Lohnerhöhung von BVK-Chef halbiert

Für BVK-Chef Thomas Schönbächler gibt es statt 120'000 Franken Lohnaufbesserung jetzt nur 60'000. Der Stiftungsrat hatte sich mit seinem Entscheid massive Kritik eingetragen und krebst nun zurück.

Seine Lohnerhöhung wurde zu 50 Prozent gekürzt: BVK-Chef Thomas Schönbächler.

Seine Lohnerhöhung wurde zu 50 Prozent gekürzt: BVK-Chef Thomas Schönbächler. Bild: Keystone

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Der Aufschrei war im Dezember gross, als der neue Stiftungsrat der Pensionskasse BVK eine 50-prozentige Lohnerhöhung für BVK-Chef Thomas Schönbächler ankündigte. Er sollte neu 380'000 pro Jahr verdienen, statt wie bisher 260'000 Franken. Politiker von links bis rechts protestierten: «Unverschämt, eine Frechheit, unsensibel», wurde die Lohnerhöhung genannt. Mit 175:0 Stimmen forderte das Kantonsparlament den Regierungsrat auf, im BVK-Stiftungsrat zu intervenieren. Ziel müsse ein Verzicht auf die Lohnerhöhung sein. Bei der BVK sind alle kantonalen Angestellten versichert, die Kasse ist aber auf Anfang 2014 privatisiert worden.

Heute Morgen hat der Stiftungsrat nochmals über den Lohn des BVK-Chefs beraten, nachdem auch Thomas Schönbächler um eine Anpassung nach unten gebeten hatte. Rückgängig hat der 18-köpfige Stiftungsrat seinen Entscheid aus dem letzten Jahr nicht gemacht, er hat ihn aber zur Hälfte zurückgenommen. Neu soll Schönbächler 320'000 Franken pro Jahr verdienen.

Weniger als ein Regierungsrat

Der Entscheid sei im Stiftungsrat mit grossem Mehr zustande gekommen, wie Lilo Lätzsch, Vizepräsidentin des Stiftungsrates, sagt. Lätzsch ist selber Sekundarlehrerin in Zürich und eine von neun Arbeitnehmervertreterinnen im Stiftungsrat.

Mit 320'000 Franken liege der Lohn nun im Rahmen von vergleichbaren öffentlich-rechtlichen Kassen und vor allem deutlich unter dem eines Regierungsrates, heisst es in einer Mitteilung. Ein Regierungsrat verdient im Kanton Zürich 330'000 Franken. Der Geschäftsleiter der städtischen Pensionskasse, Ernst Welti, kommt auf jährlich 220'000 Franken. Der Chef der Pensionskasse des Bundes erhält rund 285'000 Franken. Beide werden im Rahmen der Personalverordnung des Staates entschädigt. Bei Thomas Schönbächler ist das anders. Laut Lilo Lätzsch ist es gar nicht möglich, in der BVK weiterhin das kantonale Lohnreglement anzuwenden. Man habe mit der Privatisierung der BVK privatrechtliche Anstellungsbedingungen übernommen. So sei etwa der Kündigungsschutz für die Angestellten und auch für Thomas Schönbächler nicht mehr so gut wie vorher. Ziel des Stiftungsrates ist es laut Lätzsch gewesen, für alle 75 Angestellten der BVK mindestens gleich gute Anstellungsbedingungen wie vorher zu bieten. Für die anderen Angestellten ändert sich am Entscheid aus dem letzten Jahr nichts. Die Gesamtlohnsumme steigt im um rund 5 Prozent, mit eingerechnet sind Lohnnebenleistungen. So zahlt die BVK ihren Angestellten künftig einen Teil des ZVV-Abos, die Nichtbetriebsunfallversicherung und sie gewährt ihnen neu eine fünfte Ferienwoche.

Laut Lilo Lätzsch ist die heutige Sitzung im Stiftungsrat «intensiv» verlaufen, allerdings sei man sich weitgehend einig, dass die neue Lösung angemessen sei. Man habe auch über einen vollständigen Verzicht auf die Lohnerhöhungen diskutiert, aber ein entsprechender Antrag sei chancenlos gewesen. Lätzsch räumte ein, dass man im letzten Jahr den Fehler gemacht habe, die jüngste Vergangenheit der BVK nicht zu berücksichtigen.

Regierung stellte keine Bedingungen

Die Kasse hat einen riesigen Korruptionsskandal hinter sich, bei dem für die Versicherten ein Schaden von 1,5 Milliarden Franken entstanden ist, zudem haben die Zürcher Steuerzahler im letzten Jahr zwei Milliarden Franken zur Sanierung in die angeschlagene Kasse eingeschossen. Der Deckungsgrad hatte vor zwei Jahren nur noch gut 80 Prozent betragen. Heute liegt er nach dem Eingang der zwei Milliarden Franken und nach einem guten Börsenjahr wieder bei über 95 Prozent.

Lilo Lätzsch bestätigte, dass eine Delegation des Stiftungsrates den vollzähligen Regierungsrat getroffen habe. Allerdings habe sich die Regierung nur über den Lohnentscheid informiert und keine Bedingungen gestellt oder gar einen vollständigen Verzicht auf Lohnerhöhungen gefordert. Thomas Schönbächler wollte heute Nachmittag zu seinem neu festgelegten Lohn nichts sagen: «Dazu kommuniziert einzig und allein der Stiftungsrat», teilte er mit. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2014, 16:45 Uhr

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