Neun Boxen, zwei Stehplätze und vier Wohnwagen für Sex

Ende August wird der Strichplatz in Altstetten eröffnet und das Sihlquai geschlossen. Die Regeln sind strikt. Eine erste Fahrt über das Gelände zeigt, wo sich die Freier künftig aufhalten sollen.

Nur das Befahren mit dem Auto ist erlaubt, das Betreten zu Fuss verboten: Fahrt über den Strichplatz. (Video: TA)

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Der Strichplatz am Depotweg bei der Aargauerstrasse, unweit des Bahnhofs Altstetten, wird ab dem 26. August jeden Tag von 19 bis 5 Uhr geöffnet sein; tagsüber ist das Areal verschlossen. Der Platz ist überwacht, auf eine uniformierte Polizeipräsenz wird aber verzichtet.

Am Abend bis Mitternacht werden Sozialarbeiterinnen der Frauenberatung Flora Dora in ihren Pavillons sein, ab Mitternacht bis am Morgen in der Früh städtische Mitarbeiter von SIP (Sicherheit/Intervention/Prävention).

Wie Stadtrat Martin Waser an der heutigen Präsentation des Platzes sagt, habe man mit dem Projekt eine «pragmatische und innovative Lösung» gefunden. Positive Vorbilder gibt es im holländischen Utrecht, in Köln und Essen. Negative Beispiele seien Rotterdam, Amsterdam und Dortmund. Bei diesen Städten sei auf die Sicherheitskontrolle verzichtet worden. «Das ist zwar ein Kostenfaktor, aber notwendig, damit ein Strichplatz erfolgreich betrieben werden kann.» Die jährlichen Unterhaltskosten in Altstetten machen rund 700'000 Franken aus, davon eine halbe Million für das Personal.

Nur ein Mann pro Auto

Ursprünglich waren zehn Boxen geplant, wo die Freier im Auto mit den Frauen Sex haben können. Neu sind es neun. Die zehnte Sexbox ist in zwei Stehboxen umgewandelt worden. Dort können Prostituierte ausserhalb des Autos ihre sexuellen Dienstleistungen anbieten. Da der Zugang zum Strichplatz aber nur mit dem Auto erlaubt ist, müssen die Freier den Wagen vor dieser Stehbox parkieren. Erlaubt ist pro Auto nur ein Mann, andernfalls wird das Auto vom Strichplatz weggewiesen.

Am 26. August um 5 Uhr in der Früh wird das Sihlquai für die Prostitution geschlossen. Hinweisschilder mit dem Aufdruck «Strichplatz» und einem roten Regenschirm – in Osteuropa das Symbol für die Prostitution – weisen die Freier nach Altstetten. Wer trotzdem noch am Sihlquai anschafft oder eine Prostituierte anspricht, wird verzeigt und muss eine Busse und Gebühren in der Höhe von mehreren Hundert Franken bezahlen.

Die Zufahrt zum Areal führt auf eine Rundstrecke, auf der Kunden und die Prostituierten die Dienstleistung und den Preis vereinbaren. Die Dienstleistung darf nur in den neun Sexboxen, den zwei Stehboxen und den vier Standplätzen für Wohnmobile angeboten werden. Das Areal und die Boxen sind mit farbigen Lampen ausgeleuchtet und die Umgebung wird bepflanzt. Damit soll der Platz nicht trostlos und trist erscheinen.

Erstellt: 15.08.2013, 12:54 Uhr

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