Pelzvorschriften werden ignoriert

Die Modehäuser sind laut dem Zürcher Tierschutz überfordert mit der Pflicht zur Deklaration von Pelzen, die seit einem Jahr gilt. Er fordert deshalb nun ein Importverbot.

Die Nachfrage nach Pelz ist vorhanden, schreibt Jelmoli: Parade der Pelzträgerinnen am Polo_Weltcup in St. Moritz. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Vor zwei Jahren trat landesweit eine Pelzdeklarationsverordnung in Kraft, wonach Käuferinnen und Käufer von Pelzen und Pelzprodukten informiert werden müssen, von welchem Tier diese stammen und ob die Tiere gezüchtet oder gejagt worden sind.

Auch ein Jahr nach Ablauf der Übergangsfrist seien noch immer viele Pelzartikel falsch oder gar nicht angeschrieben, schreibt der Zürcher Tierschutz. Je grösser das Pelzangebot sei, desto mehr Deklarationsfehler seien auszumachen. Er fordert daher ein für die ganze Schweiz geltendes Importverbot für Pelze und Pelzprodukte. Überhaupt würden viele Modehäuser auf ihrer «grausamen Pelzpolitik» beharren.

Migros mag nicht verzichten

So zeigt sich die Migros-Tochter Globus zwar gesprächsbereit und will künftig auf Pelze aus Käfighaltung verzichten. Bis jetzt hat das Warenhaus aber keinen definitiven Verzicht auf Echtpelz signalisiert.

Konkurrent Jelmoli wurde bei Stichproben im letzten Herbst aufgrund der äusserst zahlreichen Deklarationsmängel vom Zürcher Tierschutz hart kritisiert. «Das nach eigenen Angaben innovativste Warenhaus der Schweiz sieht nur den Profit», werfen ihm die Tierschützer vor. «Weil die Nachfrage nach Pelz vorhanden ist und daher einem Marktbedürfnis entspricht», verteidigt sich Jelmoli. Eine Stichprobe im Januar zeigte laut Tierschutz: «Jelmoli ist mit seinem riesigen Pelzangebot punkto Deklaration überfordert».

Diese Läden steigen aus dem Geschäft aus

Auch PKZ schnitt bei den Stichproben schlecht ab. Künftig will das Modehaus bei der Eigenmarke «Paul/Paul Kehl» keinen Echtpelz mehr verwenden. Die PKZ-Marke Blue Dog ist bereits heute «fur free».

Eine klare Botschaft sendet das international tätige Unternehmen Charles Vögele aus. Seit Februar dieses Jahres ist das Modehaus dem «fur free retailer program» beigetreten.

Ebenfalls reagiert hat das Grossunternehmen Mode Bayard, zu dem auch die Ketten Wartmann oder Krause gehören. Bereits vor der Saison 2014 haben sie den Ausstieg aus dem Echtpelzgeschäft beschlossen. Seit Januar 2015 wird kein Echtpelz mehr verkauft. Mode Bayard nimmt damit eine Umsatzeinbusse von ein bis zwei Prozent in Kauf.

Nur noch Schweizer Fuchspelz

Das Modehaus Modissa hat tierquälerische Pelzprodukte durch Schweizer Rotfuchs ersetzt und sucht, eigenen Angaben zufolge, weitere, tierschützerisch vertretbare Lösungen.

Das Warenhaus Manor führt zwar momentan keinen Echtpelz, hat sich aber nicht auf der «fur free»-Liste eingetragen. «Dadurch lassen sie sich ein Hintertürchen offen», kritisieren die Tierschützer. (mit Material der SDA)

Erstellt: 02.03.2015, 17:19 Uhr

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