Oberstufe Wädenswil gewinnt den Schweizer Schulpreis

Die Sekundarschule Wädenswil ist für ihr hervorragendes pädagogisches Konzept ausgezeichnet worden. Einen Preis gewann auch die Sek Neftenbach, deren Schüler einmal aufbegehrt haben.

Zusammen mit Rad-Crack Fabian Cancellara (links) freuen sich die Wädenswiler Schulleiter Irene Schmid und Frido Koch.

Zusammen mit Rad-Crack Fabian Cancellara (links) freuen sich die Wädenswiler Schulleiter Irene Schmid und Frido Koch. Bild: Peter Schneider/Keystone

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Zehn Schweizer Schulen sind mit dem ersten Schweizer Schulpreis ausgezeichnet worden. Die beiden Hauptpreise von je 40'000 Franken gehen an die Oberstufenschulen Wädenswil und die Gemeindeschulen von Martigny VS und wurden im Berner Stade de Suisse von Rad-Olympiasieger Fabian Cancellara übergeben. Einen der vier «Zweiten Preise» erhielt die Sekundarstufe Ebni aus Neftenbach.

Der Preis ist mit insgesamt 225'000 Franken dotiert. Mit ihm werden vorbildliche pädagogische Leistungen, Ideen und Konzepte honoriert. Diese sollen auch anderen Schulen zugänglich gemacht werden. Über hundert Schulen aus der ganzen Schweiz hatten sich für den Wettbewerb angemeldet. 18 von ihnen schafften es in den Final. Bewertet wurden Qualitätsmerkmale wie Leistung, Vielfalt, Unterricht, Konfliktlösung, Schulklima und Lehrerbildung.

Nur gute bis exzellente Schulen gesehen

Jurypräsident Jürgen Oelkers machte bei der Preisverleihung heute Donnerstag in Bern deutlich, dass er nur gute bis exzellente Schulen gesehen habe. Insofern seien alle Finalisten Sieger, so der emeritierte Pädagogik-Professor an der Universität Zürich und ehemalige Zürcher Bildungsrat. Von den Preisträgerschulen erwartete die Jury, dass sie, gemessen an ihrer Ausgangslage, besondere Leistungen erzielten und mit wichtigen Bildungs- und gesellschaftspolitischen Themen vorbildlich umgehen.

Solche Leistungen seien nur möglich, wenn alle Beteiligten, also auch Partner ausserhalb der Schule, am selben Strick zögen und motivierte Lehrpersonen und Schulleitungen am Werk seien, heisst es in der Mitteilung weiter. Gemäss Oelkers war es für die Jury spannend, Einblicke in das Innenleben von Schweizer Schulen zu bekommen. Carolina Müller-Möhl vom Forum Bildung freute sich über die guten Resonanz des Preises. Die Preisverleihung fand mit rund 300 Gästen im Nationalstadion statt. Hauptakteure der Preisverleihung waren die aus dem ganzen Land angereisten Delegationen der Finalistenschulen. Die nächste Preisverleihung findet 2015 statt.

Wädenswiler Lernlandschaften

Auf die Frage, warum ausgerechnet die Wädenswiler Oberstufe Schweizer Schule des Jahres werden soll, antwortete Schulleiter Frido Koch dem «Tages-Anzeiger» vor gut zwei Wochen: «Weil wir mit den Lernlandschaften und zahlreichen weiteren innovativen Projekten das Zusammenleben an der Schule verbessert haben und heute eine sehr gute Schulkultur besteht. Und weil es uns sehr gut gelingt, die Schülerinnen und Schüler auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.»

Vor zwei Jahren ist in drei von vier Wädenswiler Sekschulhäusern die Organisation des Unterrichts teilweise umgestellt worden. Zentral sind neue Lernlandschaften für jeweils 30 bis 50 Jugendliche. Dort können sie selbstständig Arbeitsaufträge erledigen und lernen. Sie sollen dabei in verschiedenen Fächern Stoff vertiefen, den ihnen zuvor Lehrpersonen in sogenannten InputLektionen vermittelt haben.

In den Lernlandschaften hat jeder Schüler seinen persönlichen Arbeitsplatz, den er nach eigenem Gutdünken einrichtet. In einer Lernlandschaft arbeiten Schüler aus verschiedenen Jahrgängen und aus den Niveaustufen A, B und C. Die Lehrpersonen sind in Wädenswil eher Lernbegleiter und Berater. Erwünscht ist, dass Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig unterstützen. Damit will die Schule die Gemeinschaft und die «soziale Interaktion» stärken. Bereits sind in Wädenswil zahlreiche Anfragen aus anderen Schulen eingegangen, die sich für die Lernlandschaften interessieren. Unter dem Dach der Oberstufe Wädenswil agieren 587 Schüler in 32 Klassen mit 77 Lehrpersonen.

In Neftenbach streikten die Schüler

Und warum hätte Neftenbach gewinnen sollen? Schulleiter Paolo Castelli: «Weil bei uns die Beziehung zwischen Lernenden und Lehrpersonen im Mittelpunkt steht. Mit unseren Lernprogrammen gehen wir auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Schülerinnen und Schüler ein. Zudem pflegen wir einen offenen Austausch an der ganzen Schule.»

Die Sek Ebni ist als Gesamtschule organisiert. Alter und Niveau spielen bei der Klassenzuteilung keine Rolle. In den Fächern Deutsch, Mathematik, Geschichte, Geografie und «Religion und Kultur» arbeiten die Schüler altersdurchmischt anhand von Aufträgen. Sie können das selbstständig tun oder in Kurse gehen. Falls diese Erklärungen nicht genügen, bekommen die Schüler Hilfe von der Förderlehrerin. Den Rest der Fächer – Fremdsprachen, Werken, Sport und Naturlehre – vermitteln die Lehrpersonen in Jahrgangsklassen in traditionellem Unterricht.

Die Eltern können den Lernprozess ihrer Kinder auf einem passwortgeschützten Onlineportal mitverfolgen. Alle zwei bis fünf Wochen finden Coaching-Gespräche zwischen Klassenlehrer und Schülern statt. Die Umstellung auf das neue Schulmodell hat in Neftenbach zu Unruhe geführt und auch zum Schülerstreik. Unterdessen ist das neue Modell recht gut verankert. Auch im Lehrerteam hat die Reform zu einigen Wechseln geführt. In Neftenbach sind 144 Schüler in acht Klassen eingeteilt, die von 18 Lehrpersonen unterrichtet werden.

Aus dem Kanton Zürich hatten sich noch die Sekundarschule Ruggenacher aus Regensdorf und das Zürcher Gymnasium Unterstrass für den Final qualifiziert.

(pu/sch/sda)

Erstellt: 05.12.2013, 15:28 Uhr

In der Sekundarschule Ebni in Neftenbach herrscht laut Jury eine friedliche Stimmung und ein angstfreies Lernklima. (Bild: Sophie Stieger)

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