Nagra-Auswahlverfahren: «Reine Alibiübung»

Das Bundesamt für Energie soll zusichern, dass weiterhin alle sechs offiziellen Standorte für atomare Endlager gleichwertig geprüft werden. Dies fordert die Regionalkonferenz Zürich Nordost.

«Völlig inakzeptabel» wäre es nach Ansicht des Zürcher Regierungspräsidenten Markus Kägi (SVP), wenn bereits jetzt ein Standortgebiet ausgewählt wäre: Sicht auf Benken.

«Völlig inakzeptabel» wäre es nach Ansicht des Zürcher Regierungspräsidenten Markus Kägi (SVP), wenn bereits jetzt ein Standortgebiet ausgewählt wäre: Sicht auf Benken. Bild: Keystone

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Die Nagra habe mit ihrem internen Papier, das am Wochenende publik wurde, «sehr viel Geschirr zerschlagen», sagte Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz Zürich Nordost, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Das Vertrauen ins Verfahren zur Ermittlung von Standorten zur Endlagerung von Atomabfällen sei gelinde gesagt «leicht gestört».

Er sei «entsetzt» gewesen, als er das Nagra-Szenario mit den Standorten Zürcher Weinland und Jura Ost gelesen habe. Um wieder sachlich weiterarbeiten zu können, brauche die Regionalkonferenz Zürich Nordost eine schriftliche Erklärung, dass weiterhin alle möglichen Standorte abgeklärt würden.

Ein BFE-Vertreter solle dies auch an der nächsten Vollversammlung vom 10. November persönlich bestätigen und der Regionalkonferenz Auskunft über das weitere Vorgehen geben. Oberstes Ziel der Standort- Abklärungen müsse weiterhin die Sicherheit der Endlager sein, sagte Grau.

Markus Kägi: Ausschluss von Standorten «völlig inakzeptabel»

«Völlig inakzeptabel» wäre es auch nach Ansicht des Zürcher Regierungspräsidenten Markus Kägi (SVP), wenn bereits jetzt potenzielle Standortgebiete aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen würden. Erst müssten noch sämtliche Kenntnislücken geschlossen werden, damit alle sechs Standortgebiete vergleichbar seien.

Der Zürcher Baudirektor, der Vorsitzender des Ausschusses der Kantone ist, wolle allerdings «die Nagra-Aktennotiz zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren», heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Nagra wird AKW-Nähe vorgeworfen

Für die Organisation «KLAR! Züri Unterland» verkommt die aufwendig inszenierte Partizipation zur «reinen Alibiübung». Das am Sonntag veröffentlichte vertrauliche Nagra-Dokument bestätige die längst gehegte Vermutung, dass die Atommüll-Lagerorte bereits festgelegt seien.

Die Nationale Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) unterlaufe den politischen Auftrag des Bundesrates, sechs Standortgebiete gleichwertig zu erforschen. Die Nagra sei von den AKW-Betreibern abhängig und könne in der heutigen Form den Auftrag des Bundes nicht erfüllen.

Der Bund sei aber auch mitverantwortlich am sich abzeichnenden Scherbenhaufen in der Standortsuche, schreibt «KLAR!». Das vom BFE erarbeitete Sachplanverfahren führe nämlich zu keiner sicherheitstechnischen Vergleichbarkeit der vorgeschlagenen Standortregionen. (lcv/sda)

Erstellt: 08.10.2012, 15:56 Uhr

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