Rega und Swiss mischen in Dübendorf mit

Das Seilziehen um den Flugplatz Dübendorf geht in die letzte Runde. Die Bewerber haben heute ihre Kandidaturen deponiert. Es sind neue Akteure auf den Plan getreten.

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Die Bewerber für den Betrieb des Flugplatzes Dübendorf haben bis heute Freitag Zeit, um ihre Kandidatur einzureichen. Sie buhlen um 30 Hektaren des 2,5 Quadratkilometer grossen Geländes, auf welchem der Bund ein ziviles Flugfeld ausgeschrieben hat. Auf dem Tisch der Verantwortlichen des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) liegen zwei Dossiers, wie Bazl-Sprecher Urs Holderegger gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt. Sie stammen von der Flugplatz Dübendorf AG und dem Unternehmen Topmotion, hinter welchem der Geschäftsführer des Dübendorfer Air Force Center, Kurt Waldmeier, steht. Holderegger hält allerdings fest, dass noch weitere Bewerbungen mit Poststempel von heute eingehen könnten.

In den beiden vorhandenen Bewerbungsdossiers tauchen neue Namen auf: Die Fluggesellschaft Swiss ist mit einer ihrer Tochterfirmen bei Topmotion involviert. Und bei der Flugplatz Dübendorf AG ist die Rega als Aktionärin eingestiegen. Deren Stiftungsrat hat an ihrer vergangenen Sitzung diese Beteiligung gutgeheissen. Grund dafür ist die ungewisse Zukunft ihres Hauptsitzes am Zürcher Flughafen in Kloten. Er steht den geplanten Rollwegen, die um die Piste 28 führen sollen, im Weg. «Zurzeit befinden wir uns noch in Abklärungen, ob und bis wann ein Umzug überhaupt nötig ist. Die Rega muss aber alle Optionen prüfen», sagt Sprecherin Karin Hörhager.

Möglicher Standort für Rega-Hauptsitz

Mit den Plänen des Bundes, in Dübendorf einen Flugbetrieb und einen Innovationspark zu erstellen, erwartet die Rega auch für ihre dortige Helikopterbasis Veränderungen. Deren Umzug innerhalb des Flugplatzgeländes sei dadurch wahrscheinlich, sagt Hörhager. «Wir wollen mit dieser Beteiligung diesbezüglich unsere Interessen wahrnehmen und uns aktiv in die Planungsarbeiten einbringen.»

Der Standort Zürich sei für die Operation der Rega von grosser Bedeutung. Im Hauptsitz am Rande des Flughafens Zürich arbeiten rund 200 Mitarbeiter. Neben der Einsatzzentrale sowie dem Unterhaltsbetrieb für die gesamte Helikopter- und Ambulanzjetflotte befindet sich dort auch die Basis der drei Rega-Jets. «Falls die Rega zum Verlassen des Flughafens Zürich gedrängt wird, ist der Flugplatz Dübendorf eine interessante Option als zukünftiger Standort des Rega-Centers», sagt Hörhager. Er sei zentral gelegen und befinde sich in der Nähe des heutigen Standorts, was für die rund 150 Mitarbeiter von Bedeutung sei.

Investoren fehlen noch

Zu gleichen Anteilen am Aktienkapital der Flugplatz Dübendorf AG von 150'000 Franken beteiligt sind neben der Rega der Flugzeugeigentümer- und Piloten-Verband Schweiz mit dem Aero-Club der Schweiz, das Handlingunternehmen Air Service Basel und die Businessfliegerfirmen Cat Aviation, Jet Aviation sowie Premium Jet. Laut Urs Brütsch, Projektleiter der Flugplatz Dübendorf AG, hält sich deren Bewerbung strikt an die Ausschreibung des Bundes. Diese rechnet mit einem Gelände von 30 Hektaren, 28'000 möglichen Flugbewegungen und Betriebszeiten, die werktags von 6.30 bis 22 Uhr, am Samstag von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr reichen.

