Müssen Kinder bald zum Mittagessen in der Schule bleiben?

Die Stadt Zürich will obligatorische Tagesschulen testen. Auch der Kanton zeigt Interesse.

Schüler mit Mittagessen: Bald obligatorisch in der Schule verpflegt?

Schüler mit Mittagessen: Bald obligatorisch in der Schule verpflegt? Bild: Keystone

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Der heutige Rhythmus der Gesellschaft sei in der Stadt auf kurze Mittagszeiten ausgerichtet, schreibt die FDP der Stadt Zürich in einer Motion. In modernen Familien seien Väter und Mütter berufstätig, und die gemeinsame Mahlzeit finde am Abend statt. In wenigen Jahren dürften gemäss Schulamt 70 Prozent der Schulkinder über Mittag durch die Volksschule betreut werden. Die Organisation durch Horte oder Mittagstische ist aber sehr kostspielig – entweder für die Eltern oder für die Schule.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, will nun der Zürcher Schulvorsteher Gerold Lauber (CVP) einen Schulversuch mit einer obligatorischen Tagesschule wagen. «Über kurz oder lang werden wir in der Stadt Zürich flächendeckende verbindliche Tagesschulen haben.» Alle Schulkinder müssten dann zum Mittagessen in der Schule bleiben. Einen allgemeinen Anspruch auf Dispens für die Kinder über Mittag soll es gemäss Lauber nicht geben. Über die Finanzierung der Zusatzkosten sei noch nicht entschieden, Lauber stellt sich aber einen Kostenbeitrag der Eltern vor. Der Versuch könnte 2015 starten und die Tagesschule 2025 flächendeckend in der Stadt eingeführt werden.

Hortkosten sparen

Unterstützt werden die Tagesschulen durch eine Mehrheit der Parteien im Stadtparlament – nicht zuletzt, weil die Hortkosten für die Stadt Zürich Jahr für Jahr ansteigen. So etwa schlägt die FDP eine Tagesschule light vor. Die Schülerinnen und Schüler wären jeden Tag von 8 bis 14 oder 15 Uhr in der Schule mit einer Essenspause von 45 bis 60 Minuten über Mittag. Der Alltag der Kinder und der Eltern wäre nach Ansicht der FDP geordneter, Kinder und Eltern hätten nach dem früheren Schulschluss mehr Freiraum. Die Hortzeiten – und damit die Kosten – würden sich verkleinern.

Gemäss «NZZ am Sonntag» widerspricht ein Obligatorium für Mittagstische jedoch dem Volksschulgesetz. Das Blatt stützt sich auf ein Gutachten von Professor Felix Uhlmann. Zulässig wäre ein Obligatorium hingegen als Schulversuch. Bei Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) – auch in anderen Gemeinden – stösst ein Versuch auf offene Ohren. Sollte der Versuch erfolgreich verlaufen, müsste das Volksschulgesetz geändert werden. Das wiederum würde den Gegnern – vor allem der SVP unter dem Slogan «staatlich verordnete Kinderbetreuung» – die Möglichkeit für ein Referendum bieten.

Erstellt: 30.09.2013, 08:26 Uhr

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