Parteifreunde sind die ärgsten Feinde

Die Gestaltung einer Liste führt bei jeder Partei zu einer Gefährdung des Parteifriedens.

SVP-Parteikollegen: Christoph Blocher und Roger Köppel, hier im Kongresshaus Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

SVP-Parteikollegen: Christoph Blocher und Roger Köppel, hier im Kongresshaus Zürich. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Die meisten Parteien haben ihre Nationalratslisten bereits fix, bei der SP steht der grosse Showdown am nächsten Samstag an – unter dem Motto «Steht dir einer auf die Flosse, ists ein Genosse». Für die Kandidaten steht eine nationale Karriere, ein Traum auf dem Spiel. Die gröbsten Fehler, welche die Parteien bisher gemacht haben:

Jugendwahn

Beispiel Grüne: Da wurde die Liste perfekt basisdemokratisch nach dem Zebramuster gestaltet: Frau, Mann, Frau, Mann etc. Nötig waren ein Dutzend Abstimmungen. Da ging es etwa darum, ob die Liste mit einem Mann oder einer Frau beginnen soll. Das Rennen um die Poleposition machte in einer komplizierten Abstimmung nach dem Cup-System die 20-jährige Elena Marti. Sie ist jung, hat katalanisches Temperament – und vor allem stellte sie die altgedienten Urgrünen mit einer mitreissenden 90-Sekunden-Rede in den Schatten. Die Delegierten vergossen ein paar Tränchen – und vergassen völlig, dass eine 20-Jährige nicht das Potenzial haben kann, die Grünen aus ihrer Misere zu reissen.

Vollendete Tatsachen

Beispiel FDP: Die Findungskommission präsentierte eine Liste, die bloss noch durchgenickt oder zurückgewiesen werden konnte. Die Unzufriedenheit einiger Delegierter und etliche unausgesprochene Vorbehalte waren deutlich spürbar: zu wenige echte Unternehmer, zu viele Freikirchler und das Doppelmandat der Winterthurer Stadträtin Barbara Günthard. Eine offene Diskussion und das Nennen von Namen fand aber kaum statt – und genützt hätte sie eh nichts.

Die böse Rennleitung

Beispiel SP: Die Genossen versuchen eine Mischung aus strikter Vorgabe durch die Findungskommission und höherer Mathematik: 200 Delegierte dürfen je 1 bis 17 Punkte für die ersten Plätze abgeben. Doch die Parteileitung bestimmte, dass die in die Regierung gewählte Jacqueline Fehr in Bern ausharren muss und die erste Ersatzfrau Julia Gerber Rüegg nicht mehr aufgestellt wird. Höchst ungeschickt, dass man mit der verdienten Gewerkschafterin nicht mal das Gespräch suchte. Sie wird durch die Delegierten nun wohl weiter nach vorne geputscht, als es der Parteileitung lieb ist.

Die Profis

Am besten hats ausgerechnet die SVP gemacht, der man immer vorwirft, von Herrliberg aus gesteuert zu sein. Der sozial kompetente Alt-Nationalrat Hans Rutschmann hat Quereinsteiger Roger Köppel exakt auf den 17. Platz gesetzt: so weit vorne, dass er beste Chancen hat – und so weit hinten, dass er keinem der verdienten Parteisoldaten vor der Sonne steht. Und Ständeratskandidat Hans-Ueli Vogt liegt auf dem 10. Platz hinter allen Bisherigen. Das ist die beste Mischung aus Fairness und Motivation für Neue und Bisherige – und die Delegierten haben erst noch die Möglichkeit, Plätze zu verschieben.

Erstellt: 26.05.2015, 00:02 Uhr

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