Neben einem Flugplatz für die Geschäfts- und Leichtaviatik plant die Aktiengesellschaft in Dübendorf ein Ausflugsziel für die Öffentlichkeit. «Wir stellen uns ein Besucherzentrum vor, das die bewegte Geschichte des Flugplatzes veranschaulicht, und ein Restaurant für die Zuschauer.»

Investoren kann die Flugplatz Dübendorf AG derzeit keine nennen. «Wir haben festgestellt, dass es schwierig ist, verbindliche Gespräche zu führen, solange der Zuschlag des Bundes fehlt», sagt Verwaltungsratspräsident Fabio Hausammann. Er gibt sich aber zuversichtlich: «Nach dem Entscheid des Bundes bleibt dafür noch genug Zeit und wir präsentieren ein rentables Projekt.» Näheres will er zu den Zahlen aber nicht verraten. Nur so viel: «Die Aktiengesellschaft kann die Planungsphase bis zum Baubeginn durch die Teilhaber finanzieren.» Sie sei zudem in der Lage, den vom Bund geforderten Baurechtszins zu erwirtschaften. «Wir können bei einer verlängerten Baurechtsdauer ein Mehrfaches davon in Aussicht stellen.» Die Höhe des Zinses hängt laut Ausschreibung von den Investitionen und den erwirtschafteten Gebühren ab.

Swiss-Tochter braucht Platz

Im Bewerbungsdossier der Topmotion mit Kurt Waldmeier als Federführer taucht Swiss Aviation Training (SAT) auf. Die Swiss-Tochter bietet die Grund- und Weiterbildung für Cockpit-, Kabinenbesatzungen und Unterhaltspersonal für Swiss und andere Fluggesellschaften an. In einem Schreiben an Waldmeier bekundete Manfred Brennwald in seiner Funktion als SAT-Geschäftsführer das Interesse, Dübendorf als möglichen Standort zu prüfen. Er sichert ihm zudem bei einem positiven Entscheid aktive Unterstützung zu.

Laut SAT-Sprecherin Uschi Roth beabsichtigt die Swiss-Tochter derzeit keineswegs von ihrem Sitz am Klotener Balsberg auszuziehen. «Wir überprüfen aber immer wieder unseren Standort und allfällige Alternativen. Dübendorf ist eine davon.» Die Evaluation erfolgt nicht zuletzt, weil die Muttergesellschaft Swiss neue Maschinen des Typs Bombardier C-Series anschafft und demzufolge einen neuen Simulator benötigt, sagt Roth.

«Umzonung ist Sache des Bundes»

Unterstützt wird die Kandidatur der Topmotion von der Stiftung Museum und historisches Material der schweizerischen Luftwaffe, der Alt-Regierungsrätin Rita Fuhrer vorsteht. Seit Jahrzehnten wirkt Kurt Waldmeier in Dübendorf. Er ist nicht bereit aufzugeben, was er in dieser Zeit dort aufgebaut hat – etwa der Flugbetrieb der historischen Ju-52 oder das Fliegermuseum. Für ihn steht fest, dass die Simulatoren der Swiss auf den Flugplatz passen würden. «Wir haben beim Bund einen Werkflugplatz eingegeben.» Einzelne Geschäftsflieger, Blaulichtorganisationen, das Flieger-Flab-Museum und die Ju-52 sollen darin genauso Platz haben wie die Simulatoren und der Unterhaltsbetrieb der Motorfluggruppe Zürich.

In einem Punkt erfülle die Bewerbung die Vorgaben des Bundes nicht: «Die Umzonung des Areals ist nicht Sache des künftigen Betreibers, sondern des Bundes als Eigentümer. Sonst fehlt eine sichere Rechtsgrundlage, um auf dem Gelände planen zu können», sagt Waldmeier.

Der bundesrätliche Fahrplan sieht vor, dass bis Mitte 2014 die Bewerbungen ausgewertet sind. Dann entscheidet der Bundesrat über die Zukunft des Flugplatzes. Er behält sich dabei vor, auch auf einen Flugbetrieb zu verzichten.

Erstellt: 04.04.2014, 15:02 Uhr

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