Regierungsrat macht in Bern Druck für ein neues Quartier in Dübendorf

Der Zürcher Regierungsrat präsentiert seine Pläne für den künftigen Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf. Vorgesehen ist dabei auch eine Naherholungszone für die lokale Bevölkerung.

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Der Bund will einen Nationalen Innovationspark mit zwei Hauptstandorten in der Nähe der Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich (ETH) und in Lausanne (EPFL) aufbauen. Einen dieser sogenannten Hubs will der Zürcher Regierungsrat auf dem Areal des Flugplatzes Dübendorf errichten. Auf rund 70 Hektaren sollen dereinst Hochschulen, Forschungseinrichtungen und innovatives Schaffen gebündelt werden, sagt der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker heute Dienstag vor den Medien. «Idee ist es, Leben und Arbeiten am selben Ort zu ermöglichen und die Infrastrukturen zu schaffen, um alle wichtigen Akteure zu vernetzen und so eine rasche Wertschöpfung zu ermöglichen.»

Die Standortgemeinden haben dem Projekt auf dem Flugplatz Dübendorf bereits ihre Unterstützung ausgesprochen. 2015 wird auf Bundesebene darüber entscheiden. Neben den beiden Hubs in Zürich und Lausanne wird es einige regional ausgerichtete Netzwerkstandorte geben. Die Ausschreibung läuft bis 28. März.

Ein Areal, auf dem man gerne lebt und arbeitet

Der Innovationspark soll im Kopfbereich des Flughafenareals entstehen. Das Projekt wird etappenweise umgesetzt. Die erste Bauetappe umfasst eine Fläche von 10 bis 25 Hektaren, so Stocker. Vorgesehen ist auch eine Freizeit- und Erholungszone, die von der lokalen Bevölkerung genutzt werden kann. Wie gross diese Parkanlage sein wird, hängt vom Entscheid über die weitere zivilaviatische Nutzung des Flughafenareals ab. Dieser wird gemäss Stocker Mitte 2014 erwartet. Eine Beibehaltung des Flugbetriebs sei neben dem Innovationspark gut möglich. «Ziel ist es, ein lebendiges Quartier zu realisieren und das Areal städtebaulich so zu gestalten, dass man sich dort gerne aufhält und arbeitet», sagt der Volkswirtschaftsdirektor.

Noch kann der Regierungsrat keine konkreten Angaben über die Ausgestaltung des Projekts machen. Diese werden von Baudirektor Markus Kägi erst für den kommenden Sommer in Aussicht gestellt. Der Kanton Zürich muss zunächst die Grundlagen für das Projekt schaffen. So ist eine Richtplanrevision nötig, um im kantonalen Gestaltungsplan bis Mitte 2015 verbindliche Vorgaben für Grundeigentümer vornehmen zu können. Eine städtebauliche Studie soll zudem bis Mitte 2014 die Rahmenbedingungen und inhaltlichen Eckwerte für den Innovationspark und die Freiraumnutzungen definieren. «Das ist eine sehr sportliche Zeitrechnung. Aber wir arbeiten mit Hochdruck an der Ausarbeitung und sind davon überzeugt, dass wir es schaffen werden», sagt Kägi vor den Medien.

Trägerschaft nach Public-Private-Partnership-Modell

Die derzeitige Projektleitung liegt beim Kanton Zürich, der ETH, der Planungsgruppe Glattal und den Standortgemeinden. Dem Zürcher Volkswirtschaftsdirektor schwebt langfristig eine Public-Private-Partnership-Trägerschaft für den Innovationspark vor. «Am Anfang muss allerdings der Kanton den Lead für das Projekt übernehmen und es beim Bund vorstellen.» Bei der Finanzierung stehe der Kanton gemäss Stocker insbesondere bei der Erschliessung des Areals in der Pflicht – unter anderem durch die Verlängerung der Glattalbahn. «Ansonsten sollte das Ganze selbsttragend werden.»

Bildungsdirektorin Regine Aeppli ist davon überzeugt, dass Zürich das optimale Umfeld für den Hubstandort des Innovationsparks bildet. «Unser Hochschulstandard ist top. Das kann man, ohne rot zu werden, sagen.» Für ein gutes Funktionieren des Projekts sei jedoch eine gute Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend. «Wir sind mit Herausforderungen konfrontiert, für die wir Antworten und Lösungen brauchen. Die Forschung dient somit der Gesellschaft.»

«Es braucht nicht nur Gips, sondern Grips»

Um das Potenzial des Innovationsparks voll ausschöpfen zu können, braucht es gemäss Aeppli «nicht nur Gips, sondern Grips». Der Ausgang der Abstimmungen über die Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar mache die Umsetzung des Projekts nicht einfach. «Ein Innovationspark kann nicht als Heimetli funktionieren. Es muss ein offener Platz sein. Wissenschaft darf keine Grenzen haben», so die Bildungsdirektorin.

Welche Ausrichtung der künftige Innovationspark haben wird, ist derzeit noch nicht entschieden. Aeppli nennt den Live-Science-Bereich, Umwelt und Engineering sowie digitale Technologien als mögliche Optionen. «In den kommenden Monaten wird ausgearbeitet, in welche Richtung es gehen soll.» Auch zur Frage, ob der Innovationspark als Erweiterung des Bildungs- und Forschungsangebots von Zürich verstanden werden soll oder ob damit eine Verlagerung nach Dübendorf einhergehen wird, kann die Bildungsdirektorin noch keine konkreten Angaben machen.

Bessere Zusammenarbeit mit Firmen

Gemäss ETH-Vizepräsident Roman Boutellier, Professor für Innovations- und Technologiemanagement, bedeute der Innovationspark insbesondere eine Chance für Firmen, die sich im Umfeld der Zürcher Hochschulen ansiedeln wollen, um deren Know-how zu nützen. «Sie finden in Dübendorf einen neuen Standort, denn in Zürich hat es keinen Platz mehr. Der Technopark ist bereits überlastet.» Mit dem Hub-Projekt sei eine bessere Zusammenarbeit mit diesen Firmen möglich.

Das Ganze könne allerdings nicht von heute auf morgen geschehen, hält Stocker abschliessend fest. «Der Innovationspark ist ein Generationenprojekt. Er soll langsam wachsen – auch vor dem Hintergrund, dass bei uns Flächen knapp sind. Es wird Jahre dauern, bis er umgesetzt sein wird.»

Erstellt: 11.03.2014, 12:51 Uhr

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