Nach der Rauchpause durften die Fans nicht zurück ans Konzert

Im Hallenstadion ist Rauchen verboten. Dies hat am Santana-Konzert vom Samstag für Ärger gesorgt.

Damals zogen noch Rauchschwaden durchs Hallenstadion: Das Konzert von Pink im Jahr 2006.

Damals zogen noch Rauchschwaden durchs Hallenstadion: Das Konzert von Pink im Jahr 2006. Bild: Peter Ruggle (PD)

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Sein Ärger ist noch nicht verraucht: Patrick F. (Name geändert) findet es unsäglich, was ihm im Hallenstadion widerfahren ist. Am vergangenen Samstag konnte der Fan von Santana die zweite Konzerthälfte des mexikanischen Stars nicht mehr live miterleben. Für eine Rauchpause hatte er sich kurz nach draussen begeben. Zu seiner Überraschung wurde ihm danach der Eintritt ins Stadion verwehrt, obgleich er ein gültiges Ticket besass. Zuhauf hätten deshalb Fans abziehen müssen, klagt er. Patrick F. flucht mit einem nicht druckfähigen Wort über das Rückkehrverbot, gerade angesichts der Billettpreise zwischen 85 und 95 Franken. Das Hallenstadion werde er künftig meiden, sagt er.

Raucherzone vor dem Stadion

Hallenstadion-Direktor Felix Frei bedauert zwar den Vorfall, verweist aber auf die geltende Regel. Demnach definiert der jeweilige Veranstalter, ob ein Aus- und ein Wiedereintritt möglich ist. In diesem Fall war dies der Konzertveranstalter Good News. Und bei diesem gilt: Verlässt ein Besucher das Stadion während der Vorstellung, verfällt sein Ticket. Diese Information haben die Konzertbesucher am Samstag «permanent» erhalten, wie Frei sagt, via Lautsprecher und Videowand. Zudem habe das Sicherheitspersonal an den Ein- und Ausgängen die Besucher auf die Regel aufmerksam gemacht. Aus diesem Grund kann sich Frei nicht vorstellen, dass ganze Scharen von rauchenden Fans abziehen mussten.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, die das vom Zürcher Stimmvolk beschlossene Rauchverbot in Gastrobetrieben mit sich bringt. Ein Aus- und ein Wiedereintritt im Hallenstadion war bereits bisher bei über 80 Prozent der Anlässe aus logistischen und sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich. Nur habe dies niemand bemerkt, sagt Frei. «Mit der Raucherdiskussion bekommt dieser Fakt plötzlich eine andere Bedeutung.» Im Hallenstadion ist das Rauchen seit dem 1. Mai verboten. Die Verantwortlichen haben zwar erwogen, im Gebäude Raucherzonen zu schaffen, diese Option aber wieder verworfen: zu wenig Platz, zu hohe Kosten, zu viele Einschränkungen, weil Teile des Hauses unter Denkmalschutz stehen.

Rein und wieder raus geht nicht

Bleibt die Variante, Raucherzonen ausserhalb des Stadions einzurichten. Bei kleineren Konzerten und Shows ist diese Lösung bereits zum Tragen gekommen, dies mit einem eingezäunten Gelände vor dem Hallenstadion. Bewährt hat sich diese Lösung in der Basler St.-Jakob-Arena mit 6600 Plätzen. Probleme gebe es keine, sagt eine Sprecherin der Stadionbetreiberin Basel United AG.

Auch Hallenstadion-Direktor Frei zieht ein positives Fazit allerdings mit Abstrichen. Den Aus- und den Wiedereinlass während einer ausverkauften Veranstaltung mit 13'000 Zuschauern hält er für «völlig ausgeschlossen», selbst wenn davon nur ein Drittel Raucher seien. In einer Pause von 15 Minuten 4000 Personen hinaus- und wieder hereinzulassen, sei nicht machbar, da jeder bei seiner Rückkehr kontrolliert werden müsse. Darauf zu verzichten, kommt für Frei nicht infrage: Nur so lasse sich verhindern, dass Besucher Tickets missbrauchen oder verbotene Gegenstände wie Wurfgeschosse oder Feuerwerk ins Stadion schmuggeln würden.

«Ideale Lösung gibt es nicht»

Mit den ZSC Lions läuft derzeit ein Versuch ohne Einzäunung: Raucher dürfen das Stadion ins freie Gelände verlassen. Kehren sie zurück, müssen sie beim Eingang ihr Ticket wieder einlesen lassen und eine (weitere) Personenkontrolle akzeptieren. Weil dies Zeit benötigt, laufen sie Gefahr, den Spielbeginn zu verpassen. «Eine ideale Lösung gibt es nicht», folgert Frei. Eine Rückkehr zum alten Regime mit verrauchter Stadionluft wünscht sich Frei gleichwohl nicht: «Früher haben deutlich mehr Nichtraucher reklamiert, als dies heute Raucher tun.» Die Testphase läuft sicher während des gesamten Winters.

Bis dann, so die Hoffnung, wird sich die für den jeweiligen Event beste Lösung herauskristallisiert haben. Die neue Regel wird die Veranstalter zusätzlich Geld kosten. Damit der Personal- und Materialaufwand für die Raucherzone gedeckt wird, müssen die Veranstalter bis zu 10'000 Franken mehr bezahlen.

Erstellt: 12.10.2010, 23:08 Uhr

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