Rentner erschiesst seine Ehefrau im Spitalbett

Ein 83-Jähriger tötet seine gleichaltrige Frau und richtet sich danach selbst. Das Motiv blieb vorerst unklar.

Blick ins Spital von Affoltern am Albis: Auf welcher Abteilung die Frau lag, ist nicht bekannt. Foto: Samuel Schalch

Blick ins Spital von Affoltern am Albis: Auf welcher Abteilung die Frau lag, ist nicht bekannt. Foto: Samuel Schalch

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Das Ehedrama hat sich in der Nacht auf Mittwoch im Spital in Affoltern am Albis im Knonauer Amt ereignet. Kurz nach Mitternacht hörten Pfleger im Zimmer einer 83-jährigen Patientin Schüsse. Als das Pflegepersonal nachschaute, fand es die Patientin mit einer Schussverletzung im Bett liegend. Am Boden neben dem Bett lag ihr gleichaltriger Ehemann. Er hatte ebenfalls eine Schussverletzung. Die Kantonspolizei Zürich geht davon aus, dass der Mann zuerst auf seine Ehefrau schoss und dann sich selber richtete.

Das Motiv und der genaue Sachverhalt werden nun von der Kantonspolizei, der Staatsanwaltschaft und dem Forensischen Institut Zürich untersucht. Wie lange die Frau bereits im Spital lag und in welcher gesundheitlichen Verfassung sie sich befand, gibt die Polizei «mit Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz» nicht bekannt.

War es erweiterter Suizid?

Ebenfalls teilt sie nicht mit, wie der Mann mitten in der Nacht ins Zimmer seiner Ehefrau gelangt ist. Das Spital Affoltern am Albis ist für Besucher abends bis 20 Uhr geöffnet. Danach überwacht ein Securitasmitarbeiter den Eingangsbereich in der Empfangsloge. Laut dem Spitaldirektor ist es aber für Angehörige möglich, auch nach 20 Uhr Patientinnen und Patienten zu besuchen: «Wir suchen jeweils nach individuellen Lösungen.» Das heisst also, dass der Ehemann sich schon vor Mitternacht ins Spital begeben haben könnte.

Ansonsten hält sich das Spital mit Informationen zurück. Der Direktor beruft sich auf das Arztgeheimnis. In welcher Abteilung die Schussabgabe erfolgte, wird nicht kommuniziert. Das Regionalspital betreibt neben dem Akutspital auch einen Psychiatrie­stützpunkt und führt ein palliatives Kompetenzzentrum für Menschen mit unheilbaren Krankheiten sowie eine grosse Abteilung für Langzeitpflege.

Es könnte sich daher um einen Fall von erweitertem Suizid oder Mitnahmesuizid gehandelt haben. Entweder hat das Ehepaar gemeinsam den Beschluss gefällt, das Leben zu beenden, oder es war ein Tötungsdelikt mit anschliessender Selbsttötung des Mannes. Ein Kapitalverbrechen, verübt durch einen Senior, ist äusserst selten. Im Jahr 2016 sind in der Schweiz nur drei Personen über 70 Jahre wegen eines Tötungsdelikts oder versuchter Tötung verurteilt worden.

Ähnlichkeiten zu anderem Fall

Der Fall hat gewisse Parallelen zu einem ungewöhnlichen Tötungs­delikt, das ein Rentner aus Rüschlikon verübte. Der 69-Jährige hatte im Mai 2013 seine Frau auf ihren eigenen Wunsch hin mit einem Schal in einem Wald in der Aargauer Gemeinde Scherz bei Habsburg erdrosselt. Nach der Tat richtete sich der pensionierte Prokurist allerdings nicht selbst. Er meldete den Tod seiner Frau den Behörden in Rüschlikon und wurde danach von der Polizei verhaftet.

In der Untersuchung begründete er die Tat damit, dass seine unter Depressionen leidende Ehefrau ihm gegenüber Existenzängste geäus­sert habe. Sie befürchtete, dass das Geld in Zukunft nicht mehr reichen könnte. Das Bezirksgericht Brugg AG verurteilte den Mann später wegen vorsätzlicher Tötung, sprach den Rentner aber frei. Das Gericht wies ihn in eine psychiatrische Klinik ein, weil er inzwischen an starker Demenz erkrankt war.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2018, 22:06 Uhr

Wenn alte Ehepaare gemeinsam sterben wollen

Manche Paare können sich nicht vorstellen, ohne ihren Partner weiterzuleben. Meist gibt es dann doch einen Weg zu neuem Lebensmut.

Die Hintergründe des tragischen Ereignisses sind noch nicht klar, einiges weist aber auf einen erweiterten Suizid hin. Dem ehemaligen Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein ist dieses Phänomen bekannt. Wettstein ist heute Mitglied der Leitung des Zentrums für Gerontologie der Universität Zürich. Er beschäftigt sich unter anderem mit Depressionen im Alter, die auch dazu führen können, dass Menschen sich das Leben nehmen wollen. Dass sie es zusammen tun, sei aber sehr selten. Meist stehe dabei die Angst des einen Partners – mehrheitlich des Mannes – im Vordergrund, dass er das Leben nicht alleine meistern könne.

So könne es beispielsweise sein, dass eine Frau ihren Mann bitte, ihr Leben zu beenden, weil sie unheilbar krank sei, unter schlimmen Schmerzen leide und keinen Lebensmut mehr habe. Der Mann kommt dem Wunsch nach, will aber danach selbst nicht weiterleben. «Dabei muss unbedingt betont werden, dass es auch für solche Fälle Formen von begleitetem Suizid gibt», betont Wettstein. Allerdings seien diese in vielen Spitälern nicht erlaubt. Schlicht und einfach Mord sei der andere Fall, wo ein Mensch einen anderen, ohne das Vorhaben zu besprechen, mit in den Tod nehme.

Wettstein erlebt aber in der Praxis auch immer wieder, wie sich symbiotisch lebende Ehepaare nicht vorstellen können, ohne den anderen weiterzuleben, und dann nach einer Trauerphase doch wieder ins Leben zurückfinden. «Manchmal dauert es Monate oder gar Jahre, doch in den meisten Fällen öffnen sich Türen und neue Zugänge zum Leben, die Lebensfreude zulassen.»

Maximal zehn Anfragen bei Exit

Bei Exit gibt es jährlich maximal zehn Anfragen von Paaren, die gemeinsam aus dem Leben scheiden möchten. «Es kommt also regelmässig, aber selten vor», sagt Mediensprecher Jürg Wiler. Dabei werde die Situation beider Partner einzeln angeschaut und zusätzlich abgeklärt, ob keine Drucksituation oder eine einseitige Abhängigkeit vorliege.

Beratungsstellen: -?Die dargebotene Hand, Telefon 143 und Onlineberatung, Schweigepflicht/anonym und gratis, www.143.ch -?Hausärzte sind weitere gute Ansprechpersonen in einer Krise.

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