Mit dem Schlagstock kommt die Busse

Wer meint, leichte Waffen seien nichts weiter als Spielzeuge, irrt. Nach deren Erwerb über einen Online-Shop erhielten mehrere Personen einen Strafbefehl.

Mit einem Klick zur günstigen Waffe? Nur, wenn man über alle nötigen Dokumente verfügt.

Mit einem Klick zur günstigen Waffe? Nur, wenn man über alle nötigen Dokumente verfügt. Bild: Screenshot Wish.com

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Die Handelsplattform Wish ist selbst in der digitalen Welt ein Kuriosum. Zu finden ist eine immense Zahl von Billig- und Billigstprodukten, die mehrheitlich aus China stammen und direkt von dort geliefert werden, auch wenn die Firma Wish in den USA zu Hause ist.

Die tiefen Preise reizen viele zu schnellen Klicks, doch vier Personen aus der Region hätten sich ihre Käufe besser zweimal überlegt. Sie bestellten Teleskop-Schlagstöcke aus Aluminium für jeweils 15 Franken oder federunterstützte Klappmesser mit Klingenlängen von bis zu zehn Zentimetern.

Das sind Waffen, die zwar nicht wie beispielsweise Jagdgewehre gemeldet werden müssen, aber doch einer Bewilligung bedürfen. Und eine weitere Bewilligung braucht es für die Einfuhr solcher Waffen in die Schweiz.

Rekordhohe Zahlen

Die Pakete mit Schlagstöcken und Messern wurden jeweils bei der Zollstelle am Flughafen Zürich sichergestellt, und diese schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Die vier Käufer wurden nun wegen ihrer Vergehen oder Widerhandlungen gegen das Waffengesetz verurteilt.

Es droht eine Busse von mehreren Hundert Franken, zusätzlich bedingte Geldstrafen und je nach Fall auch ein Eintrag im Strafregister.

Das bedeutet in jedem Fall eine Busse von mehreren Hundert Franken, zusätzlich bedingte Geldstrafen in ähnlicher Höhe und je nach Fall auch einen Eintrag ins Strafregister. Es nützte jeweils auch nicht viel, wenn die Betroffenen bei der Einvernahme geltend machten, sie hätten angenommen, es handle sich um Spielzeuge oder Fake-Waffen.

3800 Verurteilungen pro Jahr

Es gab schon Medienberichte über ähnliche Verurteilungen in der Schweiz. Das Bundesamt für Polizei weist denn auch in Broschüren und online immer wieder darauf hin, was alles als Waffe gelte und welche Vorgaben für den Besitz zu erfüllen sind. Ein Trend ist klar zu beobachten: Immer mehr Menschen werden aufgrund von Vergehen oder Verbrechen gegen das Waffengesetz verurteilt, aktuell sind es gegen 3800 Fälle pro Jahr. Und illegal in die Schweiz importierte Nichtschusswaffen verzeichneten 2018 mit 8000 Fällen ebenfalls ein Rekordhoch.

Der Schweizer Konsumentenschutz hat zwar keine Kenntnis von einer aktuellen Häufung solcher Fälle, doch die Plattform Wish sei ein wiederkehrendes Thema. Wobei es mehr um Garantiefragen gehe: Da Wish sich als reiner Vermittler versteht, kann es schwierig werden, seine Garantieforderungen direkt mit einem chinesischen Kleinhändler auszudiskutieren.

Keine Hinweise auf Website

Eine wiederkehrende Formulierung in den aktuellen Strafbefehlen ist jene, dass sich die Verurteilten des illegalen Charakters ihres Kaufs hätten bewusst sein müssen bei pflichtgewisser Vorsicht. Dass dies nicht ganz so einfach ist, zeigt ein Blick auf die Website Wish.com: Bei den betreffenden Produkten ist kein Hinweis erkennbar, dass es sich je nach Einfuhr-Land um bewilligungspflichtige Waffen handeln könnte.

Der «Landbote» wollte direkt von Wish wissen, ob man selbst als reiner Vermittler nicht eine Mitverantwortung trage. Die Antwort des Unternehmens fällt knapp aus: «Wenn Behörden Kenntnis haben von illegalen Aktivitäten über die Plattform, dann sollen sie sich unverzüglich bei Wish melden.»

Freispruch im Aargau

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Urteil des Aargauer Bezirksgerichts im letzten Jahr. In einem ähnlich gelagerten Fall hatte eine junge Frau ihren Strafbefehl ans Gericht weitergezogen. Auch sie hatte auf Wish.com einen Schlagstock bestellt und dann geltend gemacht, sie habe sich im Nachhinein um eine Bewilligung kümmern wollen. Die Gerichtspräsidentin sprach sie vollumfänglich frei. Denn sie habe die Bestellung ohne sogenannten Vorsatz getätigt und weder wissentlich noch willentlich gehandelt.

Ob auch die regionalen Gerichte in gewissen Fällen so entscheiden würden, bleibt offen. Die vier Betroffenen in der Region haben ihre Strafbefehle bereits akzeptiert.

Erstellt: 20.12.2019, 10:36 Uhr

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