Prügelnder Familienvater muss sich helfen lassen

Ein Winterthurer mit albanischen Wurzeln behandelte seine Frau wie ein minderwertiges Wesen. Deshalb intervenierte die Schutzbehörde Kesb – zu Recht, wie das Obergericht nun urteilte.

Schickt den Familienvater ins «Mannebüro»: Das Zürcher Obergericht.

Schickt den Familienvater ins «Mannebüro»: Das Zürcher Obergericht. Bild: Keystone

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Das Zürcher Obergericht hat einen gewalttätigen Familienvater dazu verpflichtet, sich beim «Mannebüro» beraten zu lassen. Es bestätigte damit eine Weisung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Das Gericht wies die Beschwerde des Mannes gegen einen Bezirksratsentscheid ab, der die Weisung der Kesb unterstützt hatte, wie das Regionaljournal Zürich-Schaffhausen heute Dienstag berichtete. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde war eingeschaltet worden, nachdem die Polizei bei der Familie interveniert hatte.

Laut den Ausführungen des Obergerichts zum Urteil lebt der Mann mit albanischen Wurzeln seit 2001 in der Schweiz. Er hat hier eine Lehre gemacht, sich einbürgern lassen und die Rekrutenschule absolviert. Er, seine albanische Frau und die mittlerweile zwei kleinen Kinder wohnen in Winterthur zusammen mit den Eltern des Mannes.

Familienterror gegen die junge Frau

Die Polizeiintervention geht auf einen Vorfall von Anfang Januar 2014 zurück. Der Mann und seine Eltern kamen an diesem Nachmittag etwas früher aus den Ferien in Mazedonien zurück als erwartet. Sie mussten deshalb ein paar Minuten lang vor dem Haus auf die damals schwangere Frau warten, bis diese vom Einkaufen zurückkam. Dies trug ihr Beschimpfungen und Ohrfeigen ein.

Schliesslich setzte der Mann sie ohne Jacke oder Mantel vor die Tür. Ein Passant, der sie weinend und frierend antraf, rief die Polizei. Die Ermittlungen brachten einen eigentlichen Familienterror gegen die junge Frau an den Tag. Sie besorgte offenbar den Haushalt für alle, verfügte jedoch weder über Rechte noch über eigenes Geld. Respekt brachte ihr niemand entgegen.

«Da bringt man vorher jemanden um»

Der Mann versuchte, die Vorfälle zu beschönigen, liess allerdings in seinen Ausführungen immer wieder eine erhebliche Gewaltbereitschaft durchscheinen. Überrascht war er von der Tatsache, dass seine Frau sich an die Polizei gewandt hatte: Das hätte er nicht erwartet, auch wenn er sie blau geschlagen hätte. Denn das geschehe «bei uns Albanern» wirklich selten. «Da bringt man vorher jemanden um.»

Die Polizei brachte die Mutter und den 2011 geborenen Sohn laut Obergericht an einen sicheren Ort. Der Vater kassierte ein Rayon- und Kontaktverbot: 14 Tage lang - und anschliessend verlängert - durfte er sich seiner Frau nicht nähern und mit ihr keinerlei Kontakt aufnehmen.

Hin und Her

Am 12. Februar wurde die Massnahme aufgehoben. Die Frau hatte erklärt, sie wolle mit dem Kind zum Mann zurückkehren. Die Kesb befasste sich weiterhin mit der Familie. Sie wollte vermeiden, dass die Eltern ihren Kindern vorlebten, dass der Mann die Frau schlägt und als ein Wesen von minderem Wert behandelt. Das Paar müsse sich beraten lassen, beim «Mannebüro» beziehungsweise dem Frauennottelefon.

Am 12. März erklärte die Frau in einer Anhörung durch die Kesb, die Situation habe sich beruhigt. Der Mann habe versprochen, sie korrekt zu behandeln und weniger auf seine Familie zu hören. Sie sei aber bereit, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Nur einen Monat später krebste sie bei einer Anhörung beider Eltern zurück. Wegen der fortgeschrittenen Schwangerschaft und nach der Geburt mit zwei kleinen Kindern sei es schwierig, zu so einer Beratung zu gehen. Sie wolle einen Schlussstrich ziehen.

«In der Schweiz nicht tolerierbar»

Der Mann seinerseits lehnte jede Beratung ab. Er wandte sich an den Bezirksrat, der aber die Weisung der Kesb bestätigte. Gegen den Entscheid des Bezirksrats erhob er Beschwerde beim Obergericht. Auch hier blitzte er nun ab. Wie der Beschwerdeführer mit seiner Frau umgehe, sei «in der Schweiz nicht tolerierbar».

Beratungen gegen den Willen des Betreffenden seien sehr schwierig, sagte «Mannebüro«-Leiter Mike Mottl gegenüber dem «Regionaljournal». Im Gespräch mit der Kesb sei man daran, Möglichkeiten zu entwickeln, wie man mit «Halbfreiwilligkeit» umgehen könne. Kesb-Präsident Ruedi Winet begrüsste das Urteil des Obergerichts. Auch mit einem «gewissen Druck» könne eine Beratung durchaus wirken. (hub/sda)

Erstellt: 04.02.2015, 15:19 Uhr

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