«Öffnungszeiten sponsern»

Tausende Studenten an der Uni Zürich haben zu wenig Platz zum Lernen. Längere Öffnungszeiten würden das Problem entschärfen. Doch das ist laut dem Direktor der Hauptbibliothek leichter gesagt als getan.

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Wie dringend ist das Bedürfnis der Studierenden nach mehr Lernplätzen tatsächlich?
Die Nachfrage nach zusätzlichen Lernplätzen ist an der UZH während der zweimonatlichen Prüfungszeiten am Schluss der Semester nachgewiesenermassen sehr gross, alle vorhandenen Bibliotheksarbeitsplätze werden ja geradezu überrannt, und der Ruf etwa nach Sonntagsöffnungen ertönt besonders laut.

Die beiden Institutsbibliotheken der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät stellen rund 150 Arbeitsplätze zur Verfügung. Gibt es für Studierende alternative Arbeits- und Lernplätze?
Die WWF-Studierenden belegen regelmässig Arbeitsplätze in benachbarten Bibliotheken anderer Fachrichtungen wie der Medizinbibliothek Careum, einer Teilbibliothek der Hauptbibliothek Universität Zürich (HBZ), oder in der Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Instituts.

Ist dies nicht eine suboptimale Lösung? Gerade die rechtswissenschaftliche Bibliothek ist eine reine Präsenzbibliothek. Deshalb sind die Jus-Studierenden zwingend auf diese Arbeitsplätze angewiesen. Die gleiche Situation findet sich im Deutschen Seminar.
Und ebenso in der Medizinbibliothek Careum, wo die Medizin-Studierenden dasselbe Schicksal beklagen: Fachfremde Studierende besetzen Arbeitsplätze neben Freihandbeständen der Medizin. Natürlich ist dieses Ausweichen auf andere Fachbibliotheken suboptimal.

Einige Bibliotheken haben erstmals zwischen den Feiertagen und während der Prüfungssession längere Öffnungszeiten eingeführt. Sollte das nicht dauerhaft der Fall sein, um die Raumsituation der Lernenden zu verbessern?
Die Hauptbibliothek Universität Zürich (HBZ) bietet in ihrer Medizinbibliothek Careum schon heute immerhin zwei Lesesäle mit 120 Lernplätzen mittels Badgezutritt an sieben Tagen die Woche für Medizin-Studierende an. Sonntagsöffnungen oder andere erweiterte Öffnungszeiten bei einigen Bibliotheken sind aktuell aber meistens noch auf diese zweimonatlichen Prüfungszeiten am Schluss der Semester beschränkt, da eine Finanzierung der zusätzlichen Öffnungszeiten über das ganze Jahr noch nicht erreicht werden konnte.

Wo können die Studierenden während dieser Prüfungsphasen länger lernen?
Die grösseren Bibliotheken an der UZH wie die Hauptbibliothek mit 710 Arbeitsplätzen, die Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Instituts mit 500 Arbeitsplätzen oder die Bibliothek des Deutschen Seminars mit 250 Arbeitsplätzen bieten lange Öffnungszeiten von Montag bis Samstag zwischen 8 und 21 Uhr an. Und die ZB Zürich öffnet ihre Lesesäle jetzt neu seit dem letzten Jahr auch an den Sonntagen zu Semesterende. Längere Bibliotheksöffnungszeiten stehen auf der Agenda der Bibliotheken hoch oben.

Wäre es nicht sinnvoller, statt in neue Gebäude zuerst in längere Bibliotheksöffnungszeiten zu investieren?
Längere Öffnungszeiten lassen sich oft erst in umgebauten oder neu erstellten Gebäuden realisieren. Eine Immobilienstrategie, welche neue Gebäude langfristig zu planen hat, und der aktuelle Bedarf nach längeren Bibliotheksöffnungszeiten widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich als separat zu behandelnde Anliegen.

Warum braucht es für längere Öffnungszeiten neue Gebäude?
Neue Gebäude sind nicht zwingend, oft sind jedoch bauliche Anpassungen notwendig, wenn längere Öffnungszeiten zum Beispiel ohne den zusätzlichen Einsatz von Personal realisiert werden sollen. Das bedeutet unter anderem, Türen mit einem Zutrittssystem auszurüsten, Videoüberwachungen bewilligen zu lassen und zu installieren, Fluchtwege sicherzustellen, Brandschutzvorschriften zu erfüllen et cetera. Längere Öffnungszeiten lösen in jedem Fall zusätzliche Kosten aus, ob für Personal und/oder bauliche Massnahmen.

Wäre eine Finanzierung längerer Öffnungszeiten der Gebäude über Drittmittel aus der Privatwirtschaft denkbar?
Ja, Beispiele von gesponserten Öffnungszeiten sind bekannt, zum Beispiel von der Universität St. Gallen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.02.2012, 14:03 Uhr

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Heinz Dickenmann, Direktor der Hauptbibliothek der Universität Zürich. (Bild: Sabina Galbiati)

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