Raubmord: Einer der drei Täter ist nicht geständig

Die drei jungen Räuber, die bei einem Überfall einen Rentner so misshandelten, dass er später starb, zeigten sich vor Gericht reuig und lammfromm.

Auf die Fragen des Gerichtsvorsitzenden hin mussten die drei Täter ihre Aussagen korrigieren: Im Bezirksgericht Affoltern wurden ihr Fall behandelt. Bild: Schweizer-orte.ch

Auf die Fragen des Gerichtsvorsitzenden hin mussten die drei Täter ihre Aussagen korrigieren: Im Bezirksgericht Affoltern wurden ihr Fall behandelt. Bild: Schweizer-orte.ch

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«Friedlich, lieb, ruhig, empfindlich, hilfsbereit und freundlich» – so haben sich die drei Männer gestern vor dem Bezirksgericht Affoltern am Albis selbst bezeichnet. Die heute 21- und 22-jährigen Schweizer tamilischer und tibetischer Herkunft werden beschuldigt, am 5. Juli 2012 einen 85-jährigen Rentner in seinem Haus in Aeugst am Albis brutal überfallen zu haben. Weil der Mann nicht sagen wollte, wo er das Geld versteckt hatte, wurde er von den Männern verprügelt. Zehn Tage später starb das Opfer an einem Herz-Kreislauf-Versagen als Folge seiner Verletzungen. Die Beute: circa 110 Franken.

Die Befragung durch Gerichtspräsident Peter Frey ergab, dass die drei Männer aus geordneten und guten Familienverhältnissen stammen. Sie waren noch nie wegen Gewaltdelikten mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Einer war zum Zeitpunkt der Tat angehender Psychiatriepfleger, die Komplizen hatten eine Lehre im Pflegebereich abgebrochen bzw. dort ein Praktikum absolviert. Umso erstaunlicher deshalb, dass es am 5. Juli 2012 zu einer solchen Bluttat kommen konnte: Rund 50 Verletzungen am ganzen Körper wies der Verstorbene auf.

Das Opfer hatte die Täter früher geschützt

Trotzdem betonten alle drei, dass sie sich einig gewesen waren, beim Überfall keine Gewalt anzuwenden. Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden, ob es keine Gewalt sei, jemandem einen Plastiksack über den Kopf zu stülpen und ihn zu Boden zu werfen, mussten sie ihre Aussagen aber korrigieren. Zudem hatten die beiden tamilischen Täter mit anderen Komplizen denselben Mann bereits am 21. Mai 2012 auf die gleiche Art und Weise überfallen und dabei 650 Franken erbeutet.

Dass der Rentner damals die Strafanzeige zurückzog, kostete ihn vermutlich das Leben. Denn die beiden Räuber waren schon früher im Haus des 85-Jährigen gewesen und hatten ihm bei Gartenarbeiten geholfen. Eine Angehörige des Rentners äusserte am Prozess die Vermutung, dass er die beiden beim Überfall vom 21. Mai erkannt, aber auf eine Anzeige verzichtet hatte, um sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen.

Misshandlungen abgestritten

Während die beiden Beschuldigten tamilischer Herkunft im Grossen und Ganzen geständig waren, stritt der dritte Beschuldigte die Absicht für einen Raub ­vehement ab. Der Schweizer tibetischer Herkunft war zwar beim Überfall dabei gewesen. Er machte aber geltend, er habe nicht gewusst, dass dem ahnungslosen Rentner ein Plastiksack über den Kopf gestülpt werden sollte, damit er die Räuber nicht erkannte. Der ehemalige Psychiatriepflegerlehrling beteuerte, er habe vom ersten Überfall nichts gewusst. Seine Komplizen hätten anfänglich von einem Einbruch gesprochen, von Gewalt sei nicht die Rede gewesen.

Warum er die Wohnung dann nicht verlassen habe, als einer der Mittäter dem alten Mann den Plastiksack über den Kopf stülpte, fragte der Richter. «Ich wollte nicht als der dastehen, der nicht dabei war», antwortete der Beschuldigte und ergänzte, er habe in diesem Moment einen falschen Entscheid gefällt. In der Wohnung des Opfers habe er aber nur nach Geld gesucht, die Schläge auf den Kopf und den Oberkörper hätten die anderen ausgeführt. Er nannte die Tat «mehr als grausam», sie sei «unmenschlich» gewesen.

Von den Komplizen belastet

Dass der dritte Beschuldigte vom geplanten Raub angeblich nichts gewusst hatte, stellten seine beiden Komplizen in Abrede. «Wir wussten alle, worum es geht, nämlich um Raub», sagte einer. Der andere ergänzte, dass der Überfall auf einem Parkplatz in Aeugst nochmals besprochen wurde, und dabei sei auch die Sache mit «dem Sack» ein Thema gewesen. Heute Dienstag plädieren die Staatsanwältin und die Verteidiger. Die Urteilseröffnung erfolgt später.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 22:10 Uhr

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