung: «Niemand muss eine wildfremde Person zu sich in die Wohnung lassen.»

Sunrise: «Vorspiegelung falscher Tatsachen untersagt»

Sunrise gibt an, dass die Haustürverkäufe «von einem externen Vertriebspartner durchgeführt» werden. Es würden aber klare Regeln gelten; die einzelnen Verkäufer unterzeichneten dazu einen Ehrenkodex, dessen Inhalt auch Teil ihrer Schulung sei. Wie Sprecher Roger Schaller sagt, «ist ihnen untersagt, sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zutritt zur Wohnung zu verschaffen». Auch seien sie verpflichtet, ein Namensschild mit dem Logo des Vertriebspartners sowie von Sunrise sichtbar zu tragen.

Zudem rufe Sunrise jeden, der an der Haustür einen Vertrag unterzeichnet, nochmals an und hole erneut «eine Willensbekundung zum Vertragsabschluss» ein. Neben dem gesetzlichen Rücktrittsrecht vom Vertrag bei Haustürgeschäften innerhalb von sieben Tagen handhabe Sunrise «Rücktritte innerhalb eines Monats ausserdem sehr kulant». Sprecher Schaller gibt an, Sunrise gehe Hinweisen auf Fälle von Verkäufern nach, die sich nicht an die Regeln halten: «Vergehen gegen die Verhaltensregeln werden nicht geduldet und entsprechend geahndet.»

*Namen der Redaktion bekannt

Erstellt: 31.01.2014, 11:08 Uhr

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