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Pendler ärgern sich über den neuen Bahnhof Stettbach

40 Millionen Franken kostete der Ausbau des Bahnhofs Stettbach zur Verkehrsdrehscheibe. Doch für die Reisenden sind die Dächer zu klein und die Wege zu umständlich. Sie sprechen von Fehlplanung.

Regelmässig soll es hier zu brenzligen Situationen kommen: Auch das Dach auf den eleganten Stelzen im Stettbach bietet nur ungenügend Schutz gegen Kälte und Regen.

Regelmässig soll es hier zu brenzligen Situationen kommen: Auch das Dach auf den eleganten Stelzen im Stettbach bietet nur ungenügend Schutz gegen Kälte und Regen. Bild: Dominique Meienberg

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Am meisten Mitleid mit den Pendlern hat Kioskfrau Ursula Gubser jeweils dann, wenn es heftig regnet. Beim Bahnhof Stettbach bieten die Unterstände wartenden Reisenden praktisch keinen Schutz. «Alle werden pflotschnass», sagt Gubser, «und dann fluchen sie bei mir über den Neubau». Ein Tramchauffeur, der gerade Pause macht, gibt ihr recht: «Man kann stehen, wo man will, nass wird man immer.» Und wer von der Stadt her kommend aus dem Tram aussteigt, steht direkt im Regen, das nächste Dach ist weit weg.

Fast fertig gebaut, bleibt der Bahnhof Stettbach eine Baustelle. Manch einer schimpft den 40 Millionen Franken teuren Ausbau zur Verkehrsdrehscheibe eine Fehlkonstruktion. Kritisiert wird neben den unzureichend vor Witterung schützenden Betondächern auch die Anordnung von Busbahnhof und Tramhaltestelle. Wer zum Beispiel vom Bus auf die S-Bahn umsteigen will, muss erst die Tramgleise überqueren. Hält dort, was bei Schlaufen nicht selten der Fall ist, ein Tram, muss ein Umweg um die Kompostion in Kauf genommen werden – bei schlechtem Wetter durch den Regen. Wenn der Pendlerstrom während der Rushhours anschwillt, verkommt das Umsteigen zu einem gefährlichen Hindernislauf. «Es kommt regelmässig zu brenzligen Situationen», sagt ein anderer Tramchauffeur. «Speziell nach Feierabend, wenn alle rennen.»

«Schön, aber unpraktisch»

Die Meinungen zur ÖV-Plattform Stettbach scheinen nach wenigen Wochen gemacht. Der allgemeine Tenor lautet: Über Geschmack lässt sich streiten, über Kundenfreundlichkeit nicht. «Ich hätte mehr erwartet», sagt etwa Gerlinde Spreiter aus Bülach. Besucht sie ihre Grosskinder in Fällanden, steigt sie beim Bahnhof Stettbach um. «Gottseidank muss ich das nicht täglich tun», sagt Spreiter, und dies meint sie keineswegs wegen unartiger Enkel. «Wenn es so kalt ist wie heute, ist es schier nicht auszuhalten.» Es fehle ein Wartehäuschen, wo man sich aufwärmen könnte. «Vier Scheiben mit einem Dach darüber hätten bestimmt noch ins Budget gepasst.»

Spreiter freut sich jetzt auf den Coop, der im Sommer eröffnet: «Dann kann man sich wenigstens beim Einkaufen aufwärmen.» Der neue Bahnhof möge architektonisch überzeugen, praktisch sei er aber definitiv nicht.

Man kennt die Probleme

Gemeinderat Roger Tognella (FDP) wohnt im Schwamendinger Mattenhofquartier. Er benützt den Bahnhof Stettbach wöchentlich. Sein Urteil: «Wunderschön gestaltet ist er ja, aber es stellt sich tatsächlich die Frage, ob er auch praxistauglich ist.» Tognella ortet ein weiteres Problem: «Seit mehr S-Bahn-Pendler täglich in Stettbach umsteigen, sind die Staus vor der einzigen Rolltreppe noch länger geworden.» Trotz zusätzlichem Zugang auf der Südseite der Drehscheibe. «Das Problem mit dem Flaschenhals hätte man beim Umbau besser lösen müssen.» Die Situation könne man durchaus mit jener der jüngst umgebauten Tramhaltestelle Milchbuck vergleichen. Auch dort beklagen sich Pendler über ungenügenden Witterungsschutz. «Bei Neugestaltungen sollte die Funktionalität im Vordergrund stehen.» Dass das umgekehrte Prinzip beim Volk nicht gut ankomme, habe die Ablehnung des Nagelhauses gezeigt.

Den Verantwortlichen beim Bahnhof Stettbach sind die Probleme bekannt. Man habe die Dachlandschaft bewusst leicht und luftig konzipiert, sagt Glattalbahn-Sprecherin Karin Faes. Bei den Tramhaltestellen müssten die Unterstände bloss beim Aus- und Einsteigen vor Regen schützen. Der eigentliche Wartebereich befände sich im Zentrum der Drehscheibe bei den Rolltreppen, die zu den SBB-Gleisen führen. Im Übrigen sei die überdachte Fläche anderthalb Mal grösser als früher. Man nehme die Kritik der Pendler dennoch ernst und werde die Situation neu beurteilen. Über bauliche Massnahmen zur Verbesserung des Witterungsschutzes werden die Beteiligten der Verkehrsdrehscheibe danach entschieden.

Bereits Mitte Februar soll sich die Sicherheit für die Pendler erhöhen: Um die Unfallrisiken beim Überqueren der Tramgleise zu verringern, werden in den Bussen Durchsagen erfolgen. Sie warnen vor der ungewohnten Situation, dass die 7er-Trams von rechts einfahren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.01.2011, 23:17 Uhr

(Bild: TA-Grafik)

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