Peiniger von Lea Laasner ist ermordet worden

Der Sektenguru Arno W., der die damals 13-jährige Winterthurerin Lea Laasner missbraucht hatte, ist in Uruguay gefesselt und tot aufgefunden worden.

Lea Laasner hat ihre dramatische Geschichte publik gemacht. (Archivbild 2008: Reto Schneider)

Lea Laasner hat ihre dramatische Geschichte publik gemacht. (Archivbild 2008: Reto Schneider) Bild: Reto Schneider

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Der 61-jährige Deutsche Arno W. ist am vergangenen Sonntag am Strand des uruguayischen Dorfs La Floresta von einem Spaziergänger entdeckt worden. Es sieht nach einer Abrechnung aus: Er war zur Hälfte begraben. Hände und Füsse waren gefesselt, eine Plastiktüte war über dem Kopf gestülpt, schreibt die uruguayische Zeitung «El Pais», die sich auf Aussagen lokaler Behörden beruft. Ein Richter sagte gegenüber Medien, die Art der Fesselung sei beispiellos für das Land. Mit Interpol wolle man herausfinden, ob diese als «Botschaft» einer kriminellen Organisation zu verstehen sei.

Die Leiche hat erst gestern Dienstag identifiziert werden können. Gemäss dem uruguayischen Portal «Telenoche» sei W. während zwei Monaten nicht mehr auf seinem Anwesen in Los Cerrillos, gut 80 Kilometer vom Fundort der Leiche, gesichtet worden. Auch sei das Anwesen verkauft worden.

Arno W. war der Peiniger der Winterthurer Jugendlichen Lea Laasner und weiterer Kinder. Die Eltern Laasners, welche sich W.s Lichtoase-Sekte angeschlossen hatten, folgten dieser 1993 ins zentralamerikanische Land Belize. Dort kam es während Jahren zu Misshandlungen des anfänglich 13-jährigen Mädchens. Laasner gelang 2001 die Flucht, worauf W. und seine Lebenspartnerin Julie R. aus Belize flohen. Lea Laasner schrieb zu ihrer Geschichte ein Aufsehen erregendes Buch mit dem Titel «Allein gegen die Seelenfänger» und zeigte W. an.

W. tauchte vor Prozess unter

2007 sollte W. in Deutschland der Prozess gemacht werden. Doch wenige Tage vor der Verhandlung tauchte er unter. 2008 kam er unter falschem Namen und mit gefälschten Papieren über Surinam nach Uruguay und blieb zunächst unerkannt. Er kaufte sich mit Spendengeldern seiner Anhänger ein grosses Anwesen in Los Cerrillos und lebte einige Jahre unbehelligt.

2015 konnten er und seine Partnerin R., die der Beihilfe angeklagt war, von der lokalen Polizei mithilfe von deutschen Fahndern verhaftet werden. Doch ein uruguayisches Gericht lehnte eine Auslieferung an Deutschland ab, weil die Straftaten verjährt seien.

Verbindungen zu Drogenhändlern?

Gemäss unbestätigten Meldungen hatte W. zuletzt Geldprobleme. Es wird spekuliert, ob er sich von den falschen Leuten Geld geborgt haben könnte. «El Pais» spekuliert über Verbindungen zu uruguayischen Drogenhändlern, die W. im Gefängnis kennengelernt haben soll.

Gemäss «Telenoche» lebte die Mutter Laasners mit W. auf dessen Anwesen in Uruguay. Von ihr und Partnerin R. fehlt jede Spur.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2016, 08:43 Uhr

Arno W. (Bild: Stronger After)

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