Pflegepersonal prangert Zustände in Zürcher Spitälern an

Das Zürcher Pflegepersonal ist am Anschlag: In einem Schwarzbuch sprechen Spitalangestellte von prekären Arbeitsbedingungen – und dass ihre Vorgesetzten sie dazu anhalten, schlechtere Qualität zu leisten.

Pflegende sehen Abbau bei der Qualität ihrer Arbeit: Personal im Universitätsspital.

Pflegende sehen Abbau bei der Qualität ihrer Arbeit: Personal im Universitätsspital. Bild: Sabina Bobst

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Die «Aktion Gsundi Gsundheitspolitik» (AGGP) hat heute Freitag unter dem Titel «Wir können dich zwingen» ein Schwarzbuch vorgestellt. Pflegende beschreiben darin ihren aufreibenden Alltag in Zürcher Spitälern, der oft als «strukturelle Gewalt» erlebt wird.

Um wettbewerbstauglich zu sein, stellten sich die Spitalleitungen der Zürcher Spitäler offiziell unter das Motto «Qualität halten und Kosten senken», erklärte AGGP-Vertreter an einer Medienkonferenz in Zürich. Dieser Spagat könne nicht aufgehen. Teils offen, teils verdeckt werde das Personal dazu angehalten, schlechtere Qualität zu leisten.

Die Äusserungen von Pflegenden über prekäre Arbeitsbedingungen in Spitälern, Kliniken und Heimen seien alarmierend. Das Ausmass der Belastungen für das Gesundheitspersonal sei heute so gross, dass die AGGP von ihren Mitgliedern nicht nur – wie sonst üblich – mündliche, sondern schriftliche Beschreibungen der unhaltbaren Situationen erhalten habe.

Bevölkerung Einblick gewähren

Um der Bevölkerung Einblick in den Spitalalltag, wie er wirklich ist, zu gewähren und die Diskussion darüber in Gang zu setzen, hat die AGGP die Schilderungen von Betroffenen in einem Schwarzbuch zusammengefasst. Pflegende berichten darin von physischer und psychischer Erschöpfung, mangelndem Respekt von Vorgesetzten gegenüber Pflegenden, Burnouts, Stellenwechsel bis hin zum Ausstieg aus dem Beruf.

«Während der Kündigungsfrist und mindestens ein halbes Jahr nach dem Weggang hatte ich Albträume», schreibt eine 37-jährige Pflegefachfrau. «Wenn ich die Leitung auf Missstände hinwies und auf die Unmöglichkeit, diese ohne zusätzliches Personal zu bewältigen, war die Antwort immer: Wir müssen uns damit abfinden. Es wird in Zukunft noch schlimmer werden. Mir tun alle leid, die noch dort arbeiten.»

Die Berichte zeigen laut AGGP eines: Unter dem ökonomischen Diktat von Spar- und postulierten Zwängen der Fallkostenpauschalen (DRG) breite sich zunehmend eine institutionelle Gewalt aus, welche die Kultur in den Spitälern in einem erschreckenden Ausmass verändere.

Frustration nimmt zu

Das Primat der Ökonomie werde vom oberen Kader verordnet und vom mittleren und unteren Kader mit mehr oder weniger Widerstand umgesetzt. Die Ablehnung von Massnahmen werde als Illoyalität gegenüber der Organisation und deren Zielen interpretiert und gelte als Versagen in der Führungsposition.

Und das Fazit der AGGP: «Die Zürcher Spitäler bewegen sich auf einer Abwärtsspirale, die sich im nächsten Jahr mit der flächendeckenden Einführung der leistungsbezogenen Finanzierung (DRG) und der Verstärkung des Wettbewerbsdenkens noch schneller drehen wird.» Die Folge seien Frustration beim Gesundheitspersonal und Qualitätsabbau bei der Betreuung der Patienten. (jcu/SDA)

Erstellt: 29.04.2011, 14:44 Uhr

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