Radio 105 ist bankrott – Schawinski will einsteigen

Der Zürcher Jugendsender hat die Bilanz deponiert. Ihm ist das Geld ausgegangen. Noch am gleichen Tag hat Roger Schawinski sein Interesse angemeldet.

Schlechte Zeiten für Lokalradios: 105-Geschäftsführer Giuseppe Scaglione.

Schlechte Zeiten für Lokalradios: 105-Geschäftsführer Giuseppe Scaglione. Bild: Keystone

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Es hat sich abgezeichnet: Geschäftsführer Giuseppe Scaglione hat die Bilanz der Music First Network AG beim Zürcher Konkursrichter hinterlegt, wie er heute in einer Mitteilung schreibt.

Bereits im Juli 2013 war bekannt geworden, dass der in Oerlikon beheimatete Jugendsender 105 zusätzliches Kapital braucht. Der Berner Daniel Hartmann, Ex-Werber und Freund Scagliones, stieg daraufhin ein und wollte laut eigenen Angaben «mehrere Millionen» in den Sender investieren. Allerdings zeigte sich rasch, dass die Zahlen noch düsterer waren als zuerst angenommen. Hartmann stellte daraufhin seine Zahlungen ein. Er war für den «Tages-Anzeiger» nicht zu erreichen.

Verkauf scheiterte

Scaglione versuchte danach, die Sendergruppe durch einen Verkauf zu retten. Eine Reihe von Interessenten aus der Schweiz und Deutschland schauten sich das Unternehmen an, verzichteten aber.

Für die Überschuldung gibt es mehrere Gründe: Zum einen lief Ende 2012 die Kooperation mit Radio Energy ab. Das Ringier-Radio hatte für 105 Werbung verkauft. Der Deal hing mit dem Verkauf einer Radiokonzession an Ringier zusammen, das Medienhaus war bei der Vergabe leer ausgegangen. Seither hat Radio 105 keine eigene Verkaufsabteilung mehr, entsprechend sackten die Einnahmen ab. Zum anderen zog sich die italienische Finelco-Gruppe zurück, die 105 über Jahre hinweg finanziert hatte. Scaglione selbst spricht von «erheblichen Marktwiderständen» und einer «schwierigen Vermarktungssituation», die zum Ende des Senders geführt hätten.

Konzession soll eingezogen werden

Die Frage ist nun: Was passiert mit der Sendekonzession von 105? Laut Bundesamt für Kommunikation wird diese entzogen und nicht mehr neu vergeben, sofern der Richter den Konkurs eröffnet. Inwiefern es so weit kommt, ist allerdings noch unklar. Denn: Privatradiopionier Roger Schawinski will die Marke 105, die Konzession und einige der rund 20 Mitarbeiter übernehmen.

Das Jugendradio soll in Zukunft von Schawinskis Radio-1-Studio aus senden – ohne Unterbruch, um die Marke 105 möglichst wenig zu beschädigen. «Ich habe dem Bakom bereits ein Konzept vorgelegt», sagt Schawinski. Durch das Betreiben von zwei Sendern aus einem Studio will er die Kosten senken. Nebst Sparpotenzial bei Technik und Administration sieht er auch Synergien im Programm, etwa bei den Nachrichten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2014, 17:29 Uhr

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