Riesen-Oggenfuss kassierte über drei Millionen

Die Sozialfirma, die Carlos betreute, verdient gut an der Resozialisierung von schwierigen Jugendlichen.

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Am Sonntag wurde bekannt, in welchem Umfang die Sozialfirma Riesen-Oggenfuss GmbH Resozialisierungsprogramme für schwer erziehbare Jugendliche durchführte. Laut der «Schweiz am Sonntag» waren es allein im Kanton Zürich Aufträge von über drei Millionen Franken. Riesen-Oggenfuss war auch verantwortlich für das «Sonder-Setting» des 18-jährigen Messerstechers mit dem Pseudonym Carlos. Es hat im Monat rund 29'000 Franken gekostet, wurde aber abgebrochen, nachdem die Debatte über Carlos eingesetzt hatte.

Gemäss dem Bericht waren dieses Jahr neben Carlos 14 weitere Jugendliche in der Obhut von Riesen Oggenfuss. Dafür überwies die Justiz der Firma 975'000 Franken. Die Firma arbeitet seit 2010 für die Jugendstaatsanwaltschaft. Im Jahr 2012 soll die Firma für die Betreuungsprogramme von total 18 Jugendlichen 1,2 Millionen Franken bekommen haben. Darin enthalten sind neben Personalkosten auch knapp 200'000 Franken Schulkosten und 110'000 Franken für Miete. Carlos hat im Kanton Basel-Landschaft während Monaten in einer Vierzimmerwohnung gelebt – zusammen mit einer persönlichen Betreuerin. Zu seinem Setting gehörte auch ein Thaiboxtraining beim zehnfachen Weltmeister Shemsi Beqiri. Dieser erhielt für seine Leistungen im Fall Carlos 47'700 Franken, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Während seiner Zeit im Sonder-Setting hat es mit dem schwer erziehbaren Jugendlichen Carlos keine Schwierigkeiten mehr gegeben.

Offene Lösung lag vor

Unterdessen ist Carlos ins Jugendgefängnis Uitikon überwiesen worden. Zuvor ist ein günstigeres Setting von Riesen Oggenfuss für den Jugendlichen geprüft worden, dieses ist aber laut Recherchen der «NZZ am Sonntag» im letzten Moment verworfen worden. Demnach soll der Jugendliche noch einen Tag vor seiner Überweisung ins Jugendgefängnis eine Ermächtigung unterschrieben haben, die für eine offene Unterbringung nötig war. Die Gründe, warum es damit nicht geklappt hat, sind unklar. Das letzte Angebot von Riesen-Oggenfuss betrug laut «NZZ am Sonntag» 18'905 Franken, was nur unwesentlich mehr ist, als die Kosten, die in Uitikon anfallen. Weil die offene Unterbringung geplatzt ist, sind Carlos und auch seine Eltern in einen Hungerstreik getreten, der am Wochenende immer noch andauerte.

Unterdessen hat die Justizdirektion die Zusammenarbeit mit Riesen-Oggenfuss nicht nur im Fall Carlos eingestellt. Auch ein zweites Sondersetting für eine jugendliche Straftäterin wurde abgebrochen. Auch die Kantone St. Gallen und Aargau haben der Firma je ein Mandat entzogen. Die in der «Schweiz am Sonntag» veröffentlichten Zahlen wollte die Firma nicht kommentieren.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.11.2013, 07:47 Uhr

Zu den Sondermassnahmen für Carlo (vorne) gehörte auch ein Thaiboxtraining. Foto: Screenshot SRF

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