Nun schwimmt der Biber auch in der Limmat

Die Biberpopulation wächst im Kanton Zürich vor allem im Norden. Auch in der Limmat hat sich ein erstes Biberpaar angesiedelt.

Wo sich Biber ausbreiten, kommt es oft zu Konflikten mit Menschen – doch in Zürich funktioniert das Zusammenleben. Foto: Reuters

Wo sich Biber ausbreiten, kommt es oft zu Konflikten mit Menschen – doch in Zürich funktioniert das Zusammenleben. Foto: Reuters

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Diese Nachricht freut alle Biberfreunde: Der Biber vermehrt sich im Kanton Zürich. Laut neusten Schätzungen der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung stieg die Population in den vergangenen drei Jahren auf 306 Biber an. Das ist rund ein Fünftel mehr als bei der letzten Erhebung zwischen 2008 und 2011. Die Ausbreitung hat sich allerdings verlangsamt.

Urs Wegmann, Leiter der Biberfachstelle Kanton Zürich, begründet das geringere Wachstum damit, dass viele gute Reviere im Norden des Kantons bereits besiedelt seien. Neue Reviere sind für die Population wichtig, da jeder zweijährige Jungbiber sich ein neues ­suchen muss, um eine Familie zu gründen. Trotz dichter Besiedlung haben die Biber von 2011 bis 2014 insgesamt 23 neue Reviere in ihren angestammten Gewässern bezogen. Zudem eroberten die Nager die Limmat. Ein Biberpaar liess sich in der Nähe von Oetwil nieder.

Wegmann freut sich über das gedämpfte, aber stetige Wachstum. Denn Neubezüge bringen auch Probleme. Über 40-mal musste die Biberfachstelle 2014 ausrücken und mit Privatpersonen, Land- oder Forstwirten die Situation begutachten und Lösungen erarbeiten, oft im Zusammenhang mit neu besiedelten Revieren. Ein zu starkes Wachstum könnte daher ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Biber strapazieren. Denn Wegmann ist sich bewusst, dass der Biber auch Schäden verursacht. Er frisst beispielsweise Zuckerrüben von Feldern, fällt Bäume oder verursacht mit seinen Dämmen Überschwemmungen auf Feldern, was die Ernte beschädigen kann.

Der Süden wird noch erobert

Wegen dieser Konflikte wurde die Biberfachstelle 2014 geschaffen. «Wir betreiben viel Prävention und Informations­arbeit», sagt Wegmann. So zeigen Fachleute den Betroffenen, wie man zum ­Beispiel Bäume mittels Drahtzaun oder ­einer speziellen Quarzitsandpaste schützen kann. Die Fachstelle greift aber auch durch. Das heisst, Biberdämme werden teilweise abgetragen, mit Rohren ausgestattet oder ganz entfernt. «Solche Massnahmen dürfen aber nie selber ergriffen werden, denn Biber und Dämme sind geschützt», betont Wegmann.

Die Zusammenarbeit zwischen der Biberfachstelle und Betroffenen scheint zu funktionieren. Dies bestätigt auch Marthalens Gemeindepräsidentin Barbara Nägeli (SVP). Ihre Gemeinde beheimatet den grössten Bibersee der Schweiz, der als Schutzzone gilt und wo Landwirte und Waldbesitzer in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit den Nagern hatten. Auch im letzten Jahr hätten sich die Biber ausserhalb der vereinbarten Zone bemerkbar gemacht, doch die Biberfachstelle habe dann jeweils eingegriffen. «Die Situation hat sich beruhigt», sagt Nägeli.

Während Marthalen im Zürcher Weinland bibererprobt ist, blieb der südliche Teil des Kantons weitgehend ­biberfrei. Die Gründe dafür seien gemäss Urs Wüst von Pro Natura vor allem die Ufer der Gewässer. Sie sind zu steil oder zu verbaut oder haben unbeständige Wasserstände wie die Sihl. Er ist aber überzeugt, dass einige Biber im Süden des Kantons geeignete Plätze finden werden und sich den Hindernissen widersetzen. Denn der Biber ist sehr zäh.

Erstellt: 07.01.2015, 22:29 Uhr

